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Wie lieben ältere Schwule? (2) *

Samstag, April 19th, 2014

Der Tod in Venedig, von Thomas Mann, wird wohl nur darum noch nicht zu den jugendgefährdenden Schriften gezählt, weil er ein Kunstwerk ist. Diese sind nach Gesetz von Beschlagnahme ausgenommen.

Die heterosexuelle Gesellschaft regt sich schrecklich über „die Pädophilie“ auf. Damit sticht sie gezielt in ein schwules Wespennest. Erstens werden ältere Schwule in dieses Klischee gepresst und zweitens finden Hetero/as schwule ältere Paare dann ausdrücklich „herzig“, gefahrlos und tolerierbar. Ich möchte aber weder im einen, noch im anderen Klischee schon vor dem körperlichen Tod begraben werden!

Über die Tatsache, dass viele Heteras schon nach den Vierzig mit dem Sex mit ihren Männern aufhören möchten (Studie) und die starke Tendenz von Heteros zu jüngeren Frauen, will ich mal tolerant hinwegsehen. Nicht zuletzt werden erwachsene Frauen, die „es mit Knaben treiben“ einfach nicht ernst genommen. Nicht mal eine 43jährige Lehrerin mit ihrem 14jährigen Schüler. Das so oft beklagte Machtgefälle wird mangels eines erwachsenen Penis – und das ist das Entscheidende! – nicht befürchtet. Da können dann erwachsene Männer in Leserkommentaren auf Zeitungsblogs öffentlich davon schwärmen, dass sie in ihrer Kindheit auch immer von sowas geträumt hätten… Und habe ich vielleicht nicht in meiner Kindheit davon geträumt, von einem erwachsenen Mann verführt zu werden? Oder darf ich das nicht schreiben, weil in meiner Jugend das „Schutzalter“ noch bei 20 war, während die Heteros schon ab 1942 fröhlich ab 16 durften? Heute blickt man Schwule noch vorwurfsvoll an, wenn sie von Freunden oder Kontakten ab 16 erzählen!

Ich hoffe doch sehr, dass diese Altersgrenze für Kontakte endlich für die Gleichberechtigung und die Gleichwertigkeit der Homosexualität tragfähig genug wird – bald 20 Jahre nach deren Einführung – und dass Schwule das politisch auch vertreten, statt zu kuschen!

Thommen in der untragbar, Frühling 2014

Thommen in der untragbar, Frühling 2014

Während bei Heterosexuellen „die Pädophilie“ meist eine einseitige Entscheidung von Männern gegenüber Mädchen ist, und die diejenige zwischen Frauen und Knaben als „politisch korrekt“ bezeichnet werden kann, gibt es inzwischen auch Jungs, die exakt auf ältere Männer stehen. (Das müssen nicht 10jährige sein, wie immer geargwöhnt wird!)

Und jetzt ist eine Beziehung zu benennen, die es offenbar bei Homos nicht geben soll: Die Gerontophilie. Die Liebe zu älteren Menschen – hier zu Männern. So mancher Stricher hat wohl in den vergangenen Jahrzehnten diese Orientierung auch profitabel ausgelebt. Aber dafür interessierte sich kein Richter (die homosexuelle Prostitution war 50 Jahre lang strafbar!). Unter dem neuen Recht aber wird Gerontophilie sicht- und lebbar. Denn was für den Einen Zukunft ist, ist für den Anderen fast schon Vergangenheit. Aber innerhalb des gleichen Geschlechtes verbindend. Es gibt nichts daran zu idealisieren, schon gar nicht als Rechtfertigung. Aber ein Junge und ein älterer Mann haben wohl mehr gemeinsam im Leben als jede erwachsene Frau mit ihrem Mann.

Aber ich stelle auch die Frage in den Raum, was sollen zwei alte Männer aneinander finden, die keinen Mann zu bemuttern oder keine Frau zu bevatern haben? Gut, oft mag das sogar bei Schwulen nach Heterosexualität aussehen. Aber wollen wir Schwulen das auch alle?

Viele heterosexuelle Psychologen und Pädagogen sind sich darin einig, dass vieles an der sexuellen Orientierung schon sehr früh festgelegt wird. Die neuesten Forschungen aber weisen nach, dass noch sehr vieles im Laufe des Lebens „fortgeschrieben, umgeschrieben“, oder gar erst geschrieben wird (Ilka Quindeau, 2008). Das dürfte wohl sehr für die sexuellen Bedürfnisse von heterosexuell Lebenden zutreffen, die im spätern Alter – so ab 50 – plötzlich entdecken, dass es ja auch noch Männer als Sexualpartner gibt. Für diese ist es leichter, nach ihren Frauenerlebnissen, sich für diese Partner zu interessieren, denn sie haben im Grunde genommen keine „schwule Biografie“. Sie kehren zum eigenen Geschlecht zurück, wie sie beim anderen Geschlecht auf Abwege geraten sind!

Problematisch wird es dann, wenn ältere Männer so weit zurückgehen müssen, um den verlorenen homosexuellen Faden wiederzufinden, dass es unter die Schutzaltersgrenze geht. Und Problematisch wird es vor allem, wenn es so spät im Leben um eine kindliche oder jugendliche Zeit geht, in welcher Homosexualität nicht gelebt werden konnte. (Hohe Suizidrate bei homosexuellen Kindern und Jugendlichen) Doch die Gesellschaft ist blind für Prävention, sie verurteilt lieber hinterher…

Ich weiss, jetzt sollte der Knüppel aus dem Sack! „Was meint der eigentlich?“ Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, ist ein gutbürgerlicher Spruch. Auch Schwule lernen, die Körpernähe von Müttern und Frauen zu erfahren. Schwestern zu haben, vielleicht sogar „beste Freundinnen“. Aber meistens haben sie einen homophoben Vater. Also ohne Körpernähe zu ihm. Nicht immer einen Bruder. Und die heterosexuellen Onkels tun sich lieber an Töchtern und Cousinen vergreifen – um die Spitze jetzt umzudrehen. Meine Onkels waren so ziemlich homophob und mit der Verführung meines Cousins war leider nix.

Also wie sollte ich lernen – fürs spätere Leben – mich an erwachsene Männer zu halten, sie geil zu finden und ihnen nachzulaufen, da hätte ich doch nur Schiss in den Hosen gehabt. Dass sie den kleinen Schwulen, der es doch selber noch nicht wusste, piesakten und ihn auf Mann drillten, das bleibt wohl unverjährbar – aber auch strafrechtlich irrelevant! Als ich mit zwanzig von einem wenig älteren Mitarbeiter in meiner Lehrfirma verführt worden bin, rannte meine Mutter aufs Gewerbeinspektorat. Die Firma durfte über Jahre keine männlichen Lehrlinge mehr haben… Und meine Mutter war so unschuldig in die Ehe gegangen und hatte von Homosexuellen schon gar keine Ahnung gehabt. Meine schon kindlichen Wixkontakte hatte sie wohl „übersehen“.

Und trotz all solcher widrigen Umstände gibt es Gerontophilie auf der Welt – und mitten unter uns. Ich meine jetzt nicht jene Frauen mittleren Alters, die Männer im Altersbereich ihrer Väter heiraten. Oder jene heterosexuellen Männer, die sich ihre Potenz durch Heirat von jüngsten Frauen beweisen lassen. Meistens ihre finanzielle Potenz.

Es gibt auch Jungs, die auf ihre Väter stehen. Aber mit ihren Müttern hätten sie wohl weniger Probleme mit dem sozialen Umfeld. Und es gibt Jungs, die sich trotz, oder gerade wegen der Homophobie ihres Vaters, an ältere Männer hängen. Ich weiss auch aus eigener Erfahrung, dass die Liebhaber- und Vaterrolle nicht unbedingt zueinander passen können.

Ich habe meine grundlegend-biografischen schwulen Erfahrungen mit etwa Gleichaltrigen, oder später um die 5 Jahre Jüngeren gemacht. Das hat mich geprägt. Doch allmählich merkte ich, dass das mit den gleichaltrigen Partnern irgendwo begrenzt war. So in den 30ern hängt ein Homosexueller irgendwie durch. Zu alt für die Jungen, zu wenig jung für die Älteren. In den 40ern bin ich plötzlich für gewisse Frauen interessant geworden. Ich bin jetzt über die 50 hinaus. Ich kann schon mal das „Beuteraster“ zwischen 20 bis um die 30 eingrenzen. Je nach Agilität oder Persönlichkeit des möglichen Sexualpartners. Da ich aber keine „Rollenspiele“ veranstalte, kann ich weder Stute noch Hengst anbieten! 😉

Gerontophilie durch die Hintertür?

Nun stellt sich ein für mich ganz neues Problem, an das ich nie gedacht hatte. Früher, als ich jünger war, fühlte ich mich unattraktiv und „alt“. Mit den sexuellen Kontakten konnte ich das aber etwas ausgleichen.

Heute bin ich nicht mehr so attraktiv und ich BIN alt! Ich würde heute nicht mehr unbedingt mit mir selber ins Bett gehen. Meine Attraktivität hat sich aber in meiner Persönlichkeit weiterentwickelt – auf einer kommunikativen Ebene. Mein Alter ist für viele Jungs schon im voraus eine Bedrohung. Besonders durch die Dämonisierung als „Pädophiler“, die auch ich zu spüren bekomme. Auch wenn ich kein heterosexueller „Fritzl“, oder nach SVP ein „Bubenschänder“ bin. Im Gegenteil. Mein Trick war immer, den Jungs vorab zu sagen, dass sie NICHT mit mir ficken müssen. Das hat all jene immer irritiert, die sich in Spekulationen über meine Kontakte zu Jungs den Mund zerredeten. Ich habe auch nie Drogen konsumiert und diese wie einen klassischen „Schleckstengel“ den Jungs angeboten! 😛

Ich bin in meinen eigenen Augen einer jener Männer, Väter und Onkels geworden, für die ich nie so etwas wie sexuelle Attraktivität empfunden habe. Ich bin für mich selber ein sexuelles „Unding“ geworden. Aber trotzdem gibt es immer wieder – und vor allem über die Internetkontaktseiten – jüngere Männer, die ich sexuell attraktiv finde und die gerade das an mir suchen, was sie selber „noch nicht haben“ können. Reife, Persönlichkeit, etwas Watte zum anfassen, und Selbstsicherheit. Ich erinnere mich noch an den Ausspruch von Peter Aschwanden, der 1992 im Auftrag des SF einen Dok-Film über den Pädophilen Daniel H. drehte: Es sei ihm bei den Recherchen zum Thema aufgefallen, dass die meisten Opfer von Daniel H. Buben ohne real präsente Väter gewesen seien – „allein erzogen“.

Ich bin daran, Schritt für Schritt ein Gerontophiler – aber kein Gerontosexueller – zu werden. Über die Interessen und Vorlieben von jüngeren Männern lerne ich, was an mir denn so attraktiv sein soll. Ich sei „Liebhaber, Vater, Bruder, Freund und Sexpartner in einem“, schrieb mir mal ein einundzwanzigjähriger Mann aus Deutschland.

Und die Heterosexuellen werden mit ihrer speziellen Art von „Pädophilie“, welche erwachsene Frauen zu (ihren) Babies, Mädchen, Chicks, Girlies, etc. macht, nie lernen, was eine schwule Biografie ausmacht. Das merke ich auch in Foren mit Bisexuellen. Sie reagieren meistens aggressiv auf eine schwule Biografie. Denn sie selber haben keine – höchstens eine fragmentierte heterosexuelle…

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

* siehe auch: Wie lieben ältere Schwule, den ersten Teil!

Siehe: Werner Catrina, Der späte Frühling

Thommens Kritik

L39 Basel – for gays, lesbians and friends

Freitag, Dezember 14th, 2012

Nach neun Monaten Umbau öffneten Philippe und Manfi das L39, völlig umgebaut und mit neuem Style. An der Bar und im Service: Philippe und Raffael.

Das Lokal ist „länger“ geworden und hat einen neuen Eingang bekommen. Auf der rechten Seite des Fensters geht’s zuerst in einen Windfang und dann gleich in die Bar. (Achtung Absatz!)

Die neue Bar schwingt sich auf der linken Seite von der ehemaligen Eingangstür bis zum Kellerabgang. An Stelle der alten Bar ist die Mauer hinters Haus durchgebrochen worden und bietet nun einen neuen Raum. Noch weiter hinten schliesst sich ein Wintergarten, glas-verkleidet zum rauchen an.

L39

Blick vom Eingang nach hinten in den überbauten „Garten“ – links der alte Durchgang zu den Toiletten (und der Kellerabgang)

Auf der Höhe des früheren Durchgangs zu den Toiletten entstand links eine Ecke und dieselben wurden nach hinten in die ehemalige „Dunkelkammer“ verschoben. Neu eingebaut und sauber ausgestattet.

Das L39 hat also an Raum gewonnen. Die Wände sind weinrot-braun gehalten und mit Schriften und Namen von bekannten Schwulen aus Zürich und der Welt verziert. Von Aeschbacher bis Oscar Wilde…

L39Eing

L39 Eingangsbereich

Dezentes Licht aus hohen, modernen Kristall-Lampen und weiter hinten indirekte Beleuchtung, die bestens zu den Polstersesseln und Tischchen passt. Vorne an der rechen Wand zieht sich eine Bank nach hinten, die mich leicht an den „Affenfelsen“ aus dem Sombrero 2 erinnert…

L39-Ecke

Die Ecke und anschliessend die neuen Toiletten

Die offizielle Eröffnungsfeier wird im Januar mit dem Segen des „Papstes“ stattfinden. Endlich hat das Lokal einen eigenen Stil gefunden, der auch für „auswärtige Geschmäcker“ attraktiv ist!

Nach 18 Uhr haben sich bereits zahlreiche Schwule und Lesben eingefunden, um einen ersten Augenschein zu nehmen. Ich hoffe nur, die Gästeschar hat ein bisschen Respekt vor dem Interieur und der Einrichtung, die nicht die billigste ist! 😉

Peter I. vom Kleinbasel

L39

Rebgasse 39 – 4058 Basel   Tel. 0041 61  692 54 79

offen von 18 – 03 Uhr

offizielle homepage  http://www.l39.ch

Die Bar ist gut erreichbar mit Tram (Tram/Bus H  Wettsteinplatz oder Claraplatz) und Auto (Parkplätze in der Nähe Theodors Kirchplatz)

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Das alte „elletlui“

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Früher: Geschlossene Fensterfront

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Blick von der ehemaligen Bar nach vorne, Eingang rechts

Dieser Blog bietet Infos, Texte und Links…

Dienstag, September 27th, 2011

Auf meinen > Thommens Senf-Blog (gesellschaftliche und politische Diskussion), und viele andere Seiten, die ich beim surfen gefunden habe!

auf die homepage meines > Buchladens (komm auch mal am Schaufenster vorbei!).  Zurzeit habe ich wieder viele Occasions-DVD zu 10-30 Franken.

Die Basler Szene, die Schweiz und die grenznahen Treffpunkte sind hier genauso über Links erreichbar wie die Portale und Profile im Internet. (Siehe rechte Spalte blau)  Alles wichtige Themen im Leben eines Mannes, der mit anderen Männern Sex hat. Schau Dich einfach um!  Peter Thommen

Solidarität mit Christopher…

Dienstag, Juni 21st, 2011

„Wir sind eine schlechte Community wenn es darum geht, uns selbst zu helfen, ganz besonders Jugendlichen. Vielleicht liegt es daran, dass viele von uns keine Kinder haben.“ (George Michael, zitiert nach Mannschaft-Magazin vom Juni 2011, S. 22)

Ich habe keine Ahnung, wie er auf sowas kommen kann. Heterosexuelle Eltern haben auch Kinder und sind untereinander unsolidarisch.

Eine Erfahrung hat sich für mich in den Jahrzehnten des schwulen Buchladens immer mehr konkretisiert: Schwule lesen im Allgemeinen ganz gerne Jugendbücher, worin ein coming out, oder die (schwule) Jugendliebe thematisiert wird.

In der letzten Zeit habe ich eine ganze Reihe von Kinder- und Jugendbüchern über schwule Jungs gelesen. Mit dieser Literatur versuchen sich auch immer wieder Frauen. Dann allerdings begegne ich darin den „Schwulen ohne Unterleib“. Das hat wohl seine anatomischen und erzieherischen Gründe. Und während Leser solcher Bücher sehr schnell in den Verdacht der Pädophilie geraten, bleiben auffälligerweise die AutorINNen davon verschont.

Es sind meistens – nicht immer – „einsame“ Geschichten, voller Enttäuschungen, Hoffnungen und Sehnsüchte. Darin vermisse ich die Solidaritätserfahrung ganz stark – mit anderen Jungs (es geht halt oft um Konkurrenz), oder von Heteros mit schwulen Jungs. In diesen Geschichten fällt das höchstens einer „besten Freundin“ auf.

Solidarität heisst sinngemäss, seine solitäre Situation herzugeben (dare). Auf Kosten des eigenen und besseren Status, sich mit Einem oder mehreren Anderen verbinden…

In der Realität kämpft meistens Jeder gegen Jeden. Oft gilt der Kampf mit dem Anderen symbolisch den eigenen Gefühlen, oder entspricht nach der heterosexuellen Moral dem Hahn, der möglichst viele – oder die Schönsten – in sein Nest zwingen möchte. Nach dieser Methode gibt es keine solidarischen Gruppen, nur solche, die wie „Banden“ sich einem Führer unterwerfen, um für ihn, oder gegen „die Anderen“ zu kämpfen… Das ist heterosexuelle Tradition. Aber müssen wir das übernehmen?

„Homosexuelle Tradition“ habe ich in der Schwulenbewegung auch noch erlebt als „Bettverwandtschaften“. Das heisst, dass ich in einem von mir selbst gewählten Kreis von anderen Schwulen Erfahrungen sammeln konnte, ohne immer gleich mit „der Liebe für das ganze Leben“ zu spielen. Ich habe auch bald einmal gemerkt, dass mir der Herzschmerz viel eher vergeht, wenn ich mich von Anderen und/oder von einem meiner Ex-Sexpartner emotional und auch sexuell trösten lasse. (Eben nicht von der „besten Freundin“!)

Das schlechte Gefühl bei einer Trennung hatte für mich also nichts mit einer falschen Liebe, sondern mit meinem Minderwertigkeitskomlex zu tun. Wenn Lover uns fallen lassen (das kann akzeptable objektive Gründe haben!), dann müssen andere Freunde an deren Stelle treten und uns wie in einem gewebten Netz auffangen. (Auch solche, die bereits „vergeben“ sind könnten das!) Dadurch erlebe ich Solidarität!

Wer seine wichtigsten emotionalen und sexuellen Kontakte immer nur erlebt, als sei er an einer einzigen Nabelschnur aufgehängt, der wird sich dauernd „verletzen“, „enttäuschen“, etc. Daraus ergibt sich der Spruch, der auch einmal der Titel eines Buches zum Thema AIDS war: „Wenn ich nicht lieben kann, dann dürfens Andere auch nicht!“ So hängen sich viele Jungs an irgendeinen dominanten Führer (sozial), oder an „die grosse Liebe mit dem Richtigen“ (emotional), dem sie dann meistens nur „dienen“ (oder sich von ihm wie von einer männlichen Mutter bedienen lassen), bis sie ersetzt werden können!

Es kommt immer wieder vor, dass wir selber nur einen temporären wichtigen Teil im Leben eines Anderen sein können. Das ist zu akzeptieren. (Gilt für alle Drama-Queens hier!)

Viele kleine bedeutende Augenblicke im Leben anderer zu sein, ist auf die Länge lebenserhaltender und psychisch gesünder, als der heilige Vulkanausbruch mit dem grossen Desaster hinterher… oder dann wenigstens alles nebeneinander. Und ich schwöre Euch bei allen schwulen Heiligen, davon profitiere ich bis in mein aktuelles Alter hinein! AMEN.

Ich führe meine Gedanken noch etwas ins „Politische“ aus: Als wir in den 70er Jahren als politisch bewusste Schwule am 1. Mai-Umzug neben den Ausländern und Frauen auftauchten, kam mir das Geschrei „Hoch die Internationale Solidarität mit der Arbeiterklasse“ etwas schräg vor. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese schreienden Männer solidarisch sein könnten, wenn sie sich nicht mal getrauten, einander die Hand zu geben. Die schauten dann wohl lieber nach der Demo ins Décolleté von Frauen…

Ich kann mich erinnern, dass neu auftauchende Türken, damals auch „Händchen hielten“ untereinander. Später dann auch die Tamilen. Das dauerte aber nicht lange, weil sie von den Heterosexuellen hier als „schwul“ denunziert wurden. Und es iss sehr selten, dass junge Männer sich spontan freundschaftlich zu berühren wagen…

Womit historisch und ethnologisch dokumentiert ist, dass es nicht mal des Schwulseins bedarf, um Gefühle füreinander zu haben und sich solidarisch zu fühlen. Ich komme nicht umhin, das Problem damit dem allgemeinen Heterror anzulasten, der die gleichgeschlechtliche Solidarität zu einer „Kumpelhaftigkeit“ und zum „Hahnenkampf“ untereinander um irgendwelche Frauen pervertiert hat. Allerdings wird sich unter der Hetero-Dominanz der Sexualkontakte, gerade wegen der Eifersucht der Frauen, daran bei den Männern vorläufig nichts ändern. Die Frauen hingegen haben sich im Patriarchat noch viel „Wärme“ erhalten können untereinander, trotzdem es bei ihnen „um den Mann“ geht.

Wir Schwulen wären somit ein Teil der gesamten Männerkultur. Stattdessen wird diese vom Bezug auf die Frauen völlig dominiert. Und diese tragen daran eine pädagogische und gesellschaftspolitische Mitverantwortung. Denn wie mir klar geworden ist in der letzten Zeit, geht es nicht nur um die Emanzipation der Homosexualität, oder der Schwulen, sondern auch darum, alle anderen heterosexuellen Männer und Macker „davor zu bewahren“. Der Kampf dagegen gilt nicht nur „der Homosexualität“ sondern auch „für alle anderen Männer“, damit sie „den natürlichen Gebrauch des Weibes“ (Bibel) nicht verlassen…

Solidarität kann nicht auf Befehl verordnet werden. Daher ist es unsinnig, von immer mehr Minderheiten, die sich jetzt von der Heterosexualität abspalten (LGBTAQ…), zu erwarten, plötzlich untereinander „solidarisch“ zu sein.

Dazu kommt die neue Moral, bei der jeder nur für sich selber verantwortlich sei – besonders bei HIV. Jeder soll auf „den Richtigen“ warten, der irgendwo im Leben versteckt sei, oder viele Junghomos wollen nur diesen Richtigen an sich binden und dann in der schönen Wohnung und bis ans Ende in den Sarg – verschwinden. So eine Einstellung erzeugt keine Solidarität.

Früher waren viele Schwule „übers Bett“ miteinander verwandt, weil man – schon verletzt von der Repression – sich nicht auch noch hinterher „fertig machen“ konnte. Diese gemeinsame Nähe meine ich, wenn ich von Solidarität schreibe. Sie ist mit vielen tausend Zweierkisten nicht zu erzwingen.

Wenn Junghomos für ältere Schwule nur Verachtung übrig haben, dann ist das ein grosses Hindernis für Alle. Denn die Diskriminierung der Älteren ist zugleich die Diskriminierung der eigenen Zukunft der Jüngeren. Und dies hängt nicht nur davon ab, dass angeblich „alle Älteren mit Jungs ins Bett wollen – und die Jungs nicht mit ihnen. Denn darüber lässt sich reden.

So mancher Junge, der früher in den 70ern auf die Älteren herabsah, kann heute nicht solidarisch sein, wenn er selber alt geworden ist. Er hat also nichts gelernt. Und so tun es auch heute die Junghomos in gleichem Masse nicht. Und sie werden auch wieder nichts lernen, aus Verachtung gegenüber den Anderen – aber letztlich gegenüber der eigenen Zukunft, die noch unsichtbar ist.

Nicht zuletzt ist es die Aufgabe von Angehörigen von Mehrheiten, mit Angehörigen einer Minderheit solidarisch zu sein, nicht umgekehrt! Und es gibt auch Jungs, die mit Älteren keine Probleme haben, weil sie mit ihnen reden, oder weil sie diese sogar geiler finden als die Gleichaltrigen. Aber da finden auch keine Gespräche und kein Erfahrungsaustausch darüber innerhalb der schwulen Generationen statt!

Dass die Solidarität besonders in den letzten Jahren abhanden kam, ist dem Zeitgeist zuzuschreiben und nicht spezifisch der Homo-Szene. Der Ansatz aber müsste lauten: Da die Homos sich in einem gewissen Ghetto-Freiraum bewegen können, hätten sie das Potenzial, wenigstens etwas in der Homoszene zu ändern, statt nur für sich selber zu schauen. Der Zeitgeist ist der Geist der Anderen und nicht des Ghettos, um das auch mal positiv zu werten!

Vielleicht können sich einige Junghomos die Zweierkiste zwischen 16 und 26 verklemmen und alternative Erfahrungen untereinander im Sex und in den emotionalen Erlebnissen machen. (Statt bis 30 auf den Richtigen zu warten!) Erfahrungen die sie dann auch für eine spätere Zweierkiste gut gebrauchen könnten. Aber es ist einfacher, von der einen Familie zu kommen und sogleich eine neue zu gründen, die wieder die gleichen Gesetze und Abläufe etabliert, wie mann sie schon gehabt hat. Jetzt einfach nur „auf homo“!

So hat Solidarität nichts damit zu tun, ob wir Kinder haben oder nicht. Aber sehr viel damit, wie diese kinderproduzierende Familie und Gesellschaft unser homosexuelles Leben mitbestimmt! Und die angeblich so toleranten schwulen oder lesbischen „Regenbogenfamilien“ werden mit ihren heterosexuellen Kindern eh vollauf selber beschäftigt sein! 😉

Wir sind am 25. Juni zwar auf dem gleichen Schiff, aber leider nicht „alle im gleichen Boot“.

Peter Thommen, Schwulenaktivist_61, Basel

(Überarbeitet am 13.7.11) 

eine „community“ frisst die Schwulen auf

Mittwoch, Februar 23rd, 2011

Ist Euch auch schon aufgefallen, was sich alles für Leute um das Wort „gay community“ herum tummeln? Oder welche Minderheiten in den Begriff hineingesteckt werden? Schwule Interessengruppen haben sich in den letzten Jahren unmerklich von „Homosexuelle“ auf „LGBT“ erweitert. Das provozierte mich kürzlich zur Bemerkung, dass offenbar die Minderheitengruppen bei den Heterosexuellen am Zunehmen sind!  😉

Dann fällt mir auch regelmässig auf, wie tolerant wir Schwulen gegenüber allen, vor allem natürlich gegen die Heteros sein sollten. Nicht die Mehrheit soll gegenüber Minderheiten tolerant sein, sondern die Minderheiten gegenüber der Mehrheit. Über die Konsequenzen solchen Denkens macht sich aber Keiner tiefere Gedanken. Die meisten glauben wohl, es wird schon richtig sein. Immer schwingt leise auch die unausgesprochene Schlussfolgerung mit: Wenn wir Schwulen erst mal tolerant gegenüber Heteros sind, dann wird uns keiner mehr diskriminieren. Dies ist nicht nur Unkenntnis, sondern lässt auch auf Faulheit und sogar den Unwillen schliessen, genauer auf historische und soziale Zusammenhänge zu blicken.

Dies stützt auch meine „untolerante“ Vermutung, dass der grosse Teil der Männer, die sich in die Homosexualität stürzen und gleichzeitig „Diskretion“ predigen – und den Betriff Toleranz nicht verstehen, weil auch nicht anwenden – einen Bildungsgrad erreicht haben, der sie nicht befähigt, sich mit den Tatsachen des Lebens auseinanderzusetzen (besonders nicht mit HIV). Dieser grosse Teil von Männern bleibt auch in ihrer beruflichen Weiterbildung stehen. Nicht nur was Erfahrungen mit Mitmenschen (sozial) und in der Kommunikation (als Dramaqueens) betrifft. Man könnte sagen: Wenn sie den Hintereingang mal gefunden haben, dann reichts ihnen fürs ganze Leben…

Der Anfang der Schwulenbewegung hat sich um eigene wissenschaftliche Recherchen bemüht und darum, die erlebten Erfahrungen untereinander zu sammeln und zu verwerten, um ihrem bisherigen Leben entrinnen zu können. Heute stürzen sich quasi viele Männer in die Homosexualität, um darin irgendein Glück – vor allem den Spass (was immer das auch heissen mag) – zu suchen. In aller Einfalt halt. Sie versuchen auf die Art, wie sie die Heteros sehen, mit ihren homosexuellen Bedürfnissen zu leben. Vor allem die Diskreten sind immer so untolerant gegenüber den „homosexuellen“ oder gar „anti-heterosexuellen“ Formen von Paaren oder Gruppen. Und die Verstrickung in alle diese alten, komödienhaften, bühnenreifen Alltags- und Schicksals-Probleme der Heteros muss ihnen wohl wie eine Art Heimat vorkommen. Das haben einige Printmedien und Internetmedien begriffen: Lifestyle ist gefragt!

Ich bin jetzt 10 Jahre im Internet und habe Tausende von Profilen auf Plattformen gelesen, oft bestückt mit gefakten Pics aus dem Internet und möglichen Angaben über die körperliche Beschaffenheit der „Bewerber“, um eine„seriöse Beziehung“ oder „einen geilen Fick“ zu bekommen. Mir scheint dass sich eine Erkenntnis in den letzten Jahren bewahrheitet hat, die von den meisten übersehen wird: „dass es bei Cybersex nicht um den Geschlechtsverkehr mit einem (wie auch immer gearteten) Anderen geht, sondern um die Vorstellung des Verkehrs mit DEN Anderen. Die Anziehungskraft dieses Eros besteht nicht darin, dass ich es mit allen machen kann, sondern mit allen auf einmal. Wenn heute vom ‚Untergang des Körpers’ im Cyberspace die Rede ist, so wird dabei vergessen, dass der Begriff des ‚Körpers’ selbst eine neue Bedeutung angenommen hat: Er bezieht sich immer weniger auf den einzelnen, ach so fragilen und ach so langweiligen menschlichen Körper und immer mehr auf einen grossen Körper, durch dessen Adern die Lust an sich strömt und der die vielen kleinen Körper zu einer Einheit verschmelzen lässt.“ (Christina von Braun: Versuch über den Schwindel, S. 277/78)

Hieraus wird auch verständlich, dass sich viele in Chats mit „Rollenspielen“ begnügen, oder mit Fantasieschilderungen bedient werden wollen, die alle dann plötzlich abbrechen, wenn einer der Beteiligten seinen Orgasmus erreicht hat, oder er sich in dem Geschilderten/den “Fantasien“ nicht mehr wieder findet.

 

Ich hatte grad kürzlich eine nette Bekanntschaft aus der der Ostschweiz gemacht. Ein stimmungsvolles Bild eines sehnsüchtigen Jungen im Profil und die Suchangabe nach einem „Daddy“. Nach ein paar Messages schlug der junge Mann mir ein Telefondate vor. Obwohl ich völlig ungeeignet für solche Spiele bin, trieb mich die Neugierde in diesen Live-Versuch. In der Stimme erkannte ich eine ganz gewöhnliche junge „Tunte“ (vor allem an dem etwas „spitzen“ Tonfall), die mich um meine Fantasien mit ihm bat. Mich machte schon diese einseitige Dienstleistung stutzig, die da gefordert wurde. Und wirklich: Nach ein paar Sätzen brach er das Spiel ab mit der Bemerkung: „Weisst Du, es macht mich einfach gar nicht geil“. Ich war nicht sonderlich überrascht darüber und sagte einfach: „Ok und tschüss!“ und legte auf. Es handelte sich übrigens um einen Deutschen, der wohl beruflich ins Ausland verzogen ist und jetzt etwas allein mit seinem Schwanz herumhocken musste.  😉

Doch wie manches Girl/Frau ächzt, stöhnt und heult, wenn sie für einen Mann die Beine breit macht, nur um ihm die Freude zu lassen, es „supergut“ gemacht zu haben und ihm die Motivation zu geben, sich hinterher bei anderen Männern brüsten zu können?

Der Einbruch der Heterosexualität in die Gefilde der Schwulen findet permanent und auf sehr vielfältige Weise statt. Gut dokumentiert wird das auf sogenannten „gay Plattformen“. Ihre Selbstbeschreibung hat sich vom Begriff schwul für gay auf den ursprünglichen Begriff gay für fröhlich reduziert. Ich will jetzt mal Abstand nehmen von allen Fetischen, die herumgeistern. Darüber gäbe es Bücher zu schreiben. Aber auch allein schon bei den Männern werden die Geschlechterformen und –Identitäten immer vielfältiger:

Die Travestie ist eigentlich ganz gut und mit Tradition in die schwule Community integriert. Dieses Spiel diente seit jeher der Unterhaltung auch der Heteros und dem Beweis, dass Männer sehr gut die Frauen „ersetzen“ können – ja „die schöneren Frauen“ sein können. Sexuell aufreizend sind Transvestiten höchstens für Heteros. Im Allgemeinen aber sind öffentlich auftretende Transvestiten schwul (mit einigen heterosexuellen Ausnahmen!) und wollen das auch sein und bleiben. Sie sind auch meistens noch „nach der Vorstellung“ in der gay community unterwegs.

Die Bisexuellen – könnte man denken – hätten doch am meisten gemeinsam mit Schwulen! Doch das ist nicht der Fall. Das einzig Gemeinsame besteht im Bedürfnis nach Sex mit einem Mann. Alles andere möchten sie „nicht ändern“ – „Bin ungeoutet und das soll auch so bleiben. Akzeptiert dies oder lasst mich in Ruhe.“  39 (verh.) – „bin bi ungeoutet will es auch bleiben, bin hier um nette ehrliche Menschen kennenzulernen.“ …

Nicht alle sind so, aber es ist die ganz grosse Mehrheit, die es weder mit ihren Freundinnen, noch mit ihren Frauen oder Familien verderben wollen. Bi-Mann will zwar vom Honig schlecken, aber sich den Mund nicht klebrig machen! Wenn sich Gruppen bilden, dann vornehmlich unter dem Dach der Schwulen. An öffentliche Demos ist gar nicht zu denken! Sie teilen letztlich nur Augenblicke der Lust mit Schwulen…

Bei den Transsexuellen laufen die Interessen zu den Schwulen schon wesentlich mehr auseinander! Ich kann auf einige wenige persönliche Bekanntschaften mit Transsexuellen zurückblicken. Es mag eine Handvoll sein. Sie frequentierten zwar die gay community und wurden auch toleriert, aber sie verschwanden dann meistens mit einem heterosexuellen Ehemann. Doch wie das weiterging oder endete, erfuhren wir höchstens aus dem Szenentratsch, oder gar nicht. In der virtuellen gay community sind sie aber zu einem festen Teil geworden. Aber nur als Gruppe, nicht als „länger anwesende“ Profile, wie die Schwulen.

Immer mehr fallen die „internationalen Transen“ auf, die sich für bestimmte Zeiten in bestimmten Städten „anmelden“, wohl um dort „solvente Kundschaft“ anzulocken und nicht wirklich schwule Partner für ein Date, oder auf der angeblichen Suche nach „dem Richtigen“.

Auch diese „solvente Kundschaft“ bevölkert immer mehr die virtuelle gay community. Als Heteros, als Profile ohne Angabe der sexuellen Ausrichtung, oder als Bisexuelle. Offenbar hat das auf heterosexuellen Plattformen keinen Platz?! Da sind wir Gays doch viiil toleranter!

Es ist übrigens interessant, dass viele Heteros und Bisexuelle gerade über diese „Transen-Schiene“ in die Homosexualität eintreten. Was die Junghomos „stramm hetero-like“ abweisen: Weiblichkeit, Weichheit, Passivität bei Männern. Das greifen diese Abweichler von der Mehrheit auf, um einen Hybrid-Einstieg zu wagen. Dazu ein kleines Detail. Shemales werden oft und stramm-hetero-like als „Schwanzmädchen bezeichnet“. Bei Lichte besehen sind es aber „Tittenbuben“! (Ihr wisst schon was ich meine!)  😉

So kann man heute immer mal wieder über Headlines stolpern wie: „Sorry Gays, aber ich suche keine Männer!“ – „Ich möchte nur von DWTs, Transen und TVs Messages erhalten!“

Die neueste Gruppe der heterosexuellen Minderheiten sind die Transmen, oder auch mal Transfrauen. Sie treten bescheidener auf als die Transen. Die Angabe körperlicher Details wird eher vernachlässigt. Auch sie suchen sich Partner bei den Schwulen. Warum vergessen diese Leute aber immer ihre Lebenserfahrung aus dem „vergangenen“ Geschlecht, die ja nicht einfach wie auf einer Festplatte gelöscht werden kann? Also die Biografie einer Frau, die sich in einen Mann hat verwandeln lassen und mit einem Mann weiterleben will…

Was „vereint“ denn die gleichgeschlechtlichen Lebensweisen? Die gemeinsame Sozialisation und Lebenserfahrung als Männer oder als Frauen.

Was „vereint“ die homosexuell orientierten Menschen? Die gemeinsam erlebte grössere oder geringere soziale Diskriminierung noch obendrauf. Oder das emanzipierte Bewusstsein „anders – aber gleichwertig“ zu sein. Heteros eint: Gleich wie die Anderen, aber je anderswertig zu sein. Was sich nach wie vor an der Situation der Frauen – und auch der Schwulen – sehr gut ablesen lässt.

Wir können doch die geschlechtsspezifischen Erfahrungen und Lebenslinien nicht über den Haufen werden und öfter mal „neu anfangen“ im Leben! Nur Heteros, die mehrmals heiraten, glauben auch an sowas. Eben.

So finden wir Schwulen uns aus der historischen Bewegung über irgendeine gesellschaftliche Toleranz hinweg in einer Community wieder, die Schwule längst zu einer Minderheit unter den Minderheiten rücktransformiert hat. Die Gesellschaft hat uns mit dem Partnerschaftsgesetz Honig ans Maul gestrichen, aber gleichzeitig weitere Minderheiten absorbiert (sh. oben!).

Wenn man/frau/gender mir jetzt Intoleranz vorwirft, dann muss ich zurück fragen, warum denn alle diese vielfältigen Gender und Geschlechter doch meistens darauf aus sind, letztlich eine „hetero Zweierbeziehung“ zu finden, während ich als einfältiger Schwuler darauf aus bin, mich gerade nicht in eine solche einschliessen zu lassen!?

Dient vielleicht diese ganze Vielfalt von Geschlechtswesen nur dazu, letztlich die eheliche Zweierbeziehung unangetastet zu lassen und damit auch die gesamte Herr/Frauschaftsstruktur dieser Gesellschaft zu bewahren? Für Sonderformen gibt es eben Sondergesetze.

Das entspräche auch der Logik der „Toleranz von unten“, die eben die Machtverhältnisse nicht ändert und schliesslich resigniert – spätestens an dem Punkt, wo die Körperformen, die virtuellen Formen und die Gesetzesformen einmal erschöpft sein werden…  Guten Abend!

Peter Thommen (61) und „stramm-homo-liker Schwuler“  😉

Aktuelles Beispiel: „Eine Frau mit Herz (24, und XXL-Schwanz!) sucht Mann mit Herz für eine treue ehrliche Beziehung.“

siehe auch meinen Text über „Ehrlichkeit und Treue“!

und über mein Verhältnis zu „den Heteros“!  😉

Augenblicke der Wahrheit…

Montag, Januar 17th, 2011

Am Donnerstag, dem 24. Juni 2010, abends, ist mir so was von Selbsthass und Projektionen begegnet im guten alten Elle&Lui, wie es wohl nur Psychotherapeuten und Psychiater real erleben! Schwule müssen sich meistens mit dem Hass von heterosexuell Orientierten auseinandersetzen, wobei sie oft die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen dabei die bis zur Perversion verleugneten eigenen Anteile dieser Heteros/as in einer real-dramatisierten Form begegnen.

Viel härter noch ist die Form des heterosexuellen Selbsthasses, der einem in Person eines Homosexuellen begegnen kann! Ein heterosexuell motivierter Hass, der sich zudem nach aussen und zugleich an „die eigenen Leute“ richtet! Meistens läuft diese Form von „Selbsttherapie“ nur unter Schwulen ab und wird daher von Heterosexuellen und der Wissenschaft gar nicht zur Kenntnis genommen. (Das typischste Beispiel ist der Hass gegen die Tunten.) Und die Schwulen schütteln einfach nur den Kopf, wenn ihnen „so etwas“ mal zufällig begegnet.

Es sind mir verschiedenste Formen dieses Selbsthasses gegenwärtig, vor allem aus den letzten Jahren, in denen die Schwulenbewegung an Bedeutung verloren hat. Vor allem jetzt im Internet, wo die verschiedensten Formen davon sich hinter Fetischen, Drogen, Destruktion und Selbstzerstörungen psychischer und sogar physischer Art verbergen.

Dieser Selbsthass ist der verlängerte Arm der heterror-sexuellen Kultur, die es immer wieder schafft, ihre Drohung wahr zu machen: Nämlich dass ein selbstbestimmtes schwules Leben „von Natur aus“ – und noch nicht mal schon ab 16 Jahren – keine Aussicht auf Erfolg hat und nur in der sprichwörtlichen Scheisse enden kann und muss. Dabei komme ich nicht umhin, auch an die Lebensform Frau zu denken. Doch dazu später.

Der „Schwulenpapst“ wird nicht nur geliebt von Schwulen, und das ist auch normal so. Ich habe mich immer mal wieder damit auseinandersetzen müssen und das „ging ganz schön an die Nieren“. Denn die „Kuschel“-Akzeptanz von Heteros oder der „Heteroszene“ ist noch nicht wirklich „nachhaltig“. Aber für Homosexuelle, die innerlich froh sind, nicht mehr beschimpft oder gar getreten zu werden (zB früher unter dem alten Schutzalter bis 20 Jahre), ist das schon mehr als das halbe Leben.

Das Symptom, das ich soeben beschrieben habe, kenne ich vor allem aus der Bisexuellen-Szene im Internet! Bis ich den Zusammenhang bemerkt habe, hatte ich Diskussionen gehabt, die bis ins Unerträgliche der persönlichen Beleidigungen gingen und Drohungen gegen meine Person und meine körperliche Unversehrtheit enthielten. Die Person, die in dem Schwulenlokal gegen mich ausfällig wurde, erinnerte mich auch an Diskussionen, die ich vor ein paar Jahren mal mit Frauen hatte. Damals hatte sich bald herausgestellt, dass diese in ihrer Kindheit sexuelle Übergriffe erlebt hatten. Nun, die hier beschriebenen Aengste können auch vor der Furcht davor entstehen…

Ich muss hier auch anfügen, dass ich auf einer Kontaktplattform, die vor allem für Junge gedacht ist, Erfahrungen mit „pädophilen“ Zuschreibungen (Verdächtigungen) gemacht habe. Die Rolle des „Pädophilen“ ist mir dabei zugefallen, weil ich als älterer Schwuler einige Jungs in Diskussionen daran erinnert hatte, dass sie nicht darum herum kommen würden, ihre sexuelle Orientierung auch ihren Müttern zu gestehen! Denn von anderen Jungs „Ehrlichkeit und Treue“ zu fordern, ohne sie selber auch ausserhalb der Beziehung – oder innerhalb der heterosexuellen Familie – zu praktizieren, finde ich sehr widersprüchlich. Dabei bin ich natürlich auch voll in die Rolle eines Vaters hineingelaufen, der bekanntlich bei Jungs – vor allem homosexuellen – nicht eine hervorragende Rolle spielt.

„Mutter“ kann natürlich sehr vieles sein! Das hängt nicht an den realen Blutsverwandtschaften. Und für viele Homosexuelle ist offenbar die Gesellschaft, ihre Moral und wie sie das so erleben, auch eine Art Mutter!

So, jetzt glaube ich, fast alle Elemente zu dem Phänomen zusammengetragen zu haben. Stopp! Noch etwas muss ich dazufügen: Mir sind in den letzten Monaten ältere Homosexuelle in meinem Laden begegnet, die mir von ihren „heterosexuellen“ Verletzungen in der Jugend und bis ins junge Erwachsenenalter erzählten. Männer, die noch älter sind als ich selbst – also 65, 70 und um die 80. Männer vor allem, die nie von der Schwulenbewegung erreicht worden sind!

Kehren wir also zurück zu jenem Abend im Elle&Lui – und vor allem – zu dem, was ich da eigentlich „verbrochen“ hatte. Ein paar Stammkunden sassen herum. Bei ihren Bieren. Und Tarik war wie immer um das Wohl seiner Gäste besorgt. Wir foppten ihn damit, wann wohl die Türken an der Weltmeisterschaft spielen würden…

Nun platzte ich mit einer aktuellen Meldung aus den USA heraus: Da hatte ein Zehnjähriger in seiner Schule das tägliche amerikanische Treuegelöbnis mit Fahnenaufzug und Hand auf dem Herz plötzlich verweigert, weil er der Meinung ist, dass Gleichheit in den USA für Schwule und Lesben noch lange nicht erreicht sei. Auch exponierte er sich mit den Eltern im Fernsehen, weil er in seiner Stadt den CSD-Umzug anführen wird. (googeln nach: Ethan McNamee) Ich fand das mutig und auch irgendwie nett…

Doch bei einem der Stammgäste, er hatte wohl schon einige Bierchen in sich, löste das eine plötzliche und heftige Reaktion aus! Ich hatte gelegentlich – über die letzten Jahre – immer mal wieder mit ihm und Gästen diskutiert. Natürlich über schwule Belange. Und meistens ist bei ihm so ein Bodensatz an „Säuerlichkeit“ zurückgeblieben. Wie das bei Bierkonsumenten schon mal üblich ist?

Doch jetzt legte er ein Donnerwetter gegen mich los, das sich nur über die Jahre zusammengebraut haben konnte. Ich sei völlig von Sinnen und würde quasi noch Kinder ins Verderben zerren. Dem Jungen sei das nur eingeredet worden, denn selber könne der das unmöglich beurteilen. Er hätte mich schon länger beobachtet (und natürlich beargwöhnt) und ich gehörte in den Knast als Krimineller – wegen „solcher“ Aktivitäten. Soweit ein Ausschnitt aus der persönlichen Ebene.

Genau diese meine Ansichten würden bei der heterosexuellen Gesellschaft das Renommee der Homosexuellen in den Dreck ziehen und die allgemeine Akzeptanz verhindern. Damit würde ich „denen“ in die Hände arbeiten und den Homosexuellen nur schaden. Soweit die gesellschaftliche – oder eben „Mutter“-Ebene.

Es hatte sich eine allgemeine Betroffenheit ausgeleert an der Bar. Der Barman sagte nur: „Ich äussere mich nicht dazu!“ – Das erwartete ich eigentlich auch nicht von ihm, der in solchen Fällen ja immer versucht, seine Gäste wieder zu beruhigen und allgemein Harmonie zu verbreiten. Und wir lieben ihn ja auch alle.

Der Ausbruch dieses Stammgastes überraschte mich auf der einen Seite. Andererseits erkannte ich darin diese Säuerlichkeit wieder, die er jeweils in Diskussionen mir gegenüber zurückliess. Seine heftige Reaktion war ähnlich einer Person, die reale sexuelle Übergriffe erlebt haben musste. Ich sagte ihm auf den Kopf zu, dass er jetzt einmal wirklich ehrlich gegenüber mir gewesen sei und ich ihn quasi verstehen würde, aber dass ich seine Beleidigungen und Beschuldigungen und Drohungen zurückweisen müsse. Ich schlug zurück mit der Bemerkung, was hätte ER denn schon getan, als immer nur seine Biere zu trinken und den Finger im Arsch zu drehen. Punkt.

Irgendwann redete er dann mit seinen Nachbarn an der Bar und erstaunlicherweise hatten die Leute plötzlich Diskussionsstoff miteinander und die Drama-Szene wurde durch neu hinzukommende Gäste langsam wieder verwischt. (Ich weiss natürlich nicht, welches die realen Hintergründe in seiner Biografie sind, daher verlasse ich jetzt die persönliche Ebene.)

Die aktuelle Gayszene verdrängt vor allem die frühen biographischen Elemente eines selbstbestimmten schwulen Lebens, wie auch die heterosexuelle Kultur das selbstbestimmte Leben von Frauen noch immer nicht völlig akzeptieren kann. Hier wie dort führen die als „normal“ verstandenen Verhaltensweisen in „normale“ Zweierbeziehungen hinein, wie Ehe, eingetragene Partnerschaft, die eine „selbstgewählte“ und als dominierend erlebte Form von Familie einfach fortsetzen.

Normalität war schon immer angesagt. Ich erinnere an die Geschichte der Schwulen aus dem letzten Jahrhundert: Die Vereinheitlichung verschiedenster kantonaler und historisch-kulturell und religiös geprägter Strafgesetze mündete 1942 in ein doppeltes Schutzalter von 16 für heterosexuelle Kontakte und eines von 20 für homosexuelle Kontakte. Dies traf vor allem die homosexuellen Männer – bis Ende der 80er! Nach der Moral des alten Strafrechts war der überwiegende Teil der Betroffenen zu Tätern geworden. Juristisch war egal, wer jünger oder älter war, auch ein Stricher war einfach ein „Täter“ – aber sinnigerweise auch Opfer – sonst hätte man dem Freier ja nichts antun können. Auffällig in dieser Zeit waren auch die wiederholten Beteuerungen aus der Schwulenszene und den Schwulenorganisationen, dass auf keinen Fall unter 20jährige akzeptiert würden und dass auch die Prostitution, die quasi für Männer verboten war, bekämpft würde. Das war eine Konzession an die Mutter-Moral der Gesellschaft.

Ich weise ausdrücklich nochmals darauf hin, dass diese Konflikte bei Frauen kein Thema waren. Täterinnen gegen das homosexuelle Schutzalter waren von 1942-1992 unbedeutend. Wer jetzt den Frauen mehr Disziplin oder Unschuld zuspricht, glaubt wohl an Märchen oder eben daran, dass Frauen keinen Penis haben und somit keine „Taten“ begehen können…

Diese Konzessionen an die „Mutter-Moral“ der Gesellschaft werden wider besseres Wissen gemacht. Etwa so ähnlich, wie Opfer sich in TäterInnen verlieben, um sich die reale Situation nicht eingestehen zu müssen*. Ich kann mich schon immer erinnern, dass Schwule von ihrem „anderen“ Bewusstsein schon aus früher Jugend berichtet haben, ungeachtet eines moralisch/juristischen „Schutzalters“.

Zudem möchte ich ausdrücklich daran erinnern, dass das „Schutzalter“ eine hilflose Begriffskonstruktion ist, die einfach linear über eine Biografie gelegt wird – zur „Gleichbehandlung“. Die einzige Politikerin, die jemals öffentlich von einem „Alter der sexuellen Selbstbestimmung“ sprach, war die FDP-Bundesrätin Elisabeth Kopp. Ganz vergessen wird immer, dass der Bundesrat für die Revision ein Selbstbestimmungsalter von 15 Jahren vorschlug, die Expertenkommission von 14 Jahren. Es kann mir keineR weismachen, die seien alle „pädophil“ gewesen!

Es hat sich im Zuge einer allgemeinen „Gleichberechtigung“ von Homo- und Heterosexuellen eine moralische „Gleichbehandlung“ etabliert, die sich jetzt als Heterror erweist: Der Schutz der Jüngeren vor den Aelteren. Jungs werden behandelt wie Mädchen und müssen vor Penetrationen geschützt werden. Denn sie sind – nach heterosexueller Moral – zur Passivität verdammt wie die Mädchen. Das entspricht auch der Ideologie vom Täter: Frauen können keine Taten begehen, weil sie keinen Penis haben. Daher sind sie generell für Jungs ungefährlich und ihren Manipulationen völlig ausgesetzt. Jungs bringen kein Kind heim, über das Frau sich freuen kann. Und Täterinnen können die Angabe des Vaters verweigern, wenn sie mit Jungs im Schutzalter „fruchtbaren“ Verkehr haben…

Dass es Jungs geben kann, die auch mal Erwachsene penetrieren wollen und können, können sich Frau und Mann höchstens in der Heterosexualität vorstellen – und das ist ja dann nicht so schlimm. Eben besonders, wenn es dann neun Monate später ein Kind zu betreuen gibt. Keine Traumatisierung, kein Seelenschaden.

KeineR würde sich unter Gleichberechtigung oder Gleichwertigkeit vorstellen, dass Frauen wie Männer sein sollen – oder per Gesetz gleich behandelt. Aber in Bezug auf Homosexualität werden Homosexuelle/Schwule über den gleichen moralischen und juristischen Kamm geschoren wie Heterosexuelle. Auch Lesben betrachten letztlich oft Schwule als „richtige Männer“! Haben wir diese „Gleichmacherei“ so gewollt?

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel

*Das sogenannte „Stockholm-Syndrom“ (> Wikipedia)

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