Machtkampf in den Szenen – statt Solidarität

Ursprünglich gab es keine „richtig“ Szene. Die schummrigen Bars und dunklen Parks und Toiletten hatten keine Alternative. Die neue Schwulenbewegung hat da vieles geändert. Ohne die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen ihrer „Arbeits“gruppen wäre der ganze heutige Gaybusiness undenkbar.

Es gibt interessante Anzeichen beim Umgang mit Macht und Ohnmacht in den homosexuellen Szenen. Schwule zeigen andern Homosexuellen sehr schnell, ob sie zufrieden sind mit Lokalen und Dienstleistungen oder nicht. Wesentlich zurückhaltender sind sie mit der Kritik an den Heterosexuellen.

Ähnliches ist bei Lesben festzustellen. Selber etwas tun und sich der Kritik der Anderen auszusetzen, ist nicht der meisten Lesben Ansporn! 😉

Das Machtgefälle (aus der hetero Gesellschaft) zeigt sich auch im Umgang untereinander.  Nicht die Szene ist schlecht (2005 – PDF), die Homosexuellen sind zu feige, sich damit auseinanderzusetzen. Bald kehren sie einem Lokal oder der Szene den Rücken. Der Basler Szene erst bei der Öffnung der durchgehenden Autobahn nach Zürich… Aber besonders dann, wenn es eine neue Szene gibt wie das Internet, egal wie verlogen das ist. Nicht einzusehen ist auch, dass Homosexuelle aus ihrer unehrlichen Biografie heraus plötzlich „ehrlich und treu“ werden sollen. Auch nicht wenn „der Richtige“ kommt.

Ich bin mal gespannt, wann die Männer der Internetszene wieder den Rücken kehren – und vor allem welche Alternative sich bietet! Denn die reale Szene wird entweder verschwunden, oder heterosexualisiert sein! 😛

Robert Waloch, Redaktor bei XTRA! -Medien in Wien, hat im Mai 2009 aus der dortigen Szene berichtet (PDF). Was er in einem Lokal beobachtet hat, lässt einem schon die Haare zu Berge stehen. Mitten unter den Schwulen ist Solidarität gerade soviel Wert gewesen, wie ein Fick auf der Toilette. Die meisten Schwulen glauben eh, ihnen würde nichts passieren, drum haben sie eher Schadenfreude als Mitgefühl, wenn es einem Anderen schlecht ergeht… (Einige davon haben – vielleicht Jahre später – dieselben Probleme, dann wollen sie aber geholfen werden)

 

Die Szene bist DU!“ (Juli 2001)  Nur wenige Begriffe schaffen es, eine solche Vielzahl an Reaktionen hervorzurufen wie dieser: „Die schwule Szene“. Von ekstatischer Liebesbekundung bis hin zu grausiger Gesichtsverfinsterung ist alles dabei. Während sie für die einen pure Lebensfreude ausdrückt, ist sie für die anderen höchstens Mittel zum Zweck.

In München fand man vor etwa einem Jahr heraus, dass sich die überwältigende Mehrheit in der schwulen Szene unwohl fühlt. Damals suchte SUB eV zusammen mit der Münchner AIDS-Hilfe und dem Magazin sergej.münchen nach Möglichkeiten, die Szene attraktiver zu gestalten. Sie gründeten die Aktion „Freundliche Szene“ und starteten eine Vielzahl an Aktionen.

Genau da setzt jetzt eine NRW-weite Kampage an: „Die Szene bist Du!“

Wie ihr Münchner Vorgänger soll sie zum Gespräch anregen über Strukturen in der Szene sowie typische Verhaltensweisen. Dabei geht es zum Beispiel um Generationskonflikte in schwulen Beziehungen, aufwendigen Körperkult, oder den Umgang mit Hiv-Infizierten. Es soll aber auch klar gemacht werden, dass es keine Szene ohne den Einzelnen gibt, dass sie immer nur aus der Summe der einzelnen Teile besteht, durch diese geformt und gestaltet wird. Versinnbildlicht wird dies besonders gut durch das Logo: Ein Puzzle, das aus verschiedenen Teilen besteht, die immer wieder neue Kombinationen eingehen können, die mal passen, mal aus der reihe tanzen, mal etwas abseits liegen, oder ihr eigenes Plateau bilden können.

Es fanden in regelmässigen Abständen Ideenwerkstätten statt -Themen waren: Einsam in der Szene – oberflächlich und arrogant? – Wie politisch bist du? posithiver Sex? – Ausländer erwünscht? – Schwule und Alkohol.

 

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