Posts Tagged ‘Mehrheit’

von gayromeo zu planetromeo

Freitag, Februar 8th, 2013

Ich bin nun bald 10 Jahre auf der „Romeo-Plattform“. Nein, ich bin nicht verärgert, weil ich den „Mann fürs Leben“ noch nicht gefunden habe. Das habe ich dort auch nie gesucht. Übrigens auch nicht auf anderen Plattformen. Aber es hat sich einiges verändert in all den Jahren. Die Plattform ist längst nicht mehr nur für Insider-Gays, Klemmschwestern oder Fetischliebhaber…

Romeo ist mit ihren Userzahlen weder repräsentativ, noch zufällig. Der kleine Ausschnitt aus den Männern der Welt ist immerhin symptomatisch für die Situation der Sexualität unter Männern und auch symptomatisch für die Irrungen und Wirrungen, wie mann zum Sex mit anderen Männern kommen kann. Wahrscheinlich hat es mehr jüngere als ältere Männer. Auf jeden Fall glaube ich, dass mindestens ein Drittel der User Bi- und Heterosexelle sind. Doch sind in den letzten Jahren noch mehr „Variationen“ dazugekommen.

Einige nennen das „Gender“, andere Trans*-en. Doch diese „Kräutervielfalt“ in der Sexualität interessiert mich nicht so sehr. Sie zeigen nur an, wie totalitär der Heterror in unseren Gesellschaften wirkt. Da braucht es Maskeraden und viel Bauernschläue, um seine homosexuellen Bedürfnisse anbringen zu können. Geschweige denn, sie überhaupt nur zu formulieren.

Ich habe viele Tausend Profile und Headlines gelesen. Einiges mehr an Bildern gesehen und bin auf interessante Texte gestossen, die mir archivierungswert erschienen sind. Nach den ersten „Schwulen der Weltgeschichte“, Karl Heinz Ulrich und Heinrich Hössli, sind diese Art von Plattformen oder auch diese Art Foren, die erste freiwillige Dokumentation der Welt über die homosexuellen Bedürfnisse von Männern, welche nicht unter wissenschaftlichen oder psychiatrischen Bedingungen zusammengetragen wurde. Ein riesiges Archiv und für alle Wissenschaften von höchstem Interesse! Doch betreiben Schwule überhaupt Wissenschaft?

Seit Männer und Wirtschaftszweige an das lockere Einkommen von Männern, die mit Männern Sex haben, zu glauben begonnen haben, begann auch auf diesem Gebiet eine zügige „Emanzipation“ anzulaufen. Kürzlich habe ich das Buch von W.F. Haug, über „Warenästhetik, Sexualität und Herrschaft“ gelesen und darin viele Merkmale gefunden, die dieser in der Sozialisation der Frauen gefunden hat, die fast völlig in der neueren Sozialisation von Männern, besonders von Schwulen, wiederum auftauchen. Statt der Klamotten-Shops für Frauen an vielen Ecken einer Stadt, gibt es online-shops für Schwule im Internet, die schnell über jeden Browser auffindbar sind. Für jedes Geschlecht, Gender, oder Trans* findet sich ein Shop für die Befriedigung von primären Geltungsbedürfnissen. Von den ganzen Partnervermittlungs-Seiten ganz zu schweigen.

Doch kehren wir zu den Usern von Romeo zurück! Die ersten Männer auf der Plattform waren „gay“, schwul oder bisexuell. Frauen hatten ausdrücklich keinen Zutritt darauf. Das war auch für viele Hetis und Bi’s eine Beruhigung, denn es hielt ihre Frauen – wenigstens in gewissem Masse – von einem Zutritt ab. Doch seit auch Transgender zugelassen sind, ist praktisch auch die „ganze Welt“ zugelassen. Fragt sich dann nur, wozu denn überhaupt ein „gayromeo“? Die Gegenfrage, die einfach vergessen wird: Wieso gingen denn gay-Männer nicht gleich auf die für Heterosexuelle geschaffenen Plattformen Dates und Ficks suchen? Ich habe das auch früher eine Zeitlang in Chats gemacht und da so meine negativen Erfahrungen, sowohl mit Frauen als auch mit Männern gemacht! Vom „Kinderschutz“ will ich gar nicht anfangen…

Aus „Kinderschutzgründen“ wurde übrigens in Deutschland der Zutritt zu solchen Plattformen auf über 18 Jahre gesetzlich beschränkt! Dies hatte zur Folge, dass die schwulen Plattformen in andere, noch ungeregelte Länder gezogen sind. Nicht auszudenken, wenn der Erwachsenen-Status international noch immer bei 21 oder 22 Jahren wäre, wie das noch vor einigen Jahren so war!

Vor längerer Zeit hatte Romeo eine asiatische Plattform aufgekauft. In der Folge strömten – trotz Geschäftsverbot – Tausende von Masseuren, Escorts und sonstigen „körperlich“ geschäftstüchtigen jungen Männern auf die Server von Romeo. Das war nicht mehr zu übersehen.

Nach der Zugangserlaubnis für Transgenders gab es einen richtigen Ruck an Heterosexuellen, die ihnen nachfolgten. Ich bin nun nicht so dumm, zu glauben, dass das Geschäftsverbot in der „Userzone“ noch ein moralisches Gewicht hat. Gayromeo soll ein Riesengeschäft werden für die Betreiber in Amsterdam und das geht nur, wenn andererseits auch andere Geschäfte dabei mitprofitieren können. Eine Mikroentwicklung des Monopolkapitalismus in etwa, für diejenigen, die damit was anfangen können! 😉

Man kann nun täglich neueste Transen aus Brasilien, Machofuckers von Pornoplattformen, Escorts, Stricher, Masseure aus Europa und dem Mittelmeerraum auf Romeo begrüssen. Dazwischen die paar Schwulen, Bisexuellen, offen deklarierte Heteros und Junghomos.

Geschäftlich werden Pornoseiten mit „Gratisanmeldung“, Erektionsmittel, Schnüffelstoffe und andere „Chems“ vertrieben, die offenbar bei den Männern auf gute Abnahme stossen.

Im Zuge der wirtschaftlichen Probleme und durch die verbreitete Arbeitslosigkeit lassen sich sowohl Schwule, aber auch viele Heteros auf bezahlpflichtige homosexuelle Kontakte mit Klemmschwestern, verheirateten Heteros und Paaren in eingetragenen Partnerschaften ein. Und sicher fällt da auch was für die älteren Homos oder alt gewordenen Heteros ab…

Im Sinne der „Emanzipation“ aller Genders oder Geschlechter könnte man jetzt wohlwollend ausrufen und Beifall klatschen. Ja, das wollten wir doch alle schon immer!? Ich wage da, persönlich mehr als ein, Fragezeichen zu setzen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass hinter den meisten „Frauen“ im Internet nämlich Männer mit handfesten Geschäftsinteressen stecken, die einfach andere Männer ausnehmen. Dies fliesst nun auch in die „homosexuellen“ Plattformen ein, indem der kontinentale Austausch zwar leichter geworden ist, aber das heterosexuelle Geschäft allein nicht mehr genügt. So etwa, wie den Romeos der Verkauf von Pornostreams über ihren „Planeten“ nicht mehr genügte und eingestellt wurde.

Die homosexuellen Bedürfnisse der Männer sind ein riesiger Markt! Aber statt diese Bedürfnisse im lokalen gesellschaftlichen Rahmen zu befriedigen, werden sie outside, in Subkulturen, ins Internet und damit in dubiose Geschäfte gedrängt! Da kann frau dann die Polizei hinsenden, um „Kinderschutz“ und die „heterrorsexuelle“ Ordnung für Familie und Fortpflanzung wieder herzustellen.

Wenn ich mich je getäuscht habe, dann darin, dass es Männer gibt, die an Kommunikation interessiert wären. Das allgemeine Verhalten ist so destruktiv und selektiv und so neurotisch auf eingeschränkte Sichtweisen konzentriert, dass alle die vielen Clubs auf Romeo eigentlich immer nur als indirekte Partnervermittlungen funktionieren. Als es auf Gayroyal noch Chats gegeben hat, musste deren Betrieb eingestellt werden. Die Beleidigungen und gegenseitigen Kränkungen waren zu schlimm geworden, ja schon gerichtswürdig.

Noch etwas zu den Transen: Man sagt immer, man solle sie respektieren und würdigen und sie hätten doch auch ein mühsames Leben und seien diskriminiert, etc. Aber niemand fragt sich, was Transen auf einer schwulen Plattform denn zu suchen haben! Wer einen Mann als Sexualpartner sucht, ist heute längst nicht mehr auf ein Kostümwesen, oder durch Operation verändertes Geschlechtswesen angewiesen! Und bei allem Respekt für Transen und auch für Nutten und ihre Arbeit, wenn mann dies nicht mehr unterscheiden kann, dann geht es nur noch ums Geschäft und nicht um die erheischte Mitleidigkeit. Selten hat einer einen normalen Frauennamen. Exotik hat in der bürgerlichen Gesellschaft halt immer noch einen Aufreisseffekt – fürs Geschäft eben! Ich begegne in Email-Accounts und auf vielen Seiten täglich dem sehr nuttigen Geschäftsgehabe der Heterosexuellen. Muss ich das auf Romeo auch haben?

Vielleicht suchen ja Heteros auf schwulen Plattformen ganz naiv nach Gratissex, weil auch sie nicht mehr so viel Geld zur Verfügung haben. Das werden sie auch von einigen Schwulen bekommen. Aber ein Transenleben ist nun mal mit einer Rente oder einem Job allein nicht zu führen. Die TS sind „bei den Schwulen“ genauso teuer wie im Rotlichtmilieu und das ist auch nicht weit von meiner Türe weg zu finden. Es gibt kein Entfliehen mehr…

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

wie lieben ältere Schwule?

Dienstag, März 15th, 2011

(Erstmals veröffentlicht auf Thommens Senf, am 19.Aug. 2007)

Bei der Pädophilie ist es die heterosexuelle Gesellschaft ausserhalb der gay community, die die älteren Täter abstraft. Bei der Gerontophilie*  sind es die jungen „Täter“ von innerhalb der community, die die älteren mit Ignoranz und Diskriminierung abstrafen. Es gibt auch „politisch korrekte Gutschwule“ und es gibt Zusammenhänge zwischen der Kindheit und Jugend eines Schwulen, der Pädophilie und der Gerontophilie. Und darüber nachzudenken, lasse ich mir nicht verbieten.

Peter Thommen

Wir leben in einer Gesellschaft, die noch immer historisch verklärte Vorstellungen von Partnerschaften hat. Wichtigste Erkenntnis von heute wäre: Die uns propagierten Modelle sind religiös motiviert und ideologisiert. Ideologisiert bedeutet, dass es historische „Momente“ gab, in denen diese Formen sich als ideal erwiesen. Leider hat die Idealisierung es verhindert, diese Formen der Entwicklung anzupassen. Darunter leiden wir heute in der Mehrheit. Historische Formen können immer nur von zahlenmässigen Minderheiten fortgeführt werden, indem sie sozial, ökonomisch oder ideologisch privilegiert bleiben. In diesem Zusammenhang muss auch die Einführung von „gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“ gesehen werden!

In unserer Massengesellschaft sollten wir darauf verzichten, der Gesamtheit Lösungen vorzugaukeln oder zu propagieren, die sich erfahrungs- und der Statistik gemäss nur für eine Minderheit als praktikabel erweisen. Wir können nicht die Mehrheit der „Ungläubigen“ ihrem „Schicksal“ überlassen und auf unsere konventionelle Privilegierung stolz sein. Überlassen wir doch den Heterosexuellen ihre Schwärmereien für Königshäuser und Liebespaare!

Ich neide es keinem Schwulen, wenn er langjährige Partnerschaften pflegt und sexuelle Treue praktiziert. Nur wird ein solcher uns seine Seitensprünge oder Gewissensbisse, Entbehrungen, Liebesentzüge oder seine Abhängigkeiten vom Partner nicht auf die Nase binden! Dafür haben schon die Religiösen ihre Beichtväter und die monogamen Heterosexuellen ihre Prostituierten installiert!

In diesem Zusammenhang kritisiere ich auch die Pädophilen für ihre monogamen und idealisierten Schwärmereien für einzelne Knaben, die dann

„im selber fortschreitenden Alter“ ihre „ dauerhaft jungen Lieblinge“ sein sollen…

Überhaupt fällt mir auf, dass zwar in Gesellschaft und Politik demokratische Strukturen üblich sind, in den mitmenschlichen Beziehungen aber immer noch Abhängigkeiten gesucht und praktiziert werden. Abhängigkeiten, die sich klar und logisch aus Treueversprechen ergeben. Nicht nur wenn die Politiker dem amerikanischen Präsidenten Gefolgschaft gegen irgendeinen Terror versprechen! Oder junge Muslime ihren Führern Gehorsam bis in den Tod!

Dass die Pädophilie auch mit der eigenen Biographie zusammenhängt, sehen wir im „Jugendkult“ der Schwulen! Zurzeit lese ich sehr viele Kontaktinserate im Internet. Auffällig daran ist, dass Partner gesucht werden, die vor allem solche Persönlichkeiten darstellen sollen, wie Schwule selbst eine sein möchten und nicht können. Ausserdem können ideale und tolle Boys ja auch nicht ewig solche bleiben. Wir selbst könnten es auch nicht, wenn wir es denn wären! Wir müssten spätestens nach 10-20 Jahren mit der fortschreitenden Alterung unseres Körpers davon Abschied nehmen. Auch eine langjährige „gleichgeschlechtliche Partnerschaft“ konserviert uns nicht als Prinzenpaar wie im Märchen.

Damit will ich sagen, dass sich nach längerer Zeit alle Personengruppen „auseinanderleben“, wenn sie sich natürlich entwickeln. Die Familie, oder ein pädophiles Verhältnis natürlich schneller, aber auch schwule Paare stehen schon nach zwei bis drei Jahren anders in der Welt. Nicht zu unterschätzen ist auch der Reifeprozess eines Partners, der vielleicht erst durch die Beziehung überhaupt angefangen hat…

Das ist die Realität für die Mehrheit! Das nur traditionsbewusste oder zwangsweise Zusammenleben ist genauso schädlich wie bei den Heterosexuellen, die angeblich meist „nur warten bis die Kinder gross sind“. Auch Heterosexuelle suchen mal nach einem Jahrzehnt Ehe nach neuen Zielen und PartnerINNEn.

Ich will an dieser Stelle nur auf die Problematik langjähriger lesbischer Verhältnisse hinweisen, aber nicht näher darauf eingehen, weil diese Diskussion von Lesben selbst und geschlechtsspezifisch geführt werden muss!

Die heute „ganz alten“ Schwulen haben noch die Realität der „zwangsheterosexuellen“ Partnerschaften erlebt, oder wurden in die Rolle des „notorischen Junggesellen“ gedrängt. Sie erfuhren homosexuelle Realität nur zufallsweise oder über private oder gar geheime Zirkel.

Meine Generation der Schwulen sah erstmals über heterosexuelle Ehen hinweg und erfuhr das Gefühl der Zusammengehörigkeit in der bedürfnisgerecht gestalteten gayszene. Auch wenn viele von uns in Zweierbeziehungen abgewandert sind, überwog das Gefühl der Bettverwandtschaft mit vielen anderen gays. Zurzeit kommen eine ganze Anzahl „verlassener“ oder verwittweter Schwulen aus ihren „freiwilligen“ Ehen heraus. Nichts ist mehr wie früher. Was mich aber ärgert und wütend macht, ist die Naivität derselben! Sie scheinen inzwischen im Kopf nicht wesentlich älter geworden zu sein, denn sonst würden sie sich auf ihrer Partnersuche nicht wieder wie „Endzwanziger“ gebärden.

Noch immer – oder: wieder! – suchen sie bevorzugt solche Partner, die sie selbst gerne sein – oder gewesen sein –  möchten! Das ist für mich ein Anzeichen dafür, dass nur wenige Schwule es schafften, eine eigene Persönlichkeit heranzubilden. Das ist wohl der gewichtigste Vorwurf an die neue Schwulenbewegung. Nicht alle sind dazu fähig. Aber mir ist die Anzahl viel zu wenig! Es könnten deutlich mehr sein! Vor allem unter denjenigen, die das „Glück“ hatten, nicht in eine „Schwulenehe“ abzutauchen!

Viele davon werfen sich selber und vor allem „den anderen“ einfach Unfähigkeit vor und moralisieren herum. Sie vergiften mit ihrer Misslaunigkeit die Szene und beklagen sich dann noch über sie.

Wenn mir ein über 60jähriger vorhält, dass er es „noch nicht nötig“ habe, für Sex zu bezahlen, dann mag er vielleicht darauf stolz sein. Ich antworte ihm aber: Er solle hier nicht herumnörgeln, dass „nichts laufe“ oder sich gar betrinken. Gescheiter würde er das Geld in einen Callboy oder Sexworker investieren statt in Alkohol. Dann müssen wir nämlich „im Milieu“ nicht seine Übellaunigkeit ertragen. Wenn er nämlich für seine sexuellen Bedürfnisse genauso ernsthaft schaut, wie für seine Fitness und seine Kultur – dafür bezahlt er ja auch! – dann ist er der Realität schon etwas näher.

Und damit komme ich auch der „altersgemässen“ Bewältigung der „späteren Lebenshälfte“ näher. Warum wollen Schwule bis ins hohe Alter hinein diese eheähnlichen Beziehungen und symbiotischen Partnerschaften? Was hindert sie daran, ihr Leben neu zu organisieren und ihre Bedürfnisse da anzubringen, wo sie auch befriedigt werden können? Niemand heiratet seinen Arbeitgeber. Niemand verlangt im Fitness-Center, dass ein Fick im Preis inbegriffen ist. Warum soll ein Sexualpartner einem geil finden, wenn man sich selbst nicht geil findet? Niemand verlangt vom Reisebüro, dass auch gleich eine Hochzeit organisiert wird!

Nur die Nabelschnur oder der Baby-Schoppen liefert immer alle Nahrung und Vitamine in einem. Nur die Mutter-Kind-Beziehung ist angeblich die ideale „Partnerschaft“ im Leben eines Menschen? Hier ist wohl der „Mutterkomplex“ der Schwulen einmal nicht falsch angebracht!

Ich weiss, die moralische, ideologische und heterosexualisierte Verblendung der Schwulen ist gross! Und diejenigen, die darin ihr wirkliches oder angebliches Glück für kürzere oder längere Zeit finden, sollen dies auch abkriegen. Was aber nachher? Nach der Desillusionierung? Da ich Erfahrung mit verschiedensten Charakteren habe (zB Sternzeichen), weiss ich auch, dass nicht alle nach dem gleichen Modus leben können. Aber warum zum Teufel gefallen sich Schwule noch immer darin, an ihrem Schicksal zu leiden, statt es in die eigenen Hände zu nehmen? Das haben wir doch wohl gemacht, als die neue Schwulenbewegung aufgebrochen ist?

Zurzeit habe ich folgenden Spruch drauf: „Viele Schwulen glauben – wenn sie den Hintereingang mal gefunden haben – dass sei es dann gewesen fürs ganze Leben.“

Es ist mir aufgefallen, dass Schwule von dem lesen, und noch „vor allerem“ das sehen möchten, was sie niemals kriegen werden: All die schönen Männer, die sie niemals sein konnten und können! Und dazu braucht es nun wirklich keinen Freund und keine Heirat!

Lesen über Erfahrungen anderer. Weiterbildung im Privatleben? Fehlanzeige!

Da ist die übertriebene Musical- und OperETTEN-Kultur? der Schwulen geradezu grotesk! Und eine Tunte, die ihr Leben inszeniert, das will anscheinend ja kein Schwuler sein!

Was sind die Konsequenzen für die älteren Schwulen? Es ist schmerzhaft, alte unerfüllte Träume aufzugeben, sich mit der Realität des Alterns anzufreunden. Aber man könnte immer neue Kontakte und Freunde in allen Altersgruppen finden, wenn man nicht immer DEN Freund, DEN Partner fürs Leben suchen würde. Ich habe die letzten Jahre von 30-50 sehr bewusst „mitdenken“ und mitansehen können.

Ich habe aus den „alten Zeiten“ lose Kontakte und Bekanntschaften. Ich habe EXs, die ich noch immer liebe, aber mit denen ich nicht immer noch „zusammenleben“ möchte. Ich lerne neue alte und junge Schwule kennen. Und ich erfahre ihre Liebe und lebe die meinige zu ihnen.

Aber ich habe das alte „Liebes-und Sexual“-modell aufgegeben, zugunsten einer realitätsgerechteren und pragmatischen Beziehungsführung und Sexualkultur. Statt himmelhochjauchzend und zutodebetrübt wie zu Zeiten von Romeo und Julius, lebe ich ruhiger, aber empfindsamer. Ich suche bewusst nach Menschen, mit denen ich Sex haben kann. Ich finde immer wieder Menschen, mit denen Liebe möglich ist. Wieso von einem Callboy Liebe erwarten und von einem lieben Menschen Sex fordern? Gibt es dafür ein Gesetz oder ungeschriebenes Recht? Sogar in einer langjährigen Partnerschaft hat ein solches Modell auch noch Platz.

Ich muss vor allem nicht mehr ein junger, geiler, gutaussehender und andern schmeichelnder Boy sein. Ich muss auch keinen solchen zum Freund oder als Ehepartner haben. Ich muss gar nichts mehr. Ich muss für meine Bedürfnisse schauen und diese da anbringen, wo sie allenfalls befriedigt werden. Aber ich kann mich mit jungen geilen Boys anfreunden, ich falle anderen nicht durch Übellaunigkeit zur Last und ich muss mich auch nicht betrinken. Ich gehe in den Park. In der Sauna bezahle ich für die Dienstleistung genauso wie in der Bar. Und ich finde Menschen, die mit mir Sex machen ohne Geld, aber auch solche, die für die Dienstleistung bezahlt werden wollen. Und vor allem: Ich mute mich nicht mehr jedem zu, denn ich bin eine ganz einzigartige und unverwechselbare Persönlichkeit geworden und dafür werde ich auch schon mal gehasst! Ich freue mich an dem, was ich an Liebe bekomme und ärgere mich nicht über diejenigen, die weder mit mir ficken, noch mich lieben wollen!

Peter Thommen, (Schwulenaktivist)

* Liebe zu älteren Menschen

eine „community“ frisst die Schwulen auf

Mittwoch, Februar 23rd, 2011

Ist Euch auch schon aufgefallen, was sich alles für Leute um das Wort „gay community“ herum tummeln? Oder welche Minderheiten in den Begriff hineingesteckt werden? Schwule Interessengruppen haben sich in den letzten Jahren unmerklich von „Homosexuelle“ auf „LGBT“ erweitert. Das provozierte mich kürzlich zur Bemerkung, dass offenbar die Minderheitengruppen bei den Heterosexuellen am Zunehmen sind!  😉

Dann fällt mir auch regelmässig auf, wie tolerant wir Schwulen gegenüber allen, vor allem natürlich gegen die Heteros sein sollten. Nicht die Mehrheit soll gegenüber Minderheiten tolerant sein, sondern die Minderheiten gegenüber der Mehrheit. Über die Konsequenzen solchen Denkens macht sich aber Keiner tiefere Gedanken. Die meisten glauben wohl, es wird schon richtig sein. Immer schwingt leise auch die unausgesprochene Schlussfolgerung mit: Wenn wir Schwulen erst mal tolerant gegenüber Heteros sind, dann wird uns keiner mehr diskriminieren. Dies ist nicht nur Unkenntnis, sondern lässt auch auf Faulheit und sogar den Unwillen schliessen, genauer auf historische und soziale Zusammenhänge zu blicken.

Dies stützt auch meine „untolerante“ Vermutung, dass der grosse Teil der Männer, die sich in die Homosexualität stürzen und gleichzeitig „Diskretion“ predigen – und den Betriff Toleranz nicht verstehen, weil auch nicht anwenden – einen Bildungsgrad erreicht haben, der sie nicht befähigt, sich mit den Tatsachen des Lebens auseinanderzusetzen (besonders nicht mit HIV). Dieser grosse Teil von Männern bleibt auch in ihrer beruflichen Weiterbildung stehen. Nicht nur was Erfahrungen mit Mitmenschen (sozial) und in der Kommunikation (als Dramaqueens) betrifft. Man könnte sagen: Wenn sie den Hintereingang mal gefunden haben, dann reichts ihnen fürs ganze Leben…

Der Anfang der Schwulenbewegung hat sich um eigene wissenschaftliche Recherchen bemüht und darum, die erlebten Erfahrungen untereinander zu sammeln und zu verwerten, um ihrem bisherigen Leben entrinnen zu können. Heute stürzen sich quasi viele Männer in die Homosexualität, um darin irgendein Glück – vor allem den Spass (was immer das auch heissen mag) – zu suchen. In aller Einfalt halt. Sie versuchen auf die Art, wie sie die Heteros sehen, mit ihren homosexuellen Bedürfnissen zu leben. Vor allem die Diskreten sind immer so untolerant gegenüber den „homosexuellen“ oder gar „anti-heterosexuellen“ Formen von Paaren oder Gruppen. Und die Verstrickung in alle diese alten, komödienhaften, bühnenreifen Alltags- und Schicksals-Probleme der Heteros muss ihnen wohl wie eine Art Heimat vorkommen. Das haben einige Printmedien und Internetmedien begriffen: Lifestyle ist gefragt!

Ich bin jetzt 10 Jahre im Internet und habe Tausende von Profilen auf Plattformen gelesen, oft bestückt mit gefakten Pics aus dem Internet und möglichen Angaben über die körperliche Beschaffenheit der „Bewerber“, um eine„seriöse Beziehung“ oder „einen geilen Fick“ zu bekommen. Mir scheint dass sich eine Erkenntnis in den letzten Jahren bewahrheitet hat, die von den meisten übersehen wird: „dass es bei Cybersex nicht um den Geschlechtsverkehr mit einem (wie auch immer gearteten) Anderen geht, sondern um die Vorstellung des Verkehrs mit DEN Anderen. Die Anziehungskraft dieses Eros besteht nicht darin, dass ich es mit allen machen kann, sondern mit allen auf einmal. Wenn heute vom ‚Untergang des Körpers’ im Cyberspace die Rede ist, so wird dabei vergessen, dass der Begriff des ‚Körpers’ selbst eine neue Bedeutung angenommen hat: Er bezieht sich immer weniger auf den einzelnen, ach so fragilen und ach so langweiligen menschlichen Körper und immer mehr auf einen grossen Körper, durch dessen Adern die Lust an sich strömt und der die vielen kleinen Körper zu einer Einheit verschmelzen lässt.“ (Christina von Braun: Versuch über den Schwindel, S. 277/78)

Hieraus wird auch verständlich, dass sich viele in Chats mit „Rollenspielen“ begnügen, oder mit Fantasieschilderungen bedient werden wollen, die alle dann plötzlich abbrechen, wenn einer der Beteiligten seinen Orgasmus erreicht hat, oder er sich in dem Geschilderten/den “Fantasien“ nicht mehr wieder findet.

 

Ich hatte grad kürzlich eine nette Bekanntschaft aus der der Ostschweiz gemacht. Ein stimmungsvolles Bild eines sehnsüchtigen Jungen im Profil und die Suchangabe nach einem „Daddy“. Nach ein paar Messages schlug der junge Mann mir ein Telefondate vor. Obwohl ich völlig ungeeignet für solche Spiele bin, trieb mich die Neugierde in diesen Live-Versuch. In der Stimme erkannte ich eine ganz gewöhnliche junge „Tunte“ (vor allem an dem etwas „spitzen“ Tonfall), die mich um meine Fantasien mit ihm bat. Mich machte schon diese einseitige Dienstleistung stutzig, die da gefordert wurde. Und wirklich: Nach ein paar Sätzen brach er das Spiel ab mit der Bemerkung: „Weisst Du, es macht mich einfach gar nicht geil“. Ich war nicht sonderlich überrascht darüber und sagte einfach: „Ok und tschüss!“ und legte auf. Es handelte sich übrigens um einen Deutschen, der wohl beruflich ins Ausland verzogen ist und jetzt etwas allein mit seinem Schwanz herumhocken musste.  😉

Doch wie manches Girl/Frau ächzt, stöhnt und heult, wenn sie für einen Mann die Beine breit macht, nur um ihm die Freude zu lassen, es „supergut“ gemacht zu haben und ihm die Motivation zu geben, sich hinterher bei anderen Männern brüsten zu können?

Der Einbruch der Heterosexualität in die Gefilde der Schwulen findet permanent und auf sehr vielfältige Weise statt. Gut dokumentiert wird das auf sogenannten „gay Plattformen“. Ihre Selbstbeschreibung hat sich vom Begriff schwul für gay auf den ursprünglichen Begriff gay für fröhlich reduziert. Ich will jetzt mal Abstand nehmen von allen Fetischen, die herumgeistern. Darüber gäbe es Bücher zu schreiben. Aber auch allein schon bei den Männern werden die Geschlechterformen und –Identitäten immer vielfältiger:

Die Travestie ist eigentlich ganz gut und mit Tradition in die schwule Community integriert. Dieses Spiel diente seit jeher der Unterhaltung auch der Heteros und dem Beweis, dass Männer sehr gut die Frauen „ersetzen“ können – ja „die schöneren Frauen“ sein können. Sexuell aufreizend sind Transvestiten höchstens für Heteros. Im Allgemeinen aber sind öffentlich auftretende Transvestiten schwul (mit einigen heterosexuellen Ausnahmen!) und wollen das auch sein und bleiben. Sie sind auch meistens noch „nach der Vorstellung“ in der gay community unterwegs.

Die Bisexuellen – könnte man denken – hätten doch am meisten gemeinsam mit Schwulen! Doch das ist nicht der Fall. Das einzig Gemeinsame besteht im Bedürfnis nach Sex mit einem Mann. Alles andere möchten sie „nicht ändern“ – „Bin ungeoutet und das soll auch so bleiben. Akzeptiert dies oder lasst mich in Ruhe.“  39 (verh.) – „bin bi ungeoutet will es auch bleiben, bin hier um nette ehrliche Menschen kennenzulernen.“ …

Nicht alle sind so, aber es ist die ganz grosse Mehrheit, die es weder mit ihren Freundinnen, noch mit ihren Frauen oder Familien verderben wollen. Bi-Mann will zwar vom Honig schlecken, aber sich den Mund nicht klebrig machen! Wenn sich Gruppen bilden, dann vornehmlich unter dem Dach der Schwulen. An öffentliche Demos ist gar nicht zu denken! Sie teilen letztlich nur Augenblicke der Lust mit Schwulen…

Bei den Transsexuellen laufen die Interessen zu den Schwulen schon wesentlich mehr auseinander! Ich kann auf einige wenige persönliche Bekanntschaften mit Transsexuellen zurückblicken. Es mag eine Handvoll sein. Sie frequentierten zwar die gay community und wurden auch toleriert, aber sie verschwanden dann meistens mit einem heterosexuellen Ehemann. Doch wie das weiterging oder endete, erfuhren wir höchstens aus dem Szenentratsch, oder gar nicht. In der virtuellen gay community sind sie aber zu einem festen Teil geworden. Aber nur als Gruppe, nicht als „länger anwesende“ Profile, wie die Schwulen.

Immer mehr fallen die „internationalen Transen“ auf, die sich für bestimmte Zeiten in bestimmten Städten „anmelden“, wohl um dort „solvente Kundschaft“ anzulocken und nicht wirklich schwule Partner für ein Date, oder auf der angeblichen Suche nach „dem Richtigen“.

Auch diese „solvente Kundschaft“ bevölkert immer mehr die virtuelle gay community. Als Heteros, als Profile ohne Angabe der sexuellen Ausrichtung, oder als Bisexuelle. Offenbar hat das auf heterosexuellen Plattformen keinen Platz?! Da sind wir Gays doch viiil toleranter!

Es ist übrigens interessant, dass viele Heteros und Bisexuelle gerade über diese „Transen-Schiene“ in die Homosexualität eintreten. Was die Junghomos „stramm hetero-like“ abweisen: Weiblichkeit, Weichheit, Passivität bei Männern. Das greifen diese Abweichler von der Mehrheit auf, um einen Hybrid-Einstieg zu wagen. Dazu ein kleines Detail. Shemales werden oft und stramm-hetero-like als „Schwanzmädchen bezeichnet“. Bei Lichte besehen sind es aber „Tittenbuben“! (Ihr wisst schon was ich meine!)  😉

So kann man heute immer mal wieder über Headlines stolpern wie: „Sorry Gays, aber ich suche keine Männer!“ – „Ich möchte nur von DWTs, Transen und TVs Messages erhalten!“

Die neueste Gruppe der heterosexuellen Minderheiten sind die Transmen, oder auch mal Transfrauen. Sie treten bescheidener auf als die Transen. Die Angabe körperlicher Details wird eher vernachlässigt. Auch sie suchen sich Partner bei den Schwulen. Warum vergessen diese Leute aber immer ihre Lebenserfahrung aus dem „vergangenen“ Geschlecht, die ja nicht einfach wie auf einer Festplatte gelöscht werden kann? Also die Biografie einer Frau, die sich in einen Mann hat verwandeln lassen und mit einem Mann weiterleben will…

Was „vereint“ denn die gleichgeschlechtlichen Lebensweisen? Die gemeinsame Sozialisation und Lebenserfahrung als Männer oder als Frauen.

Was „vereint“ die homosexuell orientierten Menschen? Die gemeinsam erlebte grössere oder geringere soziale Diskriminierung noch obendrauf. Oder das emanzipierte Bewusstsein „anders – aber gleichwertig“ zu sein. Heteros eint: Gleich wie die Anderen, aber je anderswertig zu sein. Was sich nach wie vor an der Situation der Frauen – und auch der Schwulen – sehr gut ablesen lässt.

Wir können doch die geschlechtsspezifischen Erfahrungen und Lebenslinien nicht über den Haufen werden und öfter mal „neu anfangen“ im Leben! Nur Heteros, die mehrmals heiraten, glauben auch an sowas. Eben.

So finden wir Schwulen uns aus der historischen Bewegung über irgendeine gesellschaftliche Toleranz hinweg in einer Community wieder, die Schwule längst zu einer Minderheit unter den Minderheiten rücktransformiert hat. Die Gesellschaft hat uns mit dem Partnerschaftsgesetz Honig ans Maul gestrichen, aber gleichzeitig weitere Minderheiten absorbiert (sh. oben!).

Wenn man/frau/gender mir jetzt Intoleranz vorwirft, dann muss ich zurück fragen, warum denn alle diese vielfältigen Gender und Geschlechter doch meistens darauf aus sind, letztlich eine „hetero Zweierbeziehung“ zu finden, während ich als einfältiger Schwuler darauf aus bin, mich gerade nicht in eine solche einschliessen zu lassen!?

Dient vielleicht diese ganze Vielfalt von Geschlechtswesen nur dazu, letztlich die eheliche Zweierbeziehung unangetastet zu lassen und damit auch die gesamte Herr/Frauschaftsstruktur dieser Gesellschaft zu bewahren? Für Sonderformen gibt es eben Sondergesetze.

Das entspräche auch der Logik der „Toleranz von unten“, die eben die Machtverhältnisse nicht ändert und schliesslich resigniert – spätestens an dem Punkt, wo die Körperformen, die virtuellen Formen und die Gesetzesformen einmal erschöpft sein werden…  Guten Abend!

Peter Thommen (61) und „stramm-homo-liker Schwuler“  😉

Aktuelles Beispiel: „Eine Frau mit Herz (24, und XXL-Schwanz!) sucht Mann mit Herz für eine treue ehrliche Beziehung.“

siehe auch meinen Text über „Ehrlichkeit und Treue“!

und über mein Verhältnis zu „den Heteros“!  😉