Basel, schwule Chronik ab 2000

Dies soll eine Geschichts-Seite von „swissgay“ werden. Hier sind Einblicke, Einsichten und Rückblenden aus den Basler Szenen zu finden!

Siehe auch Bücher über die gay Szene und Szenen… (aus Deutschland)

Prävention. Immer wieder beschäftigte mich die AIDS-Prävention, insbesondere die militanten „Barebacker“. Sie glauben an die „Freiheit“ im Präventionszwang. Sie ähneln denjenigen, die aggressiv-schwulenfeindlich sind. Sie wandeln ihre Verzweiflung über die „Unfreiheit“ in Sexualpraktiken in Aggressivität gegen andere Schwule um. Und sie sind fast immer zu feige, ihr Gesicht zu zeigen. Ja, sie präsentieren entweder ihr Arschgesicht, um Opfer zu werden, oder ihr Schwanzgesicht, um Täter zu spielen…

2003 – heteromässiger Krieg gegen den Gummi (PDF). Einige Überlegungen zu schwulen Identitäten und heterosexuellen Rollenvorbildern und der gefährlichen bürgerlich-familiären Doppelmoral.

2011 – anlässlich der 25 Jahr-Party der Aidshilfe beider Basel ein Interview der Baselld. Zeitung mit Daniel Stolz und Claude Janiak (PDF)

schwule Originale aus Basel 

Harry Laubscher, Harry  in einer Miniatur von -minu (BaZ 26.8.2011)

Basler Szene. Geschichten um die Grüppchen, Tische, Schiffe, Treffs und Wandlungen

2001 Am 11. Mai  erschien im Schweizerischen Beobachter eine Reportage über “Arcados”. Darin wird behauptet, ich sei in “Pädophilie” verwickelt. In der Pink Tube vom 18.5.2001 (PDF) reagierte ich darauf. Urs Rauber (*1948, heute bei der NZZaSonntag/Bücher) war wohl durch eine empörte Frau darauf gestossen. Er telefonierte kurz vorher mit mir, ohne mir offiziell die Vorhaltungen zu präsentieren. Er liess mich auch nicht Stellung nehmen. Im Herbst erschien der Text ohne Vorwarnung nochmals in der damaligen “Beobachter-Rubrik” der BaZ. Der Mann hatte mich in die Pfanne gehauen. Jedenfalls intervenierten ParlamentarierInnen von links bis zum SVP-Freysinger beim Bundesrat, der schliesslich verlauten liess, die damalige homepage auf meiner Domain (arcados.ch) verstiesse nicht gegen das Strafgesetz.

2005Zwei schwule Mädchen gründen gaybasel.ch

2007  Eine schwule Sexualkultur konnte nicht entstehen

Auch im Jahr 2007 ist der Spartacus das meistgelesene Buch der homosexuell praktizierenden Männer! Trotz Internet bildet er für viele immer noch die Quelle zum Auffinden von Orten und Lokalen für schwule Lust. Parks, Bars und Klappen sind aus der Mode gekommen. Schwule und heterosexuelle Männer suchen und finden sich in Kontaktplattformen im Internet. Da werden auch tausende von Fotos und Videos angeboten. Sie zeigen, wie einfach die schwule Lust erreicht werden kann. In Chats und Foren tauscht man Phantasien und Wünsche…

Für den realen Sex suchen jetzt viele die Autobahnrastplätze auf und fahren mit dem Auto an diskrete Orte… Immer noch müssen Tausende „diskret“ sein, dürfen keine Magazine und Bücher „herumliegen“ lassen und die meisten scheuen sogar die komfortablen und diskreten Gay-Saunen, sogar wegen des Eintrittsgeldes.

Eine schwule Sexualkultur konnte noch immer nicht entstehen. Schwuler Sex bleibt weiterhin eine „Unterabteilung“, versteckt in den Nischen zwischen dem offiziell Heterosexuellen. Und auch letztere eilen von Date zu Date, denn die Freundin oder Ehefrau darf nichts davon erfahren, denn das sei angeblich auch „gut so!“

Dort wo die Informationen schnell wieder zugeklappt werden können und Bücher oder Gesprächspartner für die Reflexion von Erlebtem fehlen, bleibt viel Erlebnismüll in den Köpfen zurück: Verarschungen, Faker, stressige Sexerlebnisse, Sehnsucht nach Selbstaufgabe und Verschmelzung mit dem „richtigen“ Freund, sowie Probleme mit der Safersex-Kontrolle.

So streift der älter gewordene Buchhändler jetzt im Internet, in den Plattformen, über Profilseiten und durch Chats. Viele wursteln einfach allein vor ihrem PC oder mit Zufallsdates per SMS. Und was sich darbietet ist von himmelschreiendem sexuellem Elend!

Schwierig ist es geworden, den Leuten wichtige Informationen zu verkaufen, denn im Internet „gibt es doch alles gratis“. Und die vielen Porno-Liebhaber, die ihre Sexualität abends oder am Wochenende medial ausleben, bedienen sich der unübersehbar gewordenen Zahl von DVDs oder der Webcam im Internet. Im Vergleich dazu sind dann die Bücher meist „zu teuer“.

Es bleiben dem kleinen Laden die Wagemutigen, die Fachinteressierten und einige Zufallskäufer. Denen vermittle ich die gesuchten Infos, Bücher oder DVDs, die nicht überall vorrätig sind. Oder Bücher, die es nur noch antiquarisch zu kaufen gibt.

Gerade ist aus London ein Hilferuf vom selbigen Gaybookshop eingetroffen! Der Oscar Wilde Bookshop (*1973) hat geschlossen. Die schwulen Buchläden in Deutschland stellen die Publikation ihres papierenen saisonalen Bücherkatalogs ein! Damit werden nun jene ausgeschlossen, die keinen Internetzutritt haben können. In München hat auch ein schwuler Buchladen geschlossen…

Meine Erfahrung mit der aktuellen „Internetszene“: Jeder sucht auf eigene Faust und im Glauben an sein persönliches Glück – entweder nach dem Sex um jede mögliche Ecke, oder nach „dem Richtigen“, dem er sich dann hingeben „und bis ans Ende des Lebens erlöst“ wissen will. Dabei werden viele grosse Hoffnungen zerstört, wird Frust aufgehäuft und im sexuellen Wettkampf um „definierte Körper“ die Gesundheit ruiniert. JedeR weiss es besser als die Anderen… Eine irgendwann vermutete „Gay-Community“ ist heute sicher nicht mehr greifbar! Was Schwule in Zeiten von Aids zusammenschweisste, wird heute durch die Gemeinschaft der „Barebacker“ (Sex ohne Schutz) erst recht getrennt. Sie können entweder die Prävention nicht verstehen, oder glauben, es besser zu wissen, indem sie sich gegen dieses Verhalten auflehnen, wie die braven Kinder, wenn es ihre Eltern nicht sehen können.  Peter Thommen

2008  HLB-Homosexuelle Liste Basel zum letzten, Caspar Reimer in .ch vom 16.6.08

2011  Schiffsparty  Um 19 Uhr füllte sich das Schiff zaghaft mit InteressentINNen zum Apéro, der von Network offeriert wurde. Bei noch warmer Sonne füllten sich die Prosecco-Gläser und es herrschte und frauschte eine „aufgeräumte Stimmung“
Drei Generationen von Aidshilfe-Aktivisten blickten zurück und in die Zukunft mit dem Leben mit HIV. Ob auch die Neuen ein Verhältnis dazu finden werden?
Der Prosecco floss bis ins Abendroth und der Klatsch und die Gespräche hatten viel Raum bis die Tanzflächen im Schiffsbauch sich in veritable Saunen verwandelten.
Ich staune immer wieder darüber, wie die klassischen schwulen Typen in jeder Generation der Heteros „neu erschaffen“ werden. Da muss irgend ein Gen oder ein Virus herumkreisen!

Am meisten beeindruckte mich die „neuste Auflage“ der Tucke. Sie stand da in der Nähe der Treppe zum Oberdeck, zog nervös an einer Zigarette nach der anderen und ängstlich ihre grosse dunkle Handtasche an den Körper gepresst. Schwarz und weiss gekleidet, mit aufgestellten schwarzen Haaren. Verstört blickte sie in alle Richtungen, wie wenn sie den Prinz von Liechtenstein erwartete. In dem Gesicht wechselte der klassische Nuttenblick (ängstlich und doch überheblich) mit scheuen fragenden Lächelns ab. Sie wendete ihren Kopf abwechselnd nach allen Seiten, obwohl es da auch nichts aufregendes zu sehen gab…
Das mitanzusehen, hält nur aus, wer wahrhaft emanzipiert ist. Denn tolerant kann nur derjenige sein, der selber keine Angst hat, so wie jener zu werden!
So ein Tucke Typ vereinigt auf sich alle Ängste und Befürchtungen, selber nicht so wie alle Anderen zu sein. Er symbolisiert sozusagen die tiefe kollektive Seele der Schwulen, vor allem derjenigen, die mit Mode, definierten Körpern, mit Angepasstheit, Unnahbarkeit, Selbstüberheblichkeit, Feierlaune oder Dominanz dies alles verdrängen und den Spiegel des Lebens damit verhüllen…
Das ist nicht repräsentativ für die Party, war mir aber ein einprägsames Fenster in eine schwule Befindlichkeit, über die leicht hinweggesehen wird.

Szene Schweiz

2010Hugues Cuénod, Schweizer Tenor stirbt im hohen Alter von 108 Jahren. Queer.de vermeldete am 5.7.2007: „Der ehemalige Tenor hat heute Geburtstag gefeiert. Damit ist er vermutlich der älteste lebende Schwule der Welt. Er war 23 Jahre lang mit seinem Freund Alfred Augustin zusammen (41 Jahre Altersunterschied) und war einer der ersten, der sich 2007 offiziell in Partnerschaft eintragen liess.

Szenen-Theorie. Viele homosexuell praktizierende Männer stören sich an schwulen Überlegungen über „das Milieu“ oder „die Szene“. Für sie gibt es nur Orte, Türen und Löcher. Man nannte das auch mal „situative Homosexualität“. Heute glaube ich, dass diese „Praktik“ vor allem Heterosexuelle, Bisexuelle und „Klemmschwestern“, sowie neu auch „gay-married“ Paare ausüben.

„Es im Dunkeln“ tun, keine Verantwortung übernehmen – höchstens für sich selbst – und dann wieder in die Gesellschaft, oder in ein hetero-familiäres Ghetto abtauchen.

Wer ist hier im ghetto? (geschrieben um 2003 – PDF) Es ist klar, dass auch das schnöde „Ghetto“ wiederum aus kleineren Ghettos besteht. Auffallend ist aber, dass genau der Wechsel der Ghettos vielen homosexuell praktizierenden Männern Probleme bereitet. Das lässt auf mangelndes soziales Bewusstsein schliessen.

Zum Thema „ghetto gay“ hat Giovanni Dall’Orto einen intelligenten Artikel geschrieben. (in italienischer Sprache)

Hier etwas über „den ewigen Abgesang über die Szenen“

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