Cybersex

„Der norwegische Computerkünstler Stahl Senslie bastelte an einem ‚Sexcomputer’, der aus Bildschirmen mit simulierten Körpern (berühmter oder weniger berühmter Persönlichkeiten), sowie aus Körperanzügen, Sensoren und Vibratoren bestand, und malte das Bild eines künftigen Geschlechtslebens aus, bei dem keine Phantasie mehr tabuisiert ist: „Wir können es mit unserer Mutter treiben. Wir können es mit Hunden und Märchengestalten treiben. Und sobald wir genug davon haben, können wir sie alle sterben lassen. Das wird grossartig. Und es ist nicht gefährlich. Kein Aids, kein Frühstück danach, keine Polizei und kein Körpergeruch.

Solche Aussagen verdeutlichen, dass es bei Cybersex nicht um den Geschlechtsverkehr mit einem (wie auch immer gearteten) Anderen geht, sondern um die Vorstellungdes Verkehrs mit DEN Anderen. Die Anziehungskraft dieses Eros besteht nicht darin, dass ich es mit allen machen kann, sondern mit allen auf einmal. Wenn heute vom ‚Untergang des Körpers’ im Cyberspace die Rede ist, so wird dabei vergessen, dass der Begriff des ‚Körpers’ selbst eine neue Bedeutung angenommen hat: Er bezieht sich immer weniger auf den einzelnen, ach so fragilen und ach so langweiligen menschlichen Körper und immer mehr auf einen grossen Körper, durch dessen Adern die Lust an sich strömt und der die vielen kleinen Körper zu einer Einheit verschmelzen lässt.“

(Christina von Braun: Versuch über den Schwindel, S. 277/78)

P.Th.:  Vielen im Internet fehlt dieser Körper in Form der „Community“, der HA-Gruppe, der realen Szene…

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