Alle swissgay – Ausgaben als PDF 1980-1996…

Das erste swissgay Blatt erschien im August 1980. Er sollte den „Freundes-Anzeiger“ ablösen. Es wuchs aus dem „Freundes-Anzeiger/ARCADOS-Magazin“ (Mai 1980) heraus und erschien ab Oktober 1994 in neuer Folge separat als Publikation:

😉 Von Anfang an verteilte ich ein Blatt für den Buchladen, um mich überhaupt bekannt zu machen. Damals gab es in der Schweiz noch das hey, diesem machte dann das kontiki Konkurrenz. Das älteste Heft war der „Kontakt“. Damals im Kleinformat und sehr schwarz daherkommend… (heute: display)

Freundesanzeiger

Freundesanzeiger

1980 war der Sommer der GAY’80, der grossen Schwulendemo in Basel (während Elisabeth II. die Grün 80 besuchte) Der Slogan hiess damals: „Wir brechen aus!“ swg 5’80  swg 8’80swg 9-10’80

Es war die Zeit der Schwulenmagazine – so faszinierend wie heute das Internet. Aus allen Sprachen und Ländern kamen welche. Die schärfsten waren die Amerikaner. Auch Jean-Daniel Cadinot hatte gerade mit Fotos und Magazinen begonnen. Es gab das legendäre „Gay Pied“, eine schwule Wochenzeitung in Paris.

In jenen Ausgaben des swiss gay versuchte ich eine Übersicht über die Schwulenszene und die Anlaufstellen der „Homosexuellen Arbeitsgruppen“ zu geben. Im Isola-Club gab es noch das Herbstfest und in Basel einen Filmzyklus über Schwule im Camera. Es war auch die Zeit der Taschenkalender – auch eines schwulen aus Berlin. Ronald M. Schernikau hatte seine „Kleinstadtnovelle“ geschrieben und Alexander Ziegler löste mit seinen Büchern Skandale aus. Immer mehr Künstler traten mit Porträts und Männerbildern hervor: gay art entstand.

swissgay vom Mai 1981, mit den Männern aus der ital. Modezeitschrift

1981 erschien in einer italienischen Modezeitschrift ein Männerpaar, händchenhaltend und in der Aussenhand je einen Strauss mit Maiglöckchen umfassend. (Die Bilder sind der Wirklichkeit meist voraus!)  swg 4’81swg 5-6’81

1983 erschienen erst wieder die nächsten Ausgaben von swiss gay – auf die Demo der Schwulen in Luzern hin. Ich hatte extra einen Ansteckknopf kreiert! Im September jenes Jahres dann war AIDS nicht mehr zu ignorieren. In allen Medien wurde darüber geschrieben und in der Schweiz Beratungsstellen eingerichtet.  swg 5’83,  swg 6’83,  swg 9’83  Siehe auch Texte über die Minderheitensituation in der Schweiz 1983

1985 dann erst wieder eine neue Nummer, zum „CSD“ in Basel. In der Romandie erschien erstmals ein gay Magazin: das „Désir Bleu“.  swg 6’85

1994 erschien dann im Oktober eine neue Folge. Ich versuchte es mit intellektuellen Beiträgen

Nr. 1, Oktober 1994  Thomas T. Roth: Schwul und männlich – Bart Mann – Biographisches – Was ist eine(e) Schwuler/Schwester? – Das Männerbild X-large (Play Mec 10’94) – Thomas T. Roth: Radical Fairies – höchste Zeit für eine Idee? – A.C. Polesello: Nicht immer trägt der Bartmann die Haare im Gesicht – Th. T. Roth: Bärte und Bäuche im Regen – Adrian Ramsauer: Schlank sei der Schwule, genussreich und angepasst.

Nr. 2, April 1995  Ich bin der Mann in Papis Bett (busi) – Zusammenbruch der Heterosexualität? (Marc Walder, 1995) – hetero macht auch nicht froh! – Und ich hab mir keinen Hund angeschafft (S.) – Mann liebt Mann (VNeues Leben, Bspr. von Edgard) – Bisexuelle (aus SiS 2’95) – Schade dass sie eine Frau ist (Rez. le) – Frauen von Freunden (Tucholsky 1925, Kreis 1966) – Mein Vater ein Arschficker? (aus Mica: Schade dass… ) – „Jetzt sind wir gute Freunde“ (3er und Kind, 1989)

Nr. 3, Mai 1996  Thomas Roth: Auf der Suche nach einer schwulen Identität (Essay)

Inzwischen aber hatte ich das schwule Wochenblatt „Thommen’s Senf“ für Basel lanciert und die Schweiz war wieder in die Ferne gerückt. Der „swiss gay“ erschien nicht mehr im alten Jahrhundert.

2005   „möchte ich die Städte Zürich und Bern wieder ins Visier nehmen und gleichzeitig über die neuesten Entwicklungen im Internet berichten und diskutieren“dachte ich damals…

aber ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass es zur Männerliebe, zum Schwulsein, zum Ficken, oder was immer auch, nicht nur den Unterleib, sondern auch die Kopfarbeit braucht, um sich persönlich weiter zu entwickeln als ein stinknormaler Hetero.

Peter Thommen (Text von 2005, ergänzt im Februar 2011)

 

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