Posts Tagged ‘Schwulenbewegung’

Das linke coming out der HABS am 1. Mai 1979*

Dienstag, April 30th, 2013

Das sogenannte „Homoregister“ der Strafverfolgungsbehörden hatte „Homos“ und organisierte Schwule schon längere Zeit beschäftigt. Ende der 70er Jahre gaben die Staatsorgane auch zu, dass ein solches bestehe. Es wurde laufend „nachgeführt“ durch Kontrollen in den „Schwulenparks“ (Schützenmatte und Wettsteinbrücke). Dabei wurden wir „gleichbehandelt“ wie heterosexuelle Verbrecher. An die Wand gestellt, mit Hunden gejagt und umzingelt… (Siehe dazu meinen Überblick im HABS-info, 11’79, PDF)

Anlässlich der Gay80 gab es eine unvorhergesehene Begegnung mit Polizeidirektor Karl Schnyder (SP, dann DSP) beim Stand an der Schifflände, in der er sich sehr liberal gab (sh. Video Minute 3.15!), aber zur Praxis äusserte er sich nicht so ausdrücklich! 😉

In jener Zeit stand auch das „Kriminalpolizeiliche Informations-System“ der Bundesanwaltschaft zu Diskussion. Die HA-Gruppen waren von „linken Leuten“ dominiert und schlossen sich den öffentlichen Protesten dagegen politisch an. (Inzwischen gibt es eine „eingetragene Partnerschaft“ – aber auch in diese wollen nicht alle eingetragen werden!)

Jedenfalls politisierte die Aussicht auf ein solches Registrier-System viele Schwule. Aber man besuchte nicht Christoph Blochers „Albisgüetli“, sondern gesellte sich am 1. Mai zu den Gewerkschaften und ArbeiterInnen…

Wie konnten wir damals Homosexualität politisieren? Die Schwulenbewegung orientierte sich an der Geschichte unserer deutschen Brüder und Schwestern, welche vom Nationalsozialis-mus verfolgt worden sind. Das rosarote Flugblatt für den Maiumzug trug den Titel: „Schwule am 1. Mai?“

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li-aussen: Walter Hofer, Mitte: Fabio Eiselin, re-aussen: Miguel

 

„Es ist kein Zufall, dass sich die Schwulen der Arbeiterbewegung anschliessen. Wer könnte sich eine Homosexuellen-Delegation an einer Arbeitgeber-Konferenz vorstellen, obwohl es sicher viele schwule Unternehmer gibt? Nur die Arbeiterbewegung ist fähig und willens, die heutige Gesellschaft in Richtung Demokratie und Freiheit zu verändern. Nur die unten sind, ohne Zweitvilla und Aktienpaket, sind bereit, für die Veränderung einzustehen. Die Homosexuellen haben sich in die richtige Reihe eingefügt.“ (Martin Herter (1954-2001) in der Basler AZ vom 15. Mai 1979, in der Titelseitenkolumne)

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Vom Münsterplatz zum Marktplatz Maidemo

Wer hat bis heute irgendwo einen Mai-Redner von Schwulen und Lesben erzählen gehört? Ich in all den Jahren noch nicht! Wir sind zwar in der Minderheit, aber wir verbalisieren die Probleme, die die Mehrheit hat, sexuell und ökonomisch! Aber die „Sexualökonomie“ von Hetero/as beschränkt sich auf Kinderbetreuungs-Einrichtungen, auf Familien- und Kinderzulagen, günstige Familienwohnungen, Familiennachzug, sowie „Erziehungsgutschriften“. Der Sex ist da völlig verschwunden. Es gibt nur Saubermänner- und –Frauen!

Mitten in den roten Fahnen stand der rosa Winkel. Wir hatten uns erst auf dem Münsterplatz versammelt, ganz zur Seite und reihten uns dann in den Demo-Zug ein. Während die Reden gehalten wurden, verteilten einige ganz beherzt das rosa Flugblatt. Nicht jedeR griff zu…

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Auf dem Marktplatz in Basel, unten das rosa Flugblatt

 

Angeline Fankhauser (NRin 1983-199) hat mir letzten Herbst am Telefon bestätigt, dass in Bern nicht über die Homosexualität diskutiert worden ist! (!) Es wurde einfach das Schutzalter angepasst. Zum einen mag das eine Normalität beweisen, die es im früheren Strafrecht niemals gegeben hat (1942-1992), andererseits hinkt das Rechtswesen der bisherigen „Gender-Diskussion“ völlig hinterher, was die Homosexualität von Jungs und Männern betrifft – oder auch die Männerprostitution.

Der Sexismus des alten Strafrechts (was kann zwischen Frauen denn schon passieren?) wird fröhlich bis heute fortgeführt. Es gibt nur TätER und keine TäterINNEN. Zwangsheiraten für Männer (auch von Müttern betrieben) sind kein Thema und die homosexuelle Orientierung, oder das homosexuelle Spiel unter Knaben geht in der Diskussion um Sexualerziehung und „Sexualisierung“ von Kindern völlig unter!

Was ist „Öffentlichkeit“? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Wenn zum Beispiel „eingetragene PartnerInnenSchaften“ verlangen, dass amtliche Formulare den dritten Zivilstand verschweigen und sie sich lieber „bei verheiratet“ eintragen wollen…

Was ist „Öffentlichkeit“? Wenn Schwule und Lesben Parties veranstalten und dazu anschreiben „heterofriendly“? Oder wenn Flyers nicht mehr „oberkörperfrei locken“, sondern in Hemd und Kravatte einladen – um Frauen und Heteros „nicht auszugrenzen“? Wenn Schwule sich an CSDs auf den Wagen in den Strassen mit allen Fetischen präsentieren? Oder wenn in Berlin gar öffentlich auf Wagen arschgefickt wird?

Heisst Zusammenarbeit zwischen Lesben und Schwulen, wenn der CSD einfach „Christina Street Day“ genannt wird? Wo setzen uns Lesben Grenzen? Zum Beispiel durften im Schwulen- und Lesbenzentrum Basel (80er) an Lesben-only-parties die Kondomplakate zur HI-Verhütung nicht hängenbleiben. Eine offensichtlich lesbische Polizistin fragte mich einmal direkt, warum wir Männer denn in den Park und auf Toiletten gingen, sie würde mit ihrer Freundin in den Isola-Club gehen…

Es wird immer fragwürdiger (d.h. die Frage erhält zunehmend Würde!), ob die Erscheinung im öffentlichen Raum gesellschaftlicher Liberalität, politischer Glaubwürdigkeit, oder einfach nur der mit Kommerz erkauften Toleranz der Heteros dienen soll!

Doch hinter der Adoptionsverweigerung stehen Vorurteile, die einfach nicht bearbeitet werden wollen! Der „Pädophilie“-Vorwurf dahinter muss hervorgezerrt und in der Öffentlichkeit diskutiert werden – natürlich bei Vätern, nicht bei Müttern! Und wenn ich schon gerade beim Thema „Übergriffe“ bin: Es gibt zahlreiche Mütter und Frauen, die zwar (ihre) Kinder vor „Sexualisierung“ schützen möchten, aber durchaus mit der Sexualität oder Orientierung ihrer Sprösslinge ihre Riesenprobleme haben – und dazu besonders mit der homosexuellen.

Claudia Müller hat in ihrer Arbeit (1) gezeigt, welche Erwartungen sie an die Nachkommenschaft stellen. Und Alexander M. Homes (2) hat in seinem Buch über pädosexuelle Frauen und Mütter auf eine Dunkelzone hingewiesen, die noch immer vom Muttermythos überstrahlt und von der Angst vor Vätern und der hysterisierten Diskussion um TätER and die Wand gedrückt wird.

Ich kann nur immer wieder auf die Untiefen dieser Politiken und Sexismen hinweisen! Wenn die Diskriminierung in der Öffentlichkeit zuschlägt, ist die organisierte Schwulenschaft nicht vorbereitet darauf! Ich finde es ganz gut, dass die Parole „Arbeit für alle statt Ehe für alle!“ in Paris erschollen ist! Aber die Schwulen sind so darauf ausgerichtet, dass sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen und danach handeln (wollen).

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

*Gemäss  „40 Jahre habs ist die Schwulengruppe am 1. Mai 1975 erstmals aufgetreten (S.  9, als erste HA-Gruppe überhaupt!) Das Flugblatt hatte den Titel: „Was haben Rothaarige und Schwule gemeinsam?“

P.S. Ein CSD in den USA kann heutzutage durchaus von Grossindustrien dominiert werden!

Erste Mai-Rede von Florian Vock (23), Jungsozialisten und schwul, in Lenzburg

1)  Claudia Müller (Pädagogin): Mein Sohn liebt Männer, 2008, eine qualitative Studie über 5 Mütter)

2) Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 2005, 458 S. (Nicht zu verwechseln mit der US-Schriftstellerin A.M. Homes!)

Solidarität oder Schicksal

Donnerstag, April 11th, 2013

Der Schicksalsroman des Anton K. (tageswoche online und TeleBasel)

In der ersten Aprilwoche dieses Jahres wurde ich von verschiedenen Bekannten auf einen Fernsehbeitrag über AIDS aufmerksam gemacht und später noch auf den Bericht in der tageswoche-online. Diese titelte „Die Entfesselung des Anton K. …“

Mit dem Wort „Entfesseln“ wurde zwar bedeutungsvoll Sensation angekündigt, aber schliesslich stellt sich die Geschichte eines Heteros als sehr bürgerlich dar. Ein unauffälliger Familienvater entwickelt und befriedigt seine homosexuellen Bedüfnisse heimlich in einer Parallelwelt. Diese „homosexuelle Fetischwelt“ entspricht in etwa derjenigen bürgerlicher Heterosexueller – einfach dort zusammen mit Frauen als Partnerinnen

Nach zwanzig Ehejahren mit der einzigen Frau, mit der er zusammen Sex gehabt hatte („mit der er je geschlafen hat“, tageswoche online) zieht Anton aus und entdeckt „die schwule Welt“. Das schreiben viele ex Heteros oder „neu Homosexuelle“ immer wieder, weil sie nie hinsehen wollten, dass die Homosexualität mitten unter ihnen lebt und fickt.

In einer Andeutung erfahren wir, dass er schon mit 14 oder 15 von einem nackten Männerbild angezogen worden war. Er wurde also nicht „politisch-korrekt“ von einem „Pädophilen“ sexuell missbraucht, wie es so gerne in der Öffentlichkeit verhandelt wird!

Interessant die Bemerkung: „Ich hatte nie das Gefühl, meine Frau zu betrügen, es gab einfach diesen Bereich, der nur mir gehörte.“ (tageswoche online) Klar. Frauen wissen das zu verhindern. Sie wollen alles oder nichts. Er musste „eine Mauer hochziehen“. Das tun Männer auch, indem sie schnell Zigaretten holen gehen und dann nicht mehr gesehen werden. Einfach weg und fort.

Anton K. ist heute 59 Jahre alt. Zur Zeit der Schwulenbewegung war er ein Teenager und später ein Medien-Spezialist. Er muss starke Verdrängungsmechanismen entwickelt haben. Entweder schon in seiner Herkunftsfamilie oder dann wenigstens in seiner Ehe. Genützt hat es nichts, denn „Das wissen wir doch schon ein Dutzend Jahre“, sagten seine zwei Söhne auf das coming out ihres Vaters (srf3 online).

Anton K. ist ein Beispiel von „Schwulenemanzipation“, wie wir es im Internet seit über einem Jahrzehnt laufend sehen und erleben können! Das Schicksal ist wichtiger als die Solidarität mit Anderen. Solidarität wird oft mit Ängsten gebunden, die jemanden dann fesseln. Ich erwähne da nur die Hierarchie der heterosexuellen Familie und die monotheistischen Religionen. Anton K.: «Ich hatte den Mut nicht. Es ist einfacher, wenn du nichts erklären musst, auch gegen aussen nicht.» (tageswoche online)

Statt in der Solidarität mit Anderen landet Anton K. in der Sackgasse eines Schicksals. Aber das kennen wir schon aus den Bastei-Romanen und der „Schwarzwaldklinik“.

Etwas, was die Schicksalshaftigkeit seines Lebens noch unterstreicht, sind seine Besuche in Fetisch-Clubs. Hier inszeniert er mit Anderen zusammen eben – sein Schicksal. Immer wieder neu, wie Heteros mit ihrer Ehefrau zusammen im Bett. Oder Schwule mit ihrem Ehemann. Ich lese verschiedenste Blogs im Internet. Dabei fällt auf, dass „verheiratete“ Männer meist im „wir“ schreiben: „Wir besuchten unsere Eltern an Weihnachten“, etc. Oder sie erzählen von „meinem Mann, mein Mann und ich…“

Wieso er als „Botschafter einer Aufklärungskampagne“ hausieren geht, wird mir nicht klar. Mir wird auch nicht klar, wieso er auf safer sex verzichten will und dafür auf Risiko lebt. «Erwische ich das Virus, nehme ich Medikamente.» Dafür gibt es ja heute gute Therapien.

Ich denke, das ist das klare Eingeständnis der AIDS-Hilfen, keine „ideologische“ Prävention mehr tun zu wollen oder zu können. Nie vergessen werde ich den Satz von Ruth Ruthmann von 1997: „Zum zweiten behandelt diese Kampagne, die einen unvergleichlichen Erfolg aufweist, das Problem des Safer Sex und nicht die schwule Revolution.“

Wir brauchen also nach wie vor irgendwelche „Homosexuellen Arbeitsgruppen“, die diese Arbeit tun. Nur: keineR will sie bezahlen, denn das sind (noch) nicht die Probleme der Heterosexuellen!  Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

Hier der Link zu Axel Schuberts (HABS) Kritik an dieser Art von Öffentlichkeitsarbeit.

Hier der Link zu meiner „wütenden“ Kritik an dieser Art von Journalismus (nicht unter den „ausgewählten Kommentaren“ zu finden! 😉

Bedenklich findet serena vor allem zwei Dinge

Wissen sie was sie tun? (über eine Kampagne in der BRD)

Sexuelle Risikobereitschaft, Hausarbeit 2002

 

Hi, friends, I am working as a LAB TECHNICIAN in a famous hospital,Chennai and I work for HIV control society Chennai also. I want to share one shocking news to you…..Since few months we are getting increased number of HIV + results in our own lab when compared to previous months.Number of positivity has been increasing since few months.
Most of the patients are male ( 23- 45) and on further follow up from the hospital We came to know that many of them are gays/bisexuals of chennai. I talked with one patient recently and he told me that he was getting guys from this site and had sex with many guys…….

So be carefull guys, practice safer sex always. dont choose guys blindly. Chennai (Madras) 2013

 

P.S. Selbstschädigungstendenzen, über Mobbing und Suizide in Kindheit und Jugend,  Verbreitete Analsucht unter Männern

 

Solidarität mit Christopher…

Dienstag, Juni 21st, 2011

„Wir sind eine schlechte Community wenn es darum geht, uns selbst zu helfen, ganz besonders Jugendlichen. Vielleicht liegt es daran, dass viele von uns keine Kinder haben.“ (George Michael, zitiert nach Mannschaft-Magazin vom Juni 2011, S. 22)

Ich habe keine Ahnung, wie er auf sowas kommen kann. Heterosexuelle Eltern haben auch Kinder und sind untereinander unsolidarisch.

Eine Erfahrung hat sich für mich in den Jahrzehnten des schwulen Buchladens immer mehr konkretisiert: Schwule lesen im Allgemeinen ganz gerne Jugendbücher, worin ein coming out, oder die (schwule) Jugendliebe thematisiert wird.

In der letzten Zeit habe ich eine ganze Reihe von Kinder- und Jugendbüchern über schwule Jungs gelesen. Mit dieser Literatur versuchen sich auch immer wieder Frauen. Dann allerdings begegne ich darin den „Schwulen ohne Unterleib“. Das hat wohl seine anatomischen und erzieherischen Gründe. Und während Leser solcher Bücher sehr schnell in den Verdacht der Pädophilie geraten, bleiben auffälligerweise die AutorINNen davon verschont.

Es sind meistens – nicht immer – „einsame“ Geschichten, voller Enttäuschungen, Hoffnungen und Sehnsüchte. Darin vermisse ich die Solidaritätserfahrung ganz stark – mit anderen Jungs (es geht halt oft um Konkurrenz), oder von Heteros mit schwulen Jungs. In diesen Geschichten fällt das höchstens einer „besten Freundin“ auf.

Solidarität heisst sinngemäss, seine solitäre Situation herzugeben (dare). Auf Kosten des eigenen und besseren Status, sich mit Einem oder mehreren Anderen verbinden…

In der Realität kämpft meistens Jeder gegen Jeden. Oft gilt der Kampf mit dem Anderen symbolisch den eigenen Gefühlen, oder entspricht nach der heterosexuellen Moral dem Hahn, der möglichst viele – oder die Schönsten – in sein Nest zwingen möchte. Nach dieser Methode gibt es keine solidarischen Gruppen, nur solche, die wie „Banden“ sich einem Führer unterwerfen, um für ihn, oder gegen „die Anderen“ zu kämpfen… Das ist heterosexuelle Tradition. Aber müssen wir das übernehmen?

„Homosexuelle Tradition“ habe ich in der Schwulenbewegung auch noch erlebt als „Bettverwandtschaften“. Das heisst, dass ich in einem von mir selbst gewählten Kreis von anderen Schwulen Erfahrungen sammeln konnte, ohne immer gleich mit „der Liebe für das ganze Leben“ zu spielen. Ich habe auch bald einmal gemerkt, dass mir der Herzschmerz viel eher vergeht, wenn ich mich von Anderen und/oder von einem meiner Ex-Sexpartner emotional und auch sexuell trösten lasse. (Eben nicht von der „besten Freundin“!)

Das schlechte Gefühl bei einer Trennung hatte für mich also nichts mit einer falschen Liebe, sondern mit meinem Minderwertigkeitskomlex zu tun. Wenn Lover uns fallen lassen (das kann akzeptable objektive Gründe haben!), dann müssen andere Freunde an deren Stelle treten und uns wie in einem gewebten Netz auffangen. (Auch solche, die bereits „vergeben“ sind könnten das!) Dadurch erlebe ich Solidarität!

Wer seine wichtigsten emotionalen und sexuellen Kontakte immer nur erlebt, als sei er an einer einzigen Nabelschnur aufgehängt, der wird sich dauernd „verletzen“, „enttäuschen“, etc. Daraus ergibt sich der Spruch, der auch einmal der Titel eines Buches zum Thema AIDS war: „Wenn ich nicht lieben kann, dann dürfens Andere auch nicht!“ So hängen sich viele Jungs an irgendeinen dominanten Führer (sozial), oder an „die grosse Liebe mit dem Richtigen“ (emotional), dem sie dann meistens nur „dienen“ (oder sich von ihm wie von einer männlichen Mutter bedienen lassen), bis sie ersetzt werden können!

Es kommt immer wieder vor, dass wir selber nur einen temporären wichtigen Teil im Leben eines Anderen sein können. Das ist zu akzeptieren. (Gilt für alle Drama-Queens hier!)

Viele kleine bedeutende Augenblicke im Leben anderer zu sein, ist auf die Länge lebenserhaltender und psychisch gesünder, als der heilige Vulkanausbruch mit dem grossen Desaster hinterher… oder dann wenigstens alles nebeneinander. Und ich schwöre Euch bei allen schwulen Heiligen, davon profitiere ich bis in mein aktuelles Alter hinein! AMEN.

Ich führe meine Gedanken noch etwas ins „Politische“ aus: Als wir in den 70er Jahren als politisch bewusste Schwule am 1. Mai-Umzug neben den Ausländern und Frauen auftauchten, kam mir das Geschrei „Hoch die Internationale Solidarität mit der Arbeiterklasse“ etwas schräg vor. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese schreienden Männer solidarisch sein könnten, wenn sie sich nicht mal getrauten, einander die Hand zu geben. Die schauten dann wohl lieber nach der Demo ins Décolleté von Frauen…

Ich kann mich erinnern, dass neu auftauchende Türken, damals auch „Händchen hielten“ untereinander. Später dann auch die Tamilen. Das dauerte aber nicht lange, weil sie von den Heterosexuellen hier als „schwul“ denunziert wurden. Und es iss sehr selten, dass junge Männer sich spontan freundschaftlich zu berühren wagen…

Womit historisch und ethnologisch dokumentiert ist, dass es nicht mal des Schwulseins bedarf, um Gefühle füreinander zu haben und sich solidarisch zu fühlen. Ich komme nicht umhin, das Problem damit dem allgemeinen Heterror anzulasten, der die gleichgeschlechtliche Solidarität zu einer „Kumpelhaftigkeit“ und zum „Hahnenkampf“ untereinander um irgendwelche Frauen pervertiert hat. Allerdings wird sich unter der Hetero-Dominanz der Sexualkontakte, gerade wegen der Eifersucht der Frauen, daran bei den Männern vorläufig nichts ändern. Die Frauen hingegen haben sich im Patriarchat noch viel „Wärme“ erhalten können untereinander, trotzdem es bei ihnen „um den Mann“ geht.

Wir Schwulen wären somit ein Teil der gesamten Männerkultur. Stattdessen wird diese vom Bezug auf die Frauen völlig dominiert. Und diese tragen daran eine pädagogische und gesellschaftspolitische Mitverantwortung. Denn wie mir klar geworden ist in der letzten Zeit, geht es nicht nur um die Emanzipation der Homosexualität, oder der Schwulen, sondern auch darum, alle anderen heterosexuellen Männer und Macker „davor zu bewahren“. Der Kampf dagegen gilt nicht nur „der Homosexualität“ sondern auch „für alle anderen Männer“, damit sie „den natürlichen Gebrauch des Weibes“ (Bibel) nicht verlassen…

Solidarität kann nicht auf Befehl verordnet werden. Daher ist es unsinnig, von immer mehr Minderheiten, die sich jetzt von der Heterosexualität abspalten (LGBTAQ…), zu erwarten, plötzlich untereinander „solidarisch“ zu sein.

Dazu kommt die neue Moral, bei der jeder nur für sich selber verantwortlich sei – besonders bei HIV. Jeder soll auf „den Richtigen“ warten, der irgendwo im Leben versteckt sei, oder viele Junghomos wollen nur diesen Richtigen an sich binden und dann in der schönen Wohnung und bis ans Ende in den Sarg – verschwinden. So eine Einstellung erzeugt keine Solidarität.

Früher waren viele Schwule „übers Bett“ miteinander verwandt, weil man – schon verletzt von der Repression – sich nicht auch noch hinterher „fertig machen“ konnte. Diese gemeinsame Nähe meine ich, wenn ich von Solidarität schreibe. Sie ist mit vielen tausend Zweierkisten nicht zu erzwingen.

Wenn Junghomos für ältere Schwule nur Verachtung übrig haben, dann ist das ein grosses Hindernis für Alle. Denn die Diskriminierung der Älteren ist zugleich die Diskriminierung der eigenen Zukunft der Jüngeren. Und dies hängt nicht nur davon ab, dass angeblich „alle Älteren mit Jungs ins Bett wollen – und die Jungs nicht mit ihnen. Denn darüber lässt sich reden.

So mancher Junge, der früher in den 70ern auf die Älteren herabsah, kann heute nicht solidarisch sein, wenn er selber alt geworden ist. Er hat also nichts gelernt. Und so tun es auch heute die Junghomos in gleichem Masse nicht. Und sie werden auch wieder nichts lernen, aus Verachtung gegenüber den Anderen – aber letztlich gegenüber der eigenen Zukunft, die noch unsichtbar ist.

Nicht zuletzt ist es die Aufgabe von Angehörigen von Mehrheiten, mit Angehörigen einer Minderheit solidarisch zu sein, nicht umgekehrt! Und es gibt auch Jungs, die mit Älteren keine Probleme haben, weil sie mit ihnen reden, oder weil sie diese sogar geiler finden als die Gleichaltrigen. Aber da finden auch keine Gespräche und kein Erfahrungsaustausch darüber innerhalb der schwulen Generationen statt!

Dass die Solidarität besonders in den letzten Jahren abhanden kam, ist dem Zeitgeist zuzuschreiben und nicht spezifisch der Homo-Szene. Der Ansatz aber müsste lauten: Da die Homos sich in einem gewissen Ghetto-Freiraum bewegen können, hätten sie das Potenzial, wenigstens etwas in der Homoszene zu ändern, statt nur für sich selber zu schauen. Der Zeitgeist ist der Geist der Anderen und nicht des Ghettos, um das auch mal positiv zu werten!

Vielleicht können sich einige Junghomos die Zweierkiste zwischen 16 und 26 verklemmen und alternative Erfahrungen untereinander im Sex und in den emotionalen Erlebnissen machen. (Statt bis 30 auf den Richtigen zu warten!) Erfahrungen die sie dann auch für eine spätere Zweierkiste gut gebrauchen könnten. Aber es ist einfacher, von der einen Familie zu kommen und sogleich eine neue zu gründen, die wieder die gleichen Gesetze und Abläufe etabliert, wie mann sie schon gehabt hat. Jetzt einfach nur „auf homo“!

So hat Solidarität nichts damit zu tun, ob wir Kinder haben oder nicht. Aber sehr viel damit, wie diese kinderproduzierende Familie und Gesellschaft unser homosexuelles Leben mitbestimmt! Und die angeblich so toleranten schwulen oder lesbischen „Regenbogenfamilien“ werden mit ihren heterosexuellen Kindern eh vollauf selber beschäftigt sein! 😉

Wir sind am 25. Juni zwar auf dem gleichen Schiff, aber leider nicht „alle im gleichen Boot“.

Peter Thommen, Schwulenaktivist_61, Basel

(Überarbeitet am 13.7.11) 

Verbreitete Analsucht unter Männern

Dienstag, März 29th, 2011

Diesen Text widme ich Larry Kramer

Von Peter Thommen

Ich versuche dauernd, anderen Menschen zu erklären, warum in der Bibel der Analverkehr zwischen Männern verboten ist. Du weisst es nicht? Weil die Penetration den Mann unwiederbringlich symbolisch zur Frau macht. Und weil der Analbereich mit seinem Bezug auf die Prostata ein geiler Lustspender sein kann.

In den vielen Jahren, die ich im Internet und auf Kontaktplattformen für Homosexualität verbringe, ist mir schon länger aufgefallen, dass Analverkehr in seinen vielfältigen Formen zur zentralen Sexualbetätigung zwischen Männern geworden ist. In früheren Zeiten haben sich viele Homosexuelle davon distanziert, wie sie es heute sehr beflissen auch mit der „Pädophilie“ tun. Ich habe schon damals gelernt, dass es „fast alle“ tun…

Das hat verschiedene Gründe, die noch von Bisexuellen und von Klemmschwestern beeinflusst werden. Zum einen erfahren Bisexuelle diejenige Lust, die sie von ihren Freundinnen und Frauen nicht erhalten können. Zum anderen glauben Viele auch, mit dem Analverkehr „endlich ihre Unschuld“ verlieren zu können… Für Homosexuelle mag der Analbereich die intimste, vertrauteste und „vereinigendste“ Praktik sein. Abgeguckt bei den Heteros. Für Heterosexuelle ist der Analverkehr die konsequente Fortsetzung ihrer Heterosexualität mit Männern. (Oder ihr Anteil an Homosexualität, praktiziert an Frauen)

nachdenken darüber, was mann tut…

HIV und AIDS haben seit Jahrzehnten den Fokus auf den Analverkehr gerichtet. Das ist der intimste und privateste Infektionsweg für diesen Virus, der heute mit teuren Medikamenten in Schach gehalten werden kann. Ja, es wird – nach den EKAF-Richtlinien zur Senkung der Viruslast unter die Nachweisgrenze – versucht, diesen Intimweg für HIV-infizierte wieder „zu öffnen“. Das mag für fortpflanzungsbegeisterte Heteros „die Rettung“ sein. Aber die weiteren Infektionen wie Haut- und Geschlechtskrankheiten bleiben damit unverhütet!

Und damit stosse ich zu einem weiteren Mythos vor, der in den meisten Köpfen wuchert: Das Sperma ist Repräsentant seines Produzenten, ja es ist selbst ein Teil seines Körpers, das „ausgetauscht“ wird, so dass die geschlechtliche Vereinigung „fast wie bei den Heteros“ erfolgen kann. Männer können sich gegenseitig „befruchten“. Und wenn mann den Mann nicht haben kann, dann wenigstens sein Sperma. An das glauben sehr viele „Analhuren“ und „Spermastuten“ im Internet – auf Kosten ihrer Gesundheit.

Analverkehr kann sehr geil sein, weil es die Orgasmusgefühle um diese Körperregion erweitert und vielleicht auch etwas verlängert. Es gibt Naturtalente dafür. Aber die meisten müssen diese Gefühle und den „anderen“ Umgang mit ihrem Anus erst – manchmal mühsam – erlernen – meistens mit mangelhaften Informationen. Aber so zentral diese Praktik für die Gesundheit und den Sex auch ist, der Umgang damit ist im Allgemeinen sehr unverantwortlich. Er kann süchtig machen wie Alkohol und andere Drogen. Meistens ist Analsucht verbunden mit Drogensucht und eine Sucht ergänzt die andere, aber ohne dass dies auch objektiv wahrgenommen wird. Das erklärt, warum sie sich unter Männern so ausbreiten kann.

Zur Analsucht gehören nicht nur die Vorstellungen und Fantasien verschiedenster Art. Es gibt auch eine körperliche Abhängigkeit. Einen Schwanz im Körper zu spüren, ihn aufzunehmen und sich von ihm „elektrisieren“ zu lassen. Seinen Anus dehnen zu lassen, um ihn „richtig“ zu spüren. Sich selber irgendwann nicht mehr zu spüren, sondern diesen Kerl, Mann, dieses Bild und den Gott…

Die Sucht, sich selber aufzugeben und nicht mehr zu spüren, sondern den Anderen, Männlichen, Dominanten, findet seine Parallele auch im Alkohol. Süchte verlangen nach immer mehr: Grösseren Schwänzen, mehr und öfter davon. Irgendwann einen Riesendildo wann immer mann das Bedürfnis danach hat. Später vielleicht eine Faust, oder grad zwei. Dass dabei Latex-Handschuhe verwendet werden sollten wie beim Arzt, ist den wenigsten bewusst. Natürlich stört bei diesem Gefühl auch schon ein Kondom. Niemand würde sich solches in den Mund schieben, was viele sich alles in den Arsch schieben. Aber beide Öffnungen sind etwa gleich beschaffen: Mit empfindlichen Schleimhäuten. Das gibt kleinste Verletzungen, die – nach neuesten Erkenntnissen – gefährliche Eingangspforten sind für Hepatitis C.

Der Orgasmus lässt uns selbst intensiv spüren. Aber wie einen Gummizug verlängern lässt er sich nicht. Dafür muss dann das Gefühl im Anus und im Darm an dessen Stelle treten. Bis zur Selbstaufgabe. Und irgendwann möchte mann das Gefühl von einem selbst wieder verlieren…

Es gibt auch Männer, die können sich selbst nicht spüren und greifen daher zu drastischen Mitteln, oder sie versuchen sich „wegzuspüren“ mit Drogen und Sex. Dabei spielt das Gefühl der Selbstverantwortung und der Verantwortung für Andere eine grosse Rolle – wird aber meistens „übersehen“. Keiner würde in Turnschuhen das Matterhorn besteigen, eher ohne Kondom einen Mann.

Die Heterosexualität spielt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle. Sie greift mit Rollenvorbildern, Machtgefälle, mit Risikogeilheit und mit Sehnsüchten nach Verlorenheit und „sich fallen lassen“ in unsere Kontakte hinein. Wir lernen das ja auch in unserer Kultur. Die Sexualpartner mit bisexuellen und heterosexuellen Erfahrungen konfrontieren uns auch real damit.

„Das ist doch normal“ würden Viele antworten. Es kann aber belastende gesundheitliche Verläufe nehmen – in der Homosexualität. Das Motto „ich blase – Du fickst“ fasst es bestens zusammen.

Die Selbststeuerung der Kotentleerung ist die erste und wichtigste Eigenleistung eines Menschen. Eine starke Charakterprägung dazu: Hergeben – bis zum sich Aufgeben. Oder umgekehrt: Sich dehnen lassen, um „Grösserem Platz zu machen“, bis Einer sich aufgibt für den Anderen, oder so.

Unbemerkt wird die eigene Persönlichkeit wieder „dekonstruiert“. Oder falls gar nicht vorhanden, keine Selbststeuerung erlernt, was im heutigen Sexualleben Voraussetzung für jegliche wirksame Gesundheits-Prävention ist.

Beim Verlieben spielt sich das ganze in der Psyche sehr ähnlich ab. Der englischsprachige Begriff „to fall in love“ drückt es vollkommen aus. Man fällt und hält sich am Geliebten. Und oft zieht man den Geliebten vor Glück auch noch in die Tiefe! Das ist auch eine Art Sucht und verstärkt das Sexualerlebnis neben den „chems“ – also vom Alkohol bis zu den neuesten Designerdrogen.

Recht(s)gläubige gegen anale Penetration, Belgrad 2010

Ich kann nicht umhin, die alten Väter der Bibel schelmisch anzugrinsen, die den Analverkehr wohl „weislich“ verboten haben. Vielleicht haben sie doch gewusst, welche Untiefen darin für ihre armen heterosexuellen Männer lauerten. Aber ernstlich, diese Untiefen der analen Sexualität müssen öffentlich diskutiert werden.

Wenn die Aidshilfe keine Organisation für „die schwule Revolution“ (PDF) ist und sich auf medizinische Hilfe beschränkt, dann müssen Schwule sich organisieren und sich für diese zusätzliche gesellschaftlich-sexuelle Hilfe zur Prävention engagieren. Ich mag nicht mehr der Zerstörung der Persönlichkeit so vieler Männer zusehen!

Besonders betroffen von diesen Auswirkungen sind Männer mit zerbrochenen Beziehungen, gebrochener sexueller Orientierung oder Identität, Migranten mit gebrochenen Biografien und alle Menschen ohne gefestigte Persönlichkeitsstruktur.

Die aktuelle Subkultur und die „schwulen Einrichtungen“ bieten ebenso wenig Hilfe an, wie die traditionellen Aidshilfen. Es kann höchstens vorkommen, dass das Grundproblem in seine Symptome (Auswirkungen) aufgeteilt und getrennt therapiert wird. Da die angesprochenen Strukturen zwischen den Männern heterosexuell geprägt sind, sind sie oft auch für Heteros nicht erkennbar, da „doch völlig normal“.

Es braucht wieder „Homosexuelle ARBEITSGRUPPEN“

Es braucht Einrichtungen für Schwule in der Suchtprävention

Es braucht Informationen – nicht über die neuesten Drogen – sondern klar über ihre verhängnisvolle Wirkung (Wenn die Leute sie „probiert“ haben, ist es meistens schon zu spät, wie bei einem Alkoholiker)

Es braucht schwule Einrichtungen zur „Partnerschaftsberatung“ – nicht nur Vermittlungsagenturen!

Alles Einrichtungen, die für Heterosexuelle selbstverständlich sind, subventioniert und mit Fachkräften ausgestattet werden!

Peter Thommen, Schwulenaktivist, Basel (61)

Beispiel: Ohne die 22×7 cm von meinem Ex fühl ich mich innerlich so leer. Wer will mich safe füllen? Mein Ex hats mir mit seinem fetten Schwanz jeden Tag richtig besorgt. Wer wills mir besorgen bis ich wieder einen Freund hab? Hab mit ihm auch gut deep-throaten (Gurgelfick) gelernt, aber lieber lass ich mich einfach knallen 😉  26 J

Freud über die analerotischen Triebe

Analität in der Psychoanalyse 

Siehe auch den Kommentar!

nemexia sagt:
12. April 2011 um 23:07  Hä, wenn ich dich richtig verstehe dann behauptest du, dass ein Mann schwul ist wenn er mit einer Frau Analverkehr hat? Sehr absurd…

Jeder Mann hat homosexuelle Bedürfnisse und die lebt er auf verschiedene Art aus. Als Fetisch, oder als Sexualpraktik. Ich denke hier vor allem auch an die vielen “Schwanzmädchen”, die eigentlich Tittenbuben sind, – aber die wegen der Brüste für viele Hetero- und Bisexuelle “akzeptabler” sind, weil das dann nicht “schwuler Sex” für sie ist…
Analverkehr ist so eine Praktik. Aber deswegen muss eben keiner schwul sein. Aber er kann diese “schwule” Lust auch an Frauen geniessen. Schwierig, sich dies einzugestehen. Denn viele Männer denken nicht gross über ihre Sexualbetätigung nach. Hauptsache irgendwas mit Frau. Und wenn es schnell geht, umso besser, das kratzt dann nicht am Selbstbewusstsein als Hetero!

(Hetero-)Sexualität lässt sich eben nicht nur am Schwanz und an der Vagina festmachen. So haben Schwule auch vielfältige Kontakte mit Frauen, und auch verschiedentlich Sex mit ihnen. Aber das wird einfach übersehen. Sie gelten als Schwule. Denn generell werden Männer über das definiert, was sie für alle sichtbar machen und nicht darüber, was sie heimlich treiben!

Also beruhige Dich mit Deinem Analverkehr. Du solltest einfach wissen, dass Frauen keine Prostata haben und somit auch nicht vom Analverkehr gleich stimuliert werden wie die Männer. Aber davon wissen die Männer oft auch nichts. (PT)

 

wie lieben ältere Schwule?

Dienstag, März 15th, 2011

(Erstmals veröffentlicht auf Thommens Senf, am 19.Aug. 2007)

Bei der Pädophilie ist es die heterosexuelle Gesellschaft ausserhalb der gay community, die die älteren Täter abstraft. Bei der Gerontophilie*  sind es die jungen „Täter“ von innerhalb der community, die die älteren mit Ignoranz und Diskriminierung abstrafen. Es gibt auch „politisch korrekte Gutschwule“ und es gibt Zusammenhänge zwischen der Kindheit und Jugend eines Schwulen, der Pädophilie und der Gerontophilie. Und darüber nachzudenken, lasse ich mir nicht verbieten.

Peter Thommen

Wir leben in einer Gesellschaft, die noch immer historisch verklärte Vorstellungen von Partnerschaften hat. Wichtigste Erkenntnis von heute wäre: Die uns propagierten Modelle sind religiös motiviert und ideologisiert. Ideologisiert bedeutet, dass es historische „Momente“ gab, in denen diese Formen sich als ideal erwiesen. Leider hat die Idealisierung es verhindert, diese Formen der Entwicklung anzupassen. Darunter leiden wir heute in der Mehrheit. Historische Formen können immer nur von zahlenmässigen Minderheiten fortgeführt werden, indem sie sozial, ökonomisch oder ideologisch privilegiert bleiben. In diesem Zusammenhang muss auch die Einführung von „gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“ gesehen werden!

In unserer Massengesellschaft sollten wir darauf verzichten, der Gesamtheit Lösungen vorzugaukeln oder zu propagieren, die sich erfahrungs- und der Statistik gemäss nur für eine Minderheit als praktikabel erweisen. Wir können nicht die Mehrheit der „Ungläubigen“ ihrem „Schicksal“ überlassen und auf unsere konventionelle Privilegierung stolz sein. Überlassen wir doch den Heterosexuellen ihre Schwärmereien für Königshäuser und Liebespaare!

Ich neide es keinem Schwulen, wenn er langjährige Partnerschaften pflegt und sexuelle Treue praktiziert. Nur wird ein solcher uns seine Seitensprünge oder Gewissensbisse, Entbehrungen, Liebesentzüge oder seine Abhängigkeiten vom Partner nicht auf die Nase binden! Dafür haben schon die Religiösen ihre Beichtväter und die monogamen Heterosexuellen ihre Prostituierten installiert!

In diesem Zusammenhang kritisiere ich auch die Pädophilen für ihre monogamen und idealisierten Schwärmereien für einzelne Knaben, die dann

„im selber fortschreitenden Alter“ ihre „ dauerhaft jungen Lieblinge“ sein sollen…

Überhaupt fällt mir auf, dass zwar in Gesellschaft und Politik demokratische Strukturen üblich sind, in den mitmenschlichen Beziehungen aber immer noch Abhängigkeiten gesucht und praktiziert werden. Abhängigkeiten, die sich klar und logisch aus Treueversprechen ergeben. Nicht nur wenn die Politiker dem amerikanischen Präsidenten Gefolgschaft gegen irgendeinen Terror versprechen! Oder junge Muslime ihren Führern Gehorsam bis in den Tod!

Dass die Pädophilie auch mit der eigenen Biographie zusammenhängt, sehen wir im „Jugendkult“ der Schwulen! Zurzeit lese ich sehr viele Kontaktinserate im Internet. Auffällig daran ist, dass Partner gesucht werden, die vor allem solche Persönlichkeiten darstellen sollen, wie Schwule selbst eine sein möchten und nicht können. Ausserdem können ideale und tolle Boys ja auch nicht ewig solche bleiben. Wir selbst könnten es auch nicht, wenn wir es denn wären! Wir müssten spätestens nach 10-20 Jahren mit der fortschreitenden Alterung unseres Körpers davon Abschied nehmen. Auch eine langjährige „gleichgeschlechtliche Partnerschaft“ konserviert uns nicht als Prinzenpaar wie im Märchen.

Damit will ich sagen, dass sich nach längerer Zeit alle Personengruppen „auseinanderleben“, wenn sie sich natürlich entwickeln. Die Familie, oder ein pädophiles Verhältnis natürlich schneller, aber auch schwule Paare stehen schon nach zwei bis drei Jahren anders in der Welt. Nicht zu unterschätzen ist auch der Reifeprozess eines Partners, der vielleicht erst durch die Beziehung überhaupt angefangen hat…

Das ist die Realität für die Mehrheit! Das nur traditionsbewusste oder zwangsweise Zusammenleben ist genauso schädlich wie bei den Heterosexuellen, die angeblich meist „nur warten bis die Kinder gross sind“. Auch Heterosexuelle suchen mal nach einem Jahrzehnt Ehe nach neuen Zielen und PartnerINNEn.

Ich will an dieser Stelle nur auf die Problematik langjähriger lesbischer Verhältnisse hinweisen, aber nicht näher darauf eingehen, weil diese Diskussion von Lesben selbst und geschlechtsspezifisch geführt werden muss!

Die heute „ganz alten“ Schwulen haben noch die Realität der „zwangsheterosexuellen“ Partnerschaften erlebt, oder wurden in die Rolle des „notorischen Junggesellen“ gedrängt. Sie erfuhren homosexuelle Realität nur zufallsweise oder über private oder gar geheime Zirkel.

Meine Generation der Schwulen sah erstmals über heterosexuelle Ehen hinweg und erfuhr das Gefühl der Zusammengehörigkeit in der bedürfnisgerecht gestalteten gayszene. Auch wenn viele von uns in Zweierbeziehungen abgewandert sind, überwog das Gefühl der Bettverwandtschaft mit vielen anderen gays. Zurzeit kommen eine ganze Anzahl „verlassener“ oder verwittweter Schwulen aus ihren „freiwilligen“ Ehen heraus. Nichts ist mehr wie früher. Was mich aber ärgert und wütend macht, ist die Naivität derselben! Sie scheinen inzwischen im Kopf nicht wesentlich älter geworden zu sein, denn sonst würden sie sich auf ihrer Partnersuche nicht wieder wie „Endzwanziger“ gebärden.

Noch immer – oder: wieder! – suchen sie bevorzugt solche Partner, die sie selbst gerne sein – oder gewesen sein –  möchten! Das ist für mich ein Anzeichen dafür, dass nur wenige Schwule es schafften, eine eigene Persönlichkeit heranzubilden. Das ist wohl der gewichtigste Vorwurf an die neue Schwulenbewegung. Nicht alle sind dazu fähig. Aber mir ist die Anzahl viel zu wenig! Es könnten deutlich mehr sein! Vor allem unter denjenigen, die das „Glück“ hatten, nicht in eine „Schwulenehe“ abzutauchen!

Viele davon werfen sich selber und vor allem „den anderen“ einfach Unfähigkeit vor und moralisieren herum. Sie vergiften mit ihrer Misslaunigkeit die Szene und beklagen sich dann noch über sie.

Wenn mir ein über 60jähriger vorhält, dass er es „noch nicht nötig“ habe, für Sex zu bezahlen, dann mag er vielleicht darauf stolz sein. Ich antworte ihm aber: Er solle hier nicht herumnörgeln, dass „nichts laufe“ oder sich gar betrinken. Gescheiter würde er das Geld in einen Callboy oder Sexworker investieren statt in Alkohol. Dann müssen wir nämlich „im Milieu“ nicht seine Übellaunigkeit ertragen. Wenn er nämlich für seine sexuellen Bedürfnisse genauso ernsthaft schaut, wie für seine Fitness und seine Kultur – dafür bezahlt er ja auch! – dann ist er der Realität schon etwas näher.

Und damit komme ich auch der „altersgemässen“ Bewältigung der „späteren Lebenshälfte“ näher. Warum wollen Schwule bis ins hohe Alter hinein diese eheähnlichen Beziehungen und symbiotischen Partnerschaften? Was hindert sie daran, ihr Leben neu zu organisieren und ihre Bedürfnisse da anzubringen, wo sie auch befriedigt werden können? Niemand heiratet seinen Arbeitgeber. Niemand verlangt im Fitness-Center, dass ein Fick im Preis inbegriffen ist. Warum soll ein Sexualpartner einem geil finden, wenn man sich selbst nicht geil findet? Niemand verlangt vom Reisebüro, dass auch gleich eine Hochzeit organisiert wird!

Nur die Nabelschnur oder der Baby-Schoppen liefert immer alle Nahrung und Vitamine in einem. Nur die Mutter-Kind-Beziehung ist angeblich die ideale „Partnerschaft“ im Leben eines Menschen? Hier ist wohl der „Mutterkomplex“ der Schwulen einmal nicht falsch angebracht!

Ich weiss, die moralische, ideologische und heterosexualisierte Verblendung der Schwulen ist gross! Und diejenigen, die darin ihr wirkliches oder angebliches Glück für kürzere oder längere Zeit finden, sollen dies auch abkriegen. Was aber nachher? Nach der Desillusionierung? Da ich Erfahrung mit verschiedensten Charakteren habe (zB Sternzeichen), weiss ich auch, dass nicht alle nach dem gleichen Modus leben können. Aber warum zum Teufel gefallen sich Schwule noch immer darin, an ihrem Schicksal zu leiden, statt es in die eigenen Hände zu nehmen? Das haben wir doch wohl gemacht, als die neue Schwulenbewegung aufgebrochen ist?

Zurzeit habe ich folgenden Spruch drauf: „Viele Schwulen glauben – wenn sie den Hintereingang mal gefunden haben – dass sei es dann gewesen fürs ganze Leben.“

Es ist mir aufgefallen, dass Schwule von dem lesen, und noch „vor allerem“ das sehen möchten, was sie niemals kriegen werden: All die schönen Männer, die sie niemals sein konnten und können! Und dazu braucht es nun wirklich keinen Freund und keine Heirat!

Lesen über Erfahrungen anderer. Weiterbildung im Privatleben? Fehlanzeige!

Da ist die übertriebene Musical- und OperETTEN-Kultur? der Schwulen geradezu grotesk! Und eine Tunte, die ihr Leben inszeniert, das will anscheinend ja kein Schwuler sein!

Was sind die Konsequenzen für die älteren Schwulen? Es ist schmerzhaft, alte unerfüllte Träume aufzugeben, sich mit der Realität des Alterns anzufreunden. Aber man könnte immer neue Kontakte und Freunde in allen Altersgruppen finden, wenn man nicht immer DEN Freund, DEN Partner fürs Leben suchen würde. Ich habe die letzten Jahre von 30-50 sehr bewusst „mitdenken“ und mitansehen können.

Ich habe aus den „alten Zeiten“ lose Kontakte und Bekanntschaften. Ich habe EXs, die ich noch immer liebe, aber mit denen ich nicht immer noch „zusammenleben“ möchte. Ich lerne neue alte und junge Schwule kennen. Und ich erfahre ihre Liebe und lebe die meinige zu ihnen.

Aber ich habe das alte „Liebes-und Sexual“-modell aufgegeben, zugunsten einer realitätsgerechteren und pragmatischen Beziehungsführung und Sexualkultur. Statt himmelhochjauchzend und zutodebetrübt wie zu Zeiten von Romeo und Julius, lebe ich ruhiger, aber empfindsamer. Ich suche bewusst nach Menschen, mit denen ich Sex haben kann. Ich finde immer wieder Menschen, mit denen Liebe möglich ist. Wieso von einem Callboy Liebe erwarten und von einem lieben Menschen Sex fordern? Gibt es dafür ein Gesetz oder ungeschriebenes Recht? Sogar in einer langjährigen Partnerschaft hat ein solches Modell auch noch Platz.

Ich muss vor allem nicht mehr ein junger, geiler, gutaussehender und andern schmeichelnder Boy sein. Ich muss auch keinen solchen zum Freund oder als Ehepartner haben. Ich muss gar nichts mehr. Ich muss für meine Bedürfnisse schauen und diese da anbringen, wo sie allenfalls befriedigt werden. Aber ich kann mich mit jungen geilen Boys anfreunden, ich falle anderen nicht durch Übellaunigkeit zur Last und ich muss mich auch nicht betrinken. Ich gehe in den Park. In der Sauna bezahle ich für die Dienstleistung genauso wie in der Bar. Und ich finde Menschen, die mit mir Sex machen ohne Geld, aber auch solche, die für die Dienstleistung bezahlt werden wollen. Und vor allem: Ich mute mich nicht mehr jedem zu, denn ich bin eine ganz einzigartige und unverwechselbare Persönlichkeit geworden und dafür werde ich auch schon mal gehasst! Ich freue mich an dem, was ich an Liebe bekomme und ärgere mich nicht über diejenigen, die weder mit mir ficken, noch mich lieben wollen!

Peter Thommen, (Schwulenaktivist)

* Liebe zu älteren Menschen

eine „community“ frisst die Schwulen auf

Mittwoch, Februar 23rd, 2011

Ist Euch auch schon aufgefallen, was sich alles für Leute um das Wort „gay community“ herum tummeln? Oder welche Minderheiten in den Begriff hineingesteckt werden? Schwule Interessengruppen haben sich in den letzten Jahren unmerklich von „Homosexuelle“ auf „LGBT“ erweitert. Das provozierte mich kürzlich zur Bemerkung, dass offenbar die Minderheitengruppen bei den Heterosexuellen am Zunehmen sind!  😉

Dann fällt mir auch regelmässig auf, wie tolerant wir Schwulen gegenüber allen, vor allem natürlich gegen die Heteros sein sollten. Nicht die Mehrheit soll gegenüber Minderheiten tolerant sein, sondern die Minderheiten gegenüber der Mehrheit. Über die Konsequenzen solchen Denkens macht sich aber Keiner tiefere Gedanken. Die meisten glauben wohl, es wird schon richtig sein. Immer schwingt leise auch die unausgesprochene Schlussfolgerung mit: Wenn wir Schwulen erst mal tolerant gegenüber Heteros sind, dann wird uns keiner mehr diskriminieren. Dies ist nicht nur Unkenntnis, sondern lässt auch auf Faulheit und sogar den Unwillen schliessen, genauer auf historische und soziale Zusammenhänge zu blicken.

Dies stützt auch meine „untolerante“ Vermutung, dass der grosse Teil der Männer, die sich in die Homosexualität stürzen und gleichzeitig „Diskretion“ predigen – und den Betriff Toleranz nicht verstehen, weil auch nicht anwenden – einen Bildungsgrad erreicht haben, der sie nicht befähigt, sich mit den Tatsachen des Lebens auseinanderzusetzen (besonders nicht mit HIV). Dieser grosse Teil von Männern bleibt auch in ihrer beruflichen Weiterbildung stehen. Nicht nur was Erfahrungen mit Mitmenschen (sozial) und in der Kommunikation (als Dramaqueens) betrifft. Man könnte sagen: Wenn sie den Hintereingang mal gefunden haben, dann reichts ihnen fürs ganze Leben…

Der Anfang der Schwulenbewegung hat sich um eigene wissenschaftliche Recherchen bemüht und darum, die erlebten Erfahrungen untereinander zu sammeln und zu verwerten, um ihrem bisherigen Leben entrinnen zu können. Heute stürzen sich quasi viele Männer in die Homosexualität, um darin irgendein Glück – vor allem den Spass (was immer das auch heissen mag) – zu suchen. In aller Einfalt halt. Sie versuchen auf die Art, wie sie die Heteros sehen, mit ihren homosexuellen Bedürfnissen zu leben. Vor allem die Diskreten sind immer so untolerant gegenüber den „homosexuellen“ oder gar „anti-heterosexuellen“ Formen von Paaren oder Gruppen. Und die Verstrickung in alle diese alten, komödienhaften, bühnenreifen Alltags- und Schicksals-Probleme der Heteros muss ihnen wohl wie eine Art Heimat vorkommen. Das haben einige Printmedien und Internetmedien begriffen: Lifestyle ist gefragt!

Ich bin jetzt 10 Jahre im Internet und habe Tausende von Profilen auf Plattformen gelesen, oft bestückt mit gefakten Pics aus dem Internet und möglichen Angaben über die körperliche Beschaffenheit der „Bewerber“, um eine„seriöse Beziehung“ oder „einen geilen Fick“ zu bekommen. Mir scheint dass sich eine Erkenntnis in den letzten Jahren bewahrheitet hat, die von den meisten übersehen wird: „dass es bei Cybersex nicht um den Geschlechtsverkehr mit einem (wie auch immer gearteten) Anderen geht, sondern um die Vorstellung des Verkehrs mit DEN Anderen. Die Anziehungskraft dieses Eros besteht nicht darin, dass ich es mit allen machen kann, sondern mit allen auf einmal. Wenn heute vom ‚Untergang des Körpers’ im Cyberspace die Rede ist, so wird dabei vergessen, dass der Begriff des ‚Körpers’ selbst eine neue Bedeutung angenommen hat: Er bezieht sich immer weniger auf den einzelnen, ach so fragilen und ach so langweiligen menschlichen Körper und immer mehr auf einen grossen Körper, durch dessen Adern die Lust an sich strömt und der die vielen kleinen Körper zu einer Einheit verschmelzen lässt.“ (Christina von Braun: Versuch über den Schwindel, S. 277/78)

Hieraus wird auch verständlich, dass sich viele in Chats mit „Rollenspielen“ begnügen, oder mit Fantasieschilderungen bedient werden wollen, die alle dann plötzlich abbrechen, wenn einer der Beteiligten seinen Orgasmus erreicht hat, oder er sich in dem Geschilderten/den “Fantasien“ nicht mehr wieder findet.

 

Ich hatte grad kürzlich eine nette Bekanntschaft aus der der Ostschweiz gemacht. Ein stimmungsvolles Bild eines sehnsüchtigen Jungen im Profil und die Suchangabe nach einem „Daddy“. Nach ein paar Messages schlug der junge Mann mir ein Telefondate vor. Obwohl ich völlig ungeeignet für solche Spiele bin, trieb mich die Neugierde in diesen Live-Versuch. In der Stimme erkannte ich eine ganz gewöhnliche junge „Tunte“ (vor allem an dem etwas „spitzen“ Tonfall), die mich um meine Fantasien mit ihm bat. Mich machte schon diese einseitige Dienstleistung stutzig, die da gefordert wurde. Und wirklich: Nach ein paar Sätzen brach er das Spiel ab mit der Bemerkung: „Weisst Du, es macht mich einfach gar nicht geil“. Ich war nicht sonderlich überrascht darüber und sagte einfach: „Ok und tschüss!“ und legte auf. Es handelte sich übrigens um einen Deutschen, der wohl beruflich ins Ausland verzogen ist und jetzt etwas allein mit seinem Schwanz herumhocken musste.  😉

Doch wie manches Girl/Frau ächzt, stöhnt und heult, wenn sie für einen Mann die Beine breit macht, nur um ihm die Freude zu lassen, es „supergut“ gemacht zu haben und ihm die Motivation zu geben, sich hinterher bei anderen Männern brüsten zu können?

Der Einbruch der Heterosexualität in die Gefilde der Schwulen findet permanent und auf sehr vielfältige Weise statt. Gut dokumentiert wird das auf sogenannten „gay Plattformen“. Ihre Selbstbeschreibung hat sich vom Begriff schwul für gay auf den ursprünglichen Begriff gay für fröhlich reduziert. Ich will jetzt mal Abstand nehmen von allen Fetischen, die herumgeistern. Darüber gäbe es Bücher zu schreiben. Aber auch allein schon bei den Männern werden die Geschlechterformen und –Identitäten immer vielfältiger:

Die Travestie ist eigentlich ganz gut und mit Tradition in die schwule Community integriert. Dieses Spiel diente seit jeher der Unterhaltung auch der Heteros und dem Beweis, dass Männer sehr gut die Frauen „ersetzen“ können – ja „die schöneren Frauen“ sein können. Sexuell aufreizend sind Transvestiten höchstens für Heteros. Im Allgemeinen aber sind öffentlich auftretende Transvestiten schwul (mit einigen heterosexuellen Ausnahmen!) und wollen das auch sein und bleiben. Sie sind auch meistens noch „nach der Vorstellung“ in der gay community unterwegs.

Die Bisexuellen – könnte man denken – hätten doch am meisten gemeinsam mit Schwulen! Doch das ist nicht der Fall. Das einzig Gemeinsame besteht im Bedürfnis nach Sex mit einem Mann. Alles andere möchten sie „nicht ändern“ – „Bin ungeoutet und das soll auch so bleiben. Akzeptiert dies oder lasst mich in Ruhe.“  39 (verh.) – „bin bi ungeoutet will es auch bleiben, bin hier um nette ehrliche Menschen kennenzulernen.“ …

Nicht alle sind so, aber es ist die ganz grosse Mehrheit, die es weder mit ihren Freundinnen, noch mit ihren Frauen oder Familien verderben wollen. Bi-Mann will zwar vom Honig schlecken, aber sich den Mund nicht klebrig machen! Wenn sich Gruppen bilden, dann vornehmlich unter dem Dach der Schwulen. An öffentliche Demos ist gar nicht zu denken! Sie teilen letztlich nur Augenblicke der Lust mit Schwulen…

Bei den Transsexuellen laufen die Interessen zu den Schwulen schon wesentlich mehr auseinander! Ich kann auf einige wenige persönliche Bekanntschaften mit Transsexuellen zurückblicken. Es mag eine Handvoll sein. Sie frequentierten zwar die gay community und wurden auch toleriert, aber sie verschwanden dann meistens mit einem heterosexuellen Ehemann. Doch wie das weiterging oder endete, erfuhren wir höchstens aus dem Szenentratsch, oder gar nicht. In der virtuellen gay community sind sie aber zu einem festen Teil geworden. Aber nur als Gruppe, nicht als „länger anwesende“ Profile, wie die Schwulen.

Immer mehr fallen die „internationalen Transen“ auf, die sich für bestimmte Zeiten in bestimmten Städten „anmelden“, wohl um dort „solvente Kundschaft“ anzulocken und nicht wirklich schwule Partner für ein Date, oder auf der angeblichen Suche nach „dem Richtigen“.

Auch diese „solvente Kundschaft“ bevölkert immer mehr die virtuelle gay community. Als Heteros, als Profile ohne Angabe der sexuellen Ausrichtung, oder als Bisexuelle. Offenbar hat das auf heterosexuellen Plattformen keinen Platz?! Da sind wir Gays doch viiil toleranter!

Es ist übrigens interessant, dass viele Heteros und Bisexuelle gerade über diese „Transen-Schiene“ in die Homosexualität eintreten. Was die Junghomos „stramm hetero-like“ abweisen: Weiblichkeit, Weichheit, Passivität bei Männern. Das greifen diese Abweichler von der Mehrheit auf, um einen Hybrid-Einstieg zu wagen. Dazu ein kleines Detail. Shemales werden oft und stramm-hetero-like als „Schwanzmädchen bezeichnet“. Bei Lichte besehen sind es aber „Tittenbuben“! (Ihr wisst schon was ich meine!)  😉

So kann man heute immer mal wieder über Headlines stolpern wie: „Sorry Gays, aber ich suche keine Männer!“ – „Ich möchte nur von DWTs, Transen und TVs Messages erhalten!“

Die neueste Gruppe der heterosexuellen Minderheiten sind die Transmen, oder auch mal Transfrauen. Sie treten bescheidener auf als die Transen. Die Angabe körperlicher Details wird eher vernachlässigt. Auch sie suchen sich Partner bei den Schwulen. Warum vergessen diese Leute aber immer ihre Lebenserfahrung aus dem „vergangenen“ Geschlecht, die ja nicht einfach wie auf einer Festplatte gelöscht werden kann? Also die Biografie einer Frau, die sich in einen Mann hat verwandeln lassen und mit einem Mann weiterleben will…

Was „vereint“ denn die gleichgeschlechtlichen Lebensweisen? Die gemeinsame Sozialisation und Lebenserfahrung als Männer oder als Frauen.

Was „vereint“ die homosexuell orientierten Menschen? Die gemeinsam erlebte grössere oder geringere soziale Diskriminierung noch obendrauf. Oder das emanzipierte Bewusstsein „anders – aber gleichwertig“ zu sein. Heteros eint: Gleich wie die Anderen, aber je anderswertig zu sein. Was sich nach wie vor an der Situation der Frauen – und auch der Schwulen – sehr gut ablesen lässt.

Wir können doch die geschlechtsspezifischen Erfahrungen und Lebenslinien nicht über den Haufen werden und öfter mal „neu anfangen“ im Leben! Nur Heteros, die mehrmals heiraten, glauben auch an sowas. Eben.

So finden wir Schwulen uns aus der historischen Bewegung über irgendeine gesellschaftliche Toleranz hinweg in einer Community wieder, die Schwule längst zu einer Minderheit unter den Minderheiten rücktransformiert hat. Die Gesellschaft hat uns mit dem Partnerschaftsgesetz Honig ans Maul gestrichen, aber gleichzeitig weitere Minderheiten absorbiert (sh. oben!).

Wenn man/frau/gender mir jetzt Intoleranz vorwirft, dann muss ich zurück fragen, warum denn alle diese vielfältigen Gender und Geschlechter doch meistens darauf aus sind, letztlich eine „hetero Zweierbeziehung“ zu finden, während ich als einfältiger Schwuler darauf aus bin, mich gerade nicht in eine solche einschliessen zu lassen!?

Dient vielleicht diese ganze Vielfalt von Geschlechtswesen nur dazu, letztlich die eheliche Zweierbeziehung unangetastet zu lassen und damit auch die gesamte Herr/Frauschaftsstruktur dieser Gesellschaft zu bewahren? Für Sonderformen gibt es eben Sondergesetze.

Das entspräche auch der Logik der „Toleranz von unten“, die eben die Machtverhältnisse nicht ändert und schliesslich resigniert – spätestens an dem Punkt, wo die Körperformen, die virtuellen Formen und die Gesetzesformen einmal erschöpft sein werden…  Guten Abend!

Peter Thommen (61) und „stramm-homo-liker Schwuler“  😉

Aktuelles Beispiel: „Eine Frau mit Herz (24, und XXL-Schwanz!) sucht Mann mit Herz für eine treue ehrliche Beziehung.“

siehe auch meinen Text über „Ehrlichkeit und Treue“!

und über mein Verhältnis zu „den Heteros“!  😉