Posts Tagged ‘Sexualkultur’

Wie lieben ältere Schwule? (2) *

Samstag, April 19th, 2014

Der Tod in Venedig, von Thomas Mann, wird wohl nur darum noch nicht zu den jugendgefährdenden Schriften gezählt, weil er ein Kunstwerk ist. Diese sind nach Gesetz von Beschlagnahme ausgenommen.

Die heterosexuelle Gesellschaft regt sich schrecklich über „die Pädophilie“ auf. Damit sticht sie gezielt in ein schwules Wespennest. Erstens werden ältere Schwule in dieses Klischee gepresst und zweitens finden Hetero/as schwule ältere Paare dann ausdrücklich „herzig“, gefahrlos und tolerierbar. Ich möchte aber weder im einen, noch im anderen Klischee schon vor dem körperlichen Tod begraben werden!

Über die Tatsache, dass viele Heteras schon nach den Vierzig mit dem Sex mit ihren Männern aufhören möchten (Studie) und die starke Tendenz von Heteros zu jüngeren Frauen, will ich mal tolerant hinwegsehen. Nicht zuletzt werden erwachsene Frauen, die „es mit Knaben treiben“ einfach nicht ernst genommen. Nicht mal eine 43jährige Lehrerin mit ihrem 14jährigen Schüler. Das so oft beklagte Machtgefälle wird mangels eines erwachsenen Penis – und das ist das Entscheidende! – nicht befürchtet. Da können dann erwachsene Männer in Leserkommentaren auf Zeitungsblogs öffentlich davon schwärmen, dass sie in ihrer Kindheit auch immer von sowas geträumt hätten… Und habe ich vielleicht nicht in meiner Kindheit davon geträumt, von einem erwachsenen Mann verführt zu werden? Oder darf ich das nicht schreiben, weil in meiner Jugend das „Schutzalter“ noch bei 20 war, während die Heteros schon ab 1942 fröhlich ab 16 durften? Heute blickt man Schwule noch vorwurfsvoll an, wenn sie von Freunden oder Kontakten ab 16 erzählen!

Ich hoffe doch sehr, dass diese Altersgrenze für Kontakte endlich für die Gleichberechtigung und die Gleichwertigkeit der Homosexualität tragfähig genug wird – bald 20 Jahre nach deren Einführung – und dass Schwule das politisch auch vertreten, statt zu kuschen!

Thommen in der untragbar, Frühling 2014

Thommen in der untragbar, Frühling 2014

Während bei Heterosexuellen „die Pädophilie“ meist eine einseitige Entscheidung von Männern gegenüber Mädchen ist, und die diejenige zwischen Frauen und Knaben als „politisch korrekt“ bezeichnet werden kann, gibt es inzwischen auch Jungs, die exakt auf ältere Männer stehen. (Das müssen nicht 10jährige sein, wie immer geargwöhnt wird!)

Und jetzt ist eine Beziehung zu benennen, die es offenbar bei Homos nicht geben soll: Die Gerontophilie. Die Liebe zu älteren Menschen – hier zu Männern. So mancher Stricher hat wohl in den vergangenen Jahrzehnten diese Orientierung auch profitabel ausgelebt. Aber dafür interessierte sich kein Richter (die homosexuelle Prostitution war 50 Jahre lang strafbar!). Unter dem neuen Recht aber wird Gerontophilie sicht- und lebbar. Denn was für den Einen Zukunft ist, ist für den Anderen fast schon Vergangenheit. Aber innerhalb des gleichen Geschlechtes verbindend. Es gibt nichts daran zu idealisieren, schon gar nicht als Rechtfertigung. Aber ein Junge und ein älterer Mann haben wohl mehr gemeinsam im Leben als jede erwachsene Frau mit ihrem Mann.

Aber ich stelle auch die Frage in den Raum, was sollen zwei alte Männer aneinander finden, die keinen Mann zu bemuttern oder keine Frau zu bevatern haben? Gut, oft mag das sogar bei Schwulen nach Heterosexualität aussehen. Aber wollen wir Schwulen das auch alle?

Viele heterosexuelle Psychologen und Pädagogen sind sich darin einig, dass vieles an der sexuellen Orientierung schon sehr früh festgelegt wird. Die neuesten Forschungen aber weisen nach, dass noch sehr vieles im Laufe des Lebens „fortgeschrieben, umgeschrieben“, oder gar erst geschrieben wird (Ilka Quindeau, 2008). Das dürfte wohl sehr für die sexuellen Bedürfnisse von heterosexuell Lebenden zutreffen, die im spätern Alter – so ab 50 – plötzlich entdecken, dass es ja auch noch Männer als Sexualpartner gibt. Für diese ist es leichter, nach ihren Frauenerlebnissen, sich für diese Partner zu interessieren, denn sie haben im Grunde genommen keine „schwule Biografie“. Sie kehren zum eigenen Geschlecht zurück, wie sie beim anderen Geschlecht auf Abwege geraten sind!

Problematisch wird es dann, wenn ältere Männer so weit zurückgehen müssen, um den verlorenen homosexuellen Faden wiederzufinden, dass es unter die Schutzaltersgrenze geht. Und Problematisch wird es vor allem, wenn es so spät im Leben um eine kindliche oder jugendliche Zeit geht, in welcher Homosexualität nicht gelebt werden konnte. (Hohe Suizidrate bei homosexuellen Kindern und Jugendlichen) Doch die Gesellschaft ist blind für Prävention, sie verurteilt lieber hinterher…

Ich weiss, jetzt sollte der Knüppel aus dem Sack! „Was meint der eigentlich?“ Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, ist ein gutbürgerlicher Spruch. Auch Schwule lernen, die Körpernähe von Müttern und Frauen zu erfahren. Schwestern zu haben, vielleicht sogar „beste Freundinnen“. Aber meistens haben sie einen homophoben Vater. Also ohne Körpernähe zu ihm. Nicht immer einen Bruder. Und die heterosexuellen Onkels tun sich lieber an Töchtern und Cousinen vergreifen – um die Spitze jetzt umzudrehen. Meine Onkels waren so ziemlich homophob und mit der Verführung meines Cousins war leider nix.

Also wie sollte ich lernen – fürs spätere Leben – mich an erwachsene Männer zu halten, sie geil zu finden und ihnen nachzulaufen, da hätte ich doch nur Schiss in den Hosen gehabt. Dass sie den kleinen Schwulen, der es doch selber noch nicht wusste, piesakten und ihn auf Mann drillten, das bleibt wohl unverjährbar – aber auch strafrechtlich irrelevant! Als ich mit zwanzig von einem wenig älteren Mitarbeiter in meiner Lehrfirma verführt worden bin, rannte meine Mutter aufs Gewerbeinspektorat. Die Firma durfte über Jahre keine männlichen Lehrlinge mehr haben… Und meine Mutter war so unschuldig in die Ehe gegangen und hatte von Homosexuellen schon gar keine Ahnung gehabt. Meine schon kindlichen Wixkontakte hatte sie wohl „übersehen“.

Und trotz all solcher widrigen Umstände gibt es Gerontophilie auf der Welt – und mitten unter uns. Ich meine jetzt nicht jene Frauen mittleren Alters, die Männer im Altersbereich ihrer Väter heiraten. Oder jene heterosexuellen Männer, die sich ihre Potenz durch Heirat von jüngsten Frauen beweisen lassen. Meistens ihre finanzielle Potenz.

Es gibt auch Jungs, die auf ihre Väter stehen. Aber mit ihren Müttern hätten sie wohl weniger Probleme mit dem sozialen Umfeld. Und es gibt Jungs, die sich trotz, oder gerade wegen der Homophobie ihres Vaters, an ältere Männer hängen. Ich weiss auch aus eigener Erfahrung, dass die Liebhaber- und Vaterrolle nicht unbedingt zueinander passen können.

Ich habe meine grundlegend-biografischen schwulen Erfahrungen mit etwa Gleichaltrigen, oder später um die 5 Jahre Jüngeren gemacht. Das hat mich geprägt. Doch allmählich merkte ich, dass das mit den gleichaltrigen Partnern irgendwo begrenzt war. So in den 30ern hängt ein Homosexueller irgendwie durch. Zu alt für die Jungen, zu wenig jung für die Älteren. In den 40ern bin ich plötzlich für gewisse Frauen interessant geworden. Ich bin jetzt über die 50 hinaus. Ich kann schon mal das „Beuteraster“ zwischen 20 bis um die 30 eingrenzen. Je nach Agilität oder Persönlichkeit des möglichen Sexualpartners. Da ich aber keine „Rollenspiele“ veranstalte, kann ich weder Stute noch Hengst anbieten! 😉

Gerontophilie durch die Hintertür?

Nun stellt sich ein für mich ganz neues Problem, an das ich nie gedacht hatte. Früher, als ich jünger war, fühlte ich mich unattraktiv und „alt“. Mit den sexuellen Kontakten konnte ich das aber etwas ausgleichen.

Heute bin ich nicht mehr so attraktiv und ich BIN alt! Ich würde heute nicht mehr unbedingt mit mir selber ins Bett gehen. Meine Attraktivität hat sich aber in meiner Persönlichkeit weiterentwickelt – auf einer kommunikativen Ebene. Mein Alter ist für viele Jungs schon im voraus eine Bedrohung. Besonders durch die Dämonisierung als „Pädophiler“, die auch ich zu spüren bekomme. Auch wenn ich kein heterosexueller „Fritzl“, oder nach SVP ein „Bubenschänder“ bin. Im Gegenteil. Mein Trick war immer, den Jungs vorab zu sagen, dass sie NICHT mit mir ficken müssen. Das hat all jene immer irritiert, die sich in Spekulationen über meine Kontakte zu Jungs den Mund zerredeten. Ich habe auch nie Drogen konsumiert und diese wie einen klassischen „Schleckstengel“ den Jungs angeboten! 😛

Ich bin in meinen eigenen Augen einer jener Männer, Väter und Onkels geworden, für die ich nie so etwas wie sexuelle Attraktivität empfunden habe. Ich bin für mich selber ein sexuelles „Unding“ geworden. Aber trotzdem gibt es immer wieder – und vor allem über die Internetkontaktseiten – jüngere Männer, die ich sexuell attraktiv finde und die gerade das an mir suchen, was sie selber „noch nicht haben“ können. Reife, Persönlichkeit, etwas Watte zum anfassen, und Selbstsicherheit. Ich erinnere mich noch an den Ausspruch von Peter Aschwanden, der 1992 im Auftrag des SF einen Dok-Film über den Pädophilen Daniel H. drehte: Es sei ihm bei den Recherchen zum Thema aufgefallen, dass die meisten Opfer von Daniel H. Buben ohne real präsente Väter gewesen seien – „allein erzogen“.

Ich bin daran, Schritt für Schritt ein Gerontophiler – aber kein Gerontosexueller – zu werden. Über die Interessen und Vorlieben von jüngeren Männern lerne ich, was an mir denn so attraktiv sein soll. Ich sei „Liebhaber, Vater, Bruder, Freund und Sexpartner in einem“, schrieb mir mal ein einundzwanzigjähriger Mann aus Deutschland.

Und die Heterosexuellen werden mit ihrer speziellen Art von „Pädophilie“, welche erwachsene Frauen zu (ihren) Babies, Mädchen, Chicks, Girlies, etc. macht, nie lernen, was eine schwule Biografie ausmacht. Das merke ich auch in Foren mit Bisexuellen. Sie reagieren meistens aggressiv auf eine schwule Biografie. Denn sie selber haben keine – höchstens eine fragmentierte heterosexuelle…

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

* siehe auch: Wie lieben ältere Schwule, den ersten Teil!

Siehe: Werner Catrina, Der späte Frühling

Thommens Kritik

Zwischen Gender und Arbeit!

Freitag, April 4th, 2014

Die – heute tote – Schwulenbewegung hat sich in den 70ern von Anfang an an die Bewegung der Arbeiter und Arbeiterinnen gelehnt, um die Politik für den Wechsel des Strafgesetzes in Aktion zu bringen. Sie ist aus dem gesellschaftlichen Schatten hervorgetreten, in welchem sich die traditionellen Schwulen und ihre Vereine bisher geduldet gefühlt hatten.

Die Schwulenbewegung in der Schweiz berief sich auf den rosa Winkel unserer Vorfahren in Deutschland. Auch wenn es keine nationalsozialistische Politik bei uns gegeben hatte. Immerhin war es nach dem Krieg nicht verboten, homosexuell zu SEIN. Aber wir wurden durch ein bedeutend höheres Schutzalter vor uns selber geschützt, ebenso natürlich die Heterosexuellen, die schon ab 16 miteinander spielen durften. Einweisung in ein Konzentrationslager bedeutete „Schutzhaft“, auch für Juden und Schwule. Doch ist dabei – wie auch beim Schutzalter – immer auf beide Seiten zu fragen, wer denn vor wem geschützt werden sollte! (1)

Homosexuelle und Heterosexuelle unter 20, die sexuell miteinander in Kontakt gekommen sind, wurden strafrechtlich oder administrativ weggesperrt. Es gab Bussen, oder Gefängnis im Wiederholungsfall. Dies hatte Alexander Ziegler, ein Schauspieler und Texteschreiber medial an die Öffentlichkeit gebracht. Sein bekanntester Roman ist „Die Konsequenz“, der auch verfilmt worden ist. Darin schildert er auch die verlogene Moral in Deutschland, wo es sogar verboten war, homosexuell zu sein. Obwohl es für eine Strafe ja immer erst einer Handlung bedarf…

Unter solchen gesellschaftlichen Bedingungen war es auch schwierig, eine anständige Arbeit zu finden, derer man immer verlustig gehen konnte, wenn etwas „bekannt“ geworden war. Ich weise in diesem Zusammenhang gerne auf die heutige Situation von Pädophilen hin, die schon gar nicht erst strafbare Handlungen begehen müssen, um ausgegrenzt zu werden! Hingegen haben es zum Beispiel andere „Gesinnungs-Genossen“ aus der rechten politischen Ecke einfacher, „damit zu überleben“. Aber auch Linksextreme bekommen keine Sondergesetze aufgedrückt. Nicht mal pädophile Frauen, die es nach sexistischer Vorstellung überhaupt nicht gibt. Sie alle sind – wie alle Bürger in der Schweiz – vor dem Gesetz gleich, wie es so schön in der Verfassung steht.

Wenn wir jetzt über eine „Pädophilen-Initiative“ abstimmen müssen, dann nur wegen der sexuellen Dimension, in die sie vorstösst. Was wir früher öffentlich mit dem „Schutzalter 20“ politisch angestossen hatten, fällt jetzt sozusagen wieder auf uns zurück! Dabei bedarf es keinesfalls des „pädophil Seins“, sondern nur der Verletzung bisheriger Strafgesetze – also sexueller Handlungen mit Kindern (bis 15), um „lebenslänglich“ nicht mehr mit Kindern arbeiten zu dürfen. Intelligenterweise wird in heterosexuellen Familien nicht mit Kindern „gearbeitet“, sie werden da nur streng hetero/a erzogen!

Schwule könnten vielfältig davon berichten, wie sie von ihren Eltern oder anderen bestimmenden Personen wegen ihrer homosexuellen Bedürfnisse „bearbeitet“ worden sind. Das ist dann aber legal. Interessant wird sein, wie sich „Regenbogenfamilien“ mit Verdächtigungen auf „Pädophilie“ durchschlängeln werden…

Der CVP ist auch noch eingefallen, dass die „normale“ Familie aus Mann und Frau besteht. So dass gegen das politische Ziel der „Homo-Ehe“ aus der lesbischwulen Ecke, auch hier ein Nagel eingeschlagen werden konnte.

Ursprünglich gab es in der „Normalität“ einfach sexuelle Abweichungen, die hie und da auftraten. Eine davon war die Urningsliebe, oder später Homosexualität genannt. Erst nach ihr entstand die „Heterosexualität“. Magnus Hirschfeld als erster Sexualwissenschaftler vermutete eine, oder mehrere Zwischenstufen, um die Erscheinungen unter einen Hut zu bringen. Aber nach der Bisexualität als dritter Variante sind inzwischen noch mehr dazugekommen. Und es nimmt kein Ende, welche Variationen laufend aus der Normalität fallen. Neben den biologischen Unterschieden von Körpern und Geschlechtsteilen gibt es auch unterschiedliche Verkehrsformen und unterschiedliche Spiele und Rollen miteinander. Dies alles wird heute unter dem Begriff „gender“ (= sozial funktionierendes und/oder erlerntes Geschlecht) versammelt.

Die normale heterosexuelle Familie hat heute ziemlich Probleme, ihrem Nachwuchs diese „Gender-Welt“ zu erklären. Am einfachsten ist es da, den Kindern und Jugendlichen schon mal die Information über die Realitäten zu verweigern, oder vorzuenthalten, nach dem bewährten bürgerlichen Motte, was nicht genannt werden kann, das kann es auch nicht geben! Erst wenn das Internet stört und der Nachwuchs zu früh die wichtigen „Lebensfragen“ stellt, wird es relativ ungemütlich! Personen, die mit Kindern arbeiten und solche, die sie zuhause aufziehen müssen, können ziemlich ungehalten auf sexuelle Lebensfragen reagieren, denn das kommt alles „von aussen“ und stört die traditionelle, geschützte Harmonie…

So sind auch heute wieder Sexualität und Arbeit nahe beieinander. Schon im Mittelalter, in welchem grosse Unkenntnis über die Geschlechter herrschte, kamen Frauen auf die Idee, sich in Männerkleidern zu Arbeiten zu verdingen, weil sie dann einen höheren Lohn bekamen! (2) „Arbeit mit Kindern“ soll mehr und mehr ein Teil des öffentlichen Arbeitsmarktes werden, besonders im Vorschulalter. Damit bekommen nun auch die „Früchte“ der familiären Sexualität eine „öffentliche Bedeutung“ und Beachtung, die bisher im privaten Lebensraum behalten werden konnte. Eine interessante Entwicklung, besonders im Hinblick auf die Bewertung der Sexual-Arbeit ausserhalb „privater Intimität“. Doch wer sich über die Geschichte der Kindheit, der Familie und der Arbeit etwas informiert, den wird das nicht verwundern.

Nicht nur Sexualität, Liebe und Arbeit verändern sich ständig und schneller. Auch Orientierungen, Identitäten, Fetische und Geschlechtsteile werden unterschiedlich benützt und eingesetzt. Nach dem Motto, ich betätige das, was ich gerade brauche – und morgen ist alles wieder anders…

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

1) Erdogan: Schutzhaft für Homosexuelle in der Türkei 2014!

2) Ein Bauernknecht wird als Frau in Männerkleidern enttarnt (Chronist Fridolin Ryff, zitiert von Katharina Simon-Muscheid, in: Arbeit, Liebe, Streit, Texte zur Geschichte des Geschlechterverhältnisses und des Alltags, S. 112 (Verlag des Kantons Baselland, Liestal, 1996)

Solidarität oder Schicksal

Donnerstag, April 11th, 2013

Der Schicksalsroman des Anton K. (tageswoche online und TeleBasel)

In der ersten Aprilwoche dieses Jahres wurde ich von verschiedenen Bekannten auf einen Fernsehbeitrag über AIDS aufmerksam gemacht und später noch auf den Bericht in der tageswoche-online. Diese titelte „Die Entfesselung des Anton K. …“

Mit dem Wort „Entfesseln“ wurde zwar bedeutungsvoll Sensation angekündigt, aber schliesslich stellt sich die Geschichte eines Heteros als sehr bürgerlich dar. Ein unauffälliger Familienvater entwickelt und befriedigt seine homosexuellen Bedüfnisse heimlich in einer Parallelwelt. Diese „homosexuelle Fetischwelt“ entspricht in etwa derjenigen bürgerlicher Heterosexueller – einfach dort zusammen mit Frauen als Partnerinnen

Nach zwanzig Ehejahren mit der einzigen Frau, mit der er zusammen Sex gehabt hatte („mit der er je geschlafen hat“, tageswoche online) zieht Anton aus und entdeckt „die schwule Welt“. Das schreiben viele ex Heteros oder „neu Homosexuelle“ immer wieder, weil sie nie hinsehen wollten, dass die Homosexualität mitten unter ihnen lebt und fickt.

In einer Andeutung erfahren wir, dass er schon mit 14 oder 15 von einem nackten Männerbild angezogen worden war. Er wurde also nicht „politisch-korrekt“ von einem „Pädophilen“ sexuell missbraucht, wie es so gerne in der Öffentlichkeit verhandelt wird!

Interessant die Bemerkung: „Ich hatte nie das Gefühl, meine Frau zu betrügen, es gab einfach diesen Bereich, der nur mir gehörte.“ (tageswoche online) Klar. Frauen wissen das zu verhindern. Sie wollen alles oder nichts. Er musste „eine Mauer hochziehen“. Das tun Männer auch, indem sie schnell Zigaretten holen gehen und dann nicht mehr gesehen werden. Einfach weg und fort.

Anton K. ist heute 59 Jahre alt. Zur Zeit der Schwulenbewegung war er ein Teenager und später ein Medien-Spezialist. Er muss starke Verdrängungsmechanismen entwickelt haben. Entweder schon in seiner Herkunftsfamilie oder dann wenigstens in seiner Ehe. Genützt hat es nichts, denn „Das wissen wir doch schon ein Dutzend Jahre“, sagten seine zwei Söhne auf das coming out ihres Vaters (srf3 online).

Anton K. ist ein Beispiel von „Schwulenemanzipation“, wie wir es im Internet seit über einem Jahrzehnt laufend sehen und erleben können! Das Schicksal ist wichtiger als die Solidarität mit Anderen. Solidarität wird oft mit Ängsten gebunden, die jemanden dann fesseln. Ich erwähne da nur die Hierarchie der heterosexuellen Familie und die monotheistischen Religionen. Anton K.: «Ich hatte den Mut nicht. Es ist einfacher, wenn du nichts erklären musst, auch gegen aussen nicht.» (tageswoche online)

Statt in der Solidarität mit Anderen landet Anton K. in der Sackgasse eines Schicksals. Aber das kennen wir schon aus den Bastei-Romanen und der „Schwarzwaldklinik“.

Etwas, was die Schicksalshaftigkeit seines Lebens noch unterstreicht, sind seine Besuche in Fetisch-Clubs. Hier inszeniert er mit Anderen zusammen eben – sein Schicksal. Immer wieder neu, wie Heteros mit ihrer Ehefrau zusammen im Bett. Oder Schwule mit ihrem Ehemann. Ich lese verschiedenste Blogs im Internet. Dabei fällt auf, dass „verheiratete“ Männer meist im „wir“ schreiben: „Wir besuchten unsere Eltern an Weihnachten“, etc. Oder sie erzählen von „meinem Mann, mein Mann und ich…“

Wieso er als „Botschafter einer Aufklärungskampagne“ hausieren geht, wird mir nicht klar. Mir wird auch nicht klar, wieso er auf safer sex verzichten will und dafür auf Risiko lebt. «Erwische ich das Virus, nehme ich Medikamente.» Dafür gibt es ja heute gute Therapien.

Ich denke, das ist das klare Eingeständnis der AIDS-Hilfen, keine „ideologische“ Prävention mehr tun zu wollen oder zu können. Nie vergessen werde ich den Satz von Ruth Ruthmann von 1997: „Zum zweiten behandelt diese Kampagne, die einen unvergleichlichen Erfolg aufweist, das Problem des Safer Sex und nicht die schwule Revolution.“

Wir brauchen also nach wie vor irgendwelche „Homosexuellen Arbeitsgruppen“, die diese Arbeit tun. Nur: keineR will sie bezahlen, denn das sind (noch) nicht die Probleme der Heterosexuellen!  Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

Hier der Link zu Axel Schuberts (HABS) Kritik an dieser Art von Öffentlichkeitsarbeit.

Hier der Link zu meiner „wütenden“ Kritik an dieser Art von Journalismus (nicht unter den „ausgewählten Kommentaren“ zu finden! 😉

Bedenklich findet serena vor allem zwei Dinge

Wissen sie was sie tun? (über eine Kampagne in der BRD)

Sexuelle Risikobereitschaft, Hausarbeit 2002

 

Hi, friends, I am working as a LAB TECHNICIAN in a famous hospital,Chennai and I work for HIV control society Chennai also. I want to share one shocking news to you…..Since few months we are getting increased number of HIV + results in our own lab when compared to previous months.Number of positivity has been increasing since few months.
Most of the patients are male ( 23- 45) and on further follow up from the hospital We came to know that many of them are gays/bisexuals of chennai. I talked with one patient recently and he told me that he was getting guys from this site and had sex with many guys…….

So be carefull guys, practice safer sex always. dont choose guys blindly. Chennai (Madras) 2013

 

P.S. Selbstschädigungstendenzen, über Mobbing und Suizide in Kindheit und Jugend,  Verbreitete Analsucht unter Männern

 

„verpass keine Party mehr!“

Freitag, März 22nd, 2013

Der „Homo“ oder Schwule schwankt in seinem Leben ständig zwischen Provinz und Weltstadt. Das einsame Landei geht in die Stadt, um „Seinesgleichen“ zu finden – und hat er seinen „Mr. Right“ gefunden, dann zieht er mit ihm in eine schöne Wohnung wieder aufs Land, für die traute Zweisamkeit.

Der Stadt-Schwule irrt zwischen der Gaybar und dem Stadtpark hin und her. In der einen leidet er an der Enge der familiären Atmosphäre und im anderen sucht er nach dem „unbekannten Mann, Schwulen, oder gar Hetero…

Es gab schon immer welche, die sich nicht nur mit Schwulen begnügten, sie wollten auch vom „heterosexuellen Honig“ naschen. Sogar ein Transsexueller erklärte mir schon vor über vierzig Jahren, dass er sich umbauen liesse, damit er „mit allen Männern“ schlafen könne…

Dieses ständige Einbrechen in neue Räume, in neue „in-Lokale“ und Wiederausbrechen aus familiärer Enge gerade derselben, ist wohl die Parallele zur heterosexuellen Ehe und dem sie begleitenden „Rotlichtmilieu“ mit dem praktischen Hinterausgang aus dieser.

Der „Pomo-Homo“ – also der postmoderne Homo, wie ich ihn in einem US-Roman gefunden habe – schaffte sich seit Jahrhunderten eine bürgerliche Kiste, mit Notausgang in die „weite Welt“, sozusagen. Und nur selten wird die „eingetragene Partnerschaft“, oder eben die bürgerliche Kiste, in die anderen Welten mitgenommen. Man könnte sich (Ihn) ja in ihnen wieder verlieren…

Auf die diversen Fetisch-Veranstaltungen und Fetischlokale möchte ich jetzt nicht näher eingehen. Aber auch diese sind bemühende Intimsphären-Konstrukte, die aber wiederum davon leben, dass aus allen Richtungen ständig neue und fremde Männer anreisen, um die Stimmung anzuheben. Während die Heteros eine Zeitlang ihre „Swingerparties“ hatten, an denen Mutter und Vater als Pärchen jeweils mit einem anderen Pärchen, oder Vater und Mutter fickten, gibt es da jetzt auch schon „postmoderne Sex-Clubs“.

In den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, mussten sich Homosexuelle in privaten Clubs oder angemieteten Sälen verstecken, um ungezwungen tanzen und fröhlich sein zu können. Oder dann in den 70ern mischten sie sich unter die offener gewordene Tanzkultur der Heteros, die aufgehört hatten, als Pärchen zu tanzen. Aber schon bald suchten die Homosexuellen Arbeitsgruppen nach eigenen Räumen, um auch eigene Parties auf eigene Rechnung durchführen zu können. Paartanzen war bei Heteros nicht möglich und die Gays waren ja immer führend in der neuen Musik gewesen!

Das alles tönt heute wie vergangener Schall aus unwirklichen Zeiten. Der postmoderne Homosexuelle pflegt seine familiären Bedürfnisse über die sozialen Netzwerke und sein Iphone mit den speziellen Apps. Den Duft der grossen weiten Welt sucht er an den Parties diverser Städte und Clubs. Sein Appetit ist gewaltig und der Erlebnishunger wird auf immer neue Art, mit Dekos und Labels und eingeflogenen DJs und DJanes erhalten. Frühlings- und Herbstfeste, Maibälle und periodische Parties in den Bars – darüber können wir nur noch müde lächeln…

Die heutigen Zeiten sind professioneller, geschäftstüchtiger und härter geworden. So schnell wie die Flyer, ihren Style und die Parties ihr Lokal wechseln, haben nicht mal die Schwulen ihre Partner getauscht! Und vom Drogenkonsum will ich gar nicht anfangen. Ich will darauf hinaus, dass der Mensch, seine Bedürfnisse und seine Erlebnisse regelrecht zu kurz kommen und mit Material verstopft werden. Diverse Ab-hängigkeiten sind neu geregelt.

Schon die Junghomos – also diejenigen, die noch keine Schwanzvergleiche machen und Pornos untereinander austauschen – befinden sich im Veranstaltungs- und Konsumstress. Sie fühlen sich verpflichtet, „in“ zu sein und es den „grossen“ möglichst nach-zumachen – wie die meisten hetero Jungs auch. Jede Party ist gefährlich und gnadenlos wie ein Pausenplatz vor der Schule. Und diese wiederum funktionieren wie ein Hühnerhof mit Gockeln und Hennen. Statt Schnäbelhacken gibt’s Klatsch und Tratsch und das outfit der Jungs sind die Schwanzfedern des Hahnes. Nicht jeder, der da selbstbewusst auftritt, kann auch zuhause der Familie in die Augen schauen. Aber wen interessiert das?

Die „Pornoerfahrenen“ wiederum müssen jede „Sauerei“ ausprobieren, denn „das Leben ist ja kurz und verschissen wie eine Hühnerleiter“! Orgasmen werden aufgehäuft wie die Schwänze, die möglichst gross sein sollten. So denn jemand nicht Auto fährt, oder ein Zugsabo hat, oder gar ein Flugticket, wird ihm bald langweilig werden…

Keine Zeit zum Innehalten, zum Verarbeiten der Eindrücke, zum Kennenlernen von Menschen. Jeder Fick wird zum ultimativen, jedes Lächeln zum Bewerbungsschreiben an Mr. Right. Egal ob zuhause die „eingetragene Partnerschaft“ wartet, oder mann sich überraschen-derweise in einem Darkroom zufällig wieder trifft.

Diese Gaycommunity ist ein Geschäftsmodell und sie wird solange Bestand haben, wie sie einträglich ist – für Wenige. Und damit verbunden auch die Plattformen und Apps. Die Pics, die Sixpacks und die Klamotten. So schnell wie sie entstanden ist mit den elektronischen Medien, so schnell wird sie auch wieder verschwinden. Nichts ist altmodischer als der Fick von gestern und die Droge von vorgestern. Aber es interessiert keinen.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Junge Schwule und die HABS 1974-80 (Kontiki 20, 1’1980)

Thommen: Schwules Leben in der Stadt, 1977-97

Homo-Kultur 2010 (HabInfo 9)

 

Gästebuch

 

 

 

von gayromeo zu planetromeo

Freitag, Februar 8th, 2013

Ich bin nun bald 10 Jahre auf der „Romeo-Plattform“. Nein, ich bin nicht verärgert, weil ich den „Mann fürs Leben“ noch nicht gefunden habe. Das habe ich dort auch nie gesucht. Übrigens auch nicht auf anderen Plattformen. Aber es hat sich einiges verändert in all den Jahren. Die Plattform ist längst nicht mehr nur für Insider-Gays, Klemmschwestern oder Fetischliebhaber…

Romeo ist mit ihren Userzahlen weder repräsentativ, noch zufällig. Der kleine Ausschnitt aus den Männern der Welt ist immerhin symptomatisch für die Situation der Sexualität unter Männern und auch symptomatisch für die Irrungen und Wirrungen, wie mann zum Sex mit anderen Männern kommen kann. Wahrscheinlich hat es mehr jüngere als ältere Männer. Auf jeden Fall glaube ich, dass mindestens ein Drittel der User Bi- und Heterosexelle sind. Doch sind in den letzten Jahren noch mehr „Variationen“ dazugekommen.

Einige nennen das „Gender“, andere Trans*-en. Doch diese „Kräutervielfalt“ in der Sexualität interessiert mich nicht so sehr. Sie zeigen nur an, wie totalitär der Heterror in unseren Gesellschaften wirkt. Da braucht es Maskeraden und viel Bauernschläue, um seine homosexuellen Bedürfnisse anbringen zu können. Geschweige denn, sie überhaupt nur zu formulieren.

Ich habe viele Tausend Profile und Headlines gelesen. Einiges mehr an Bildern gesehen und bin auf interessante Texte gestossen, die mir archivierungswert erschienen sind. Nach den ersten „Schwulen der Weltgeschichte“, Karl Heinz Ulrich und Heinrich Hössli, sind diese Art von Plattformen oder auch diese Art Foren, die erste freiwillige Dokumentation der Welt über die homosexuellen Bedürfnisse von Männern, welche nicht unter wissenschaftlichen oder psychiatrischen Bedingungen zusammengetragen wurde. Ein riesiges Archiv und für alle Wissenschaften von höchstem Interesse! Doch betreiben Schwule überhaupt Wissenschaft?

Seit Männer und Wirtschaftszweige an das lockere Einkommen von Männern, die mit Männern Sex haben, zu glauben begonnen haben, begann auch auf diesem Gebiet eine zügige „Emanzipation“ anzulaufen. Kürzlich habe ich das Buch von W.F. Haug, über „Warenästhetik, Sexualität und Herrschaft“ gelesen und darin viele Merkmale gefunden, die dieser in der Sozialisation der Frauen gefunden hat, die fast völlig in der neueren Sozialisation von Männern, besonders von Schwulen, wiederum auftauchen. Statt der Klamotten-Shops für Frauen an vielen Ecken einer Stadt, gibt es online-shops für Schwule im Internet, die schnell über jeden Browser auffindbar sind. Für jedes Geschlecht, Gender, oder Trans* findet sich ein Shop für die Befriedigung von primären Geltungsbedürfnissen. Von den ganzen Partnervermittlungs-Seiten ganz zu schweigen.

Doch kehren wir zu den Usern von Romeo zurück! Die ersten Männer auf der Plattform waren „gay“, schwul oder bisexuell. Frauen hatten ausdrücklich keinen Zutritt darauf. Das war auch für viele Hetis und Bi’s eine Beruhigung, denn es hielt ihre Frauen – wenigstens in gewissem Masse – von einem Zutritt ab. Doch seit auch Transgender zugelassen sind, ist praktisch auch die „ganze Welt“ zugelassen. Fragt sich dann nur, wozu denn überhaupt ein „gayromeo“? Die Gegenfrage, die einfach vergessen wird: Wieso gingen denn gay-Männer nicht gleich auf die für Heterosexuelle geschaffenen Plattformen Dates und Ficks suchen? Ich habe das auch früher eine Zeitlang in Chats gemacht und da so meine negativen Erfahrungen, sowohl mit Frauen als auch mit Männern gemacht! Vom „Kinderschutz“ will ich gar nicht anfangen…

Aus „Kinderschutzgründen“ wurde übrigens in Deutschland der Zutritt zu solchen Plattformen auf über 18 Jahre gesetzlich beschränkt! Dies hatte zur Folge, dass die schwulen Plattformen in andere, noch ungeregelte Länder gezogen sind. Nicht auszudenken, wenn der Erwachsenen-Status international noch immer bei 21 oder 22 Jahren wäre, wie das noch vor einigen Jahren so war!

Vor längerer Zeit hatte Romeo eine asiatische Plattform aufgekauft. In der Folge strömten – trotz Geschäftsverbot – Tausende von Masseuren, Escorts und sonstigen „körperlich“ geschäftstüchtigen jungen Männern auf die Server von Romeo. Das war nicht mehr zu übersehen.

Nach der Zugangserlaubnis für Transgenders gab es einen richtigen Ruck an Heterosexuellen, die ihnen nachfolgten. Ich bin nun nicht so dumm, zu glauben, dass das Geschäftsverbot in der „Userzone“ noch ein moralisches Gewicht hat. Gayromeo soll ein Riesengeschäft werden für die Betreiber in Amsterdam und das geht nur, wenn andererseits auch andere Geschäfte dabei mitprofitieren können. Eine Mikroentwicklung des Monopolkapitalismus in etwa, für diejenigen, die damit was anfangen können! 😉

Man kann nun täglich neueste Transen aus Brasilien, Machofuckers von Pornoplattformen, Escorts, Stricher, Masseure aus Europa und dem Mittelmeerraum auf Romeo begrüssen. Dazwischen die paar Schwulen, Bisexuellen, offen deklarierte Heteros und Junghomos.

Geschäftlich werden Pornoseiten mit „Gratisanmeldung“, Erektionsmittel, Schnüffelstoffe und andere „Chems“ vertrieben, die offenbar bei den Männern auf gute Abnahme stossen.

Im Zuge der wirtschaftlichen Probleme und durch die verbreitete Arbeitslosigkeit lassen sich sowohl Schwule, aber auch viele Heteros auf bezahlpflichtige homosexuelle Kontakte mit Klemmschwestern, verheirateten Heteros und Paaren in eingetragenen Partnerschaften ein. Und sicher fällt da auch was für die älteren Homos oder alt gewordenen Heteros ab…

Im Sinne der „Emanzipation“ aller Genders oder Geschlechter könnte man jetzt wohlwollend ausrufen und Beifall klatschen. Ja, das wollten wir doch alle schon immer!? Ich wage da, persönlich mehr als ein, Fragezeichen zu setzen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass hinter den meisten „Frauen“ im Internet nämlich Männer mit handfesten Geschäftsinteressen stecken, die einfach andere Männer ausnehmen. Dies fliesst nun auch in die „homosexuellen“ Plattformen ein, indem der kontinentale Austausch zwar leichter geworden ist, aber das heterosexuelle Geschäft allein nicht mehr genügt. So etwa, wie den Romeos der Verkauf von Pornostreams über ihren „Planeten“ nicht mehr genügte und eingestellt wurde.

Die homosexuellen Bedürfnisse der Männer sind ein riesiger Markt! Aber statt diese Bedürfnisse im lokalen gesellschaftlichen Rahmen zu befriedigen, werden sie outside, in Subkulturen, ins Internet und damit in dubiose Geschäfte gedrängt! Da kann frau dann die Polizei hinsenden, um „Kinderschutz“ und die „heterrorsexuelle“ Ordnung für Familie und Fortpflanzung wieder herzustellen.

Wenn ich mich je getäuscht habe, dann darin, dass es Männer gibt, die an Kommunikation interessiert wären. Das allgemeine Verhalten ist so destruktiv und selektiv und so neurotisch auf eingeschränkte Sichtweisen konzentriert, dass alle die vielen Clubs auf Romeo eigentlich immer nur als indirekte Partnervermittlungen funktionieren. Als es auf Gayroyal noch Chats gegeben hat, musste deren Betrieb eingestellt werden. Die Beleidigungen und gegenseitigen Kränkungen waren zu schlimm geworden, ja schon gerichtswürdig.

Noch etwas zu den Transen: Man sagt immer, man solle sie respektieren und würdigen und sie hätten doch auch ein mühsames Leben und seien diskriminiert, etc. Aber niemand fragt sich, was Transen auf einer schwulen Plattform denn zu suchen haben! Wer einen Mann als Sexualpartner sucht, ist heute längst nicht mehr auf ein Kostümwesen, oder durch Operation verändertes Geschlechtswesen angewiesen! Und bei allem Respekt für Transen und auch für Nutten und ihre Arbeit, wenn mann dies nicht mehr unterscheiden kann, dann geht es nur noch ums Geschäft und nicht um die erheischte Mitleidigkeit. Selten hat einer einen normalen Frauennamen. Exotik hat in der bürgerlichen Gesellschaft halt immer noch einen Aufreisseffekt – fürs Geschäft eben! Ich begegne in Email-Accounts und auf vielen Seiten täglich dem sehr nuttigen Geschäftsgehabe der Heterosexuellen. Muss ich das auf Romeo auch haben?

Vielleicht suchen ja Heteros auf schwulen Plattformen ganz naiv nach Gratissex, weil auch sie nicht mehr so viel Geld zur Verfügung haben. Das werden sie auch von einigen Schwulen bekommen. Aber ein Transenleben ist nun mal mit einer Rente oder einem Job allein nicht zu führen. Die TS sind „bei den Schwulen“ genauso teuer wie im Rotlichtmilieu und das ist auch nicht weit von meiner Türe weg zu finden. Es gibt kein Entfliehen mehr…

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Solidarität mit Christopher…

Dienstag, Juni 21st, 2011

„Wir sind eine schlechte Community wenn es darum geht, uns selbst zu helfen, ganz besonders Jugendlichen. Vielleicht liegt es daran, dass viele von uns keine Kinder haben.“ (George Michael, zitiert nach Mannschaft-Magazin vom Juni 2011, S. 22)

Ich habe keine Ahnung, wie er auf sowas kommen kann. Heterosexuelle Eltern haben auch Kinder und sind untereinander unsolidarisch.

Eine Erfahrung hat sich für mich in den Jahrzehnten des schwulen Buchladens immer mehr konkretisiert: Schwule lesen im Allgemeinen ganz gerne Jugendbücher, worin ein coming out, oder die (schwule) Jugendliebe thematisiert wird.

In der letzten Zeit habe ich eine ganze Reihe von Kinder- und Jugendbüchern über schwule Jungs gelesen. Mit dieser Literatur versuchen sich auch immer wieder Frauen. Dann allerdings begegne ich darin den „Schwulen ohne Unterleib“. Das hat wohl seine anatomischen und erzieherischen Gründe. Und während Leser solcher Bücher sehr schnell in den Verdacht der Pädophilie geraten, bleiben auffälligerweise die AutorINNen davon verschont.

Es sind meistens – nicht immer – „einsame“ Geschichten, voller Enttäuschungen, Hoffnungen und Sehnsüchte. Darin vermisse ich die Solidaritätserfahrung ganz stark – mit anderen Jungs (es geht halt oft um Konkurrenz), oder von Heteros mit schwulen Jungs. In diesen Geschichten fällt das höchstens einer „besten Freundin“ auf.

Solidarität heisst sinngemäss, seine solitäre Situation herzugeben (dare). Auf Kosten des eigenen und besseren Status, sich mit Einem oder mehreren Anderen verbinden…

In der Realität kämpft meistens Jeder gegen Jeden. Oft gilt der Kampf mit dem Anderen symbolisch den eigenen Gefühlen, oder entspricht nach der heterosexuellen Moral dem Hahn, der möglichst viele – oder die Schönsten – in sein Nest zwingen möchte. Nach dieser Methode gibt es keine solidarischen Gruppen, nur solche, die wie „Banden“ sich einem Führer unterwerfen, um für ihn, oder gegen „die Anderen“ zu kämpfen… Das ist heterosexuelle Tradition. Aber müssen wir das übernehmen?

„Homosexuelle Tradition“ habe ich in der Schwulenbewegung auch noch erlebt als „Bettverwandtschaften“. Das heisst, dass ich in einem von mir selbst gewählten Kreis von anderen Schwulen Erfahrungen sammeln konnte, ohne immer gleich mit „der Liebe für das ganze Leben“ zu spielen. Ich habe auch bald einmal gemerkt, dass mir der Herzschmerz viel eher vergeht, wenn ich mich von Anderen und/oder von einem meiner Ex-Sexpartner emotional und auch sexuell trösten lasse. (Eben nicht von der „besten Freundin“!)

Das schlechte Gefühl bei einer Trennung hatte für mich also nichts mit einer falschen Liebe, sondern mit meinem Minderwertigkeitskomlex zu tun. Wenn Lover uns fallen lassen (das kann akzeptable objektive Gründe haben!), dann müssen andere Freunde an deren Stelle treten und uns wie in einem gewebten Netz auffangen. (Auch solche, die bereits „vergeben“ sind könnten das!) Dadurch erlebe ich Solidarität!

Wer seine wichtigsten emotionalen und sexuellen Kontakte immer nur erlebt, als sei er an einer einzigen Nabelschnur aufgehängt, der wird sich dauernd „verletzen“, „enttäuschen“, etc. Daraus ergibt sich der Spruch, der auch einmal der Titel eines Buches zum Thema AIDS war: „Wenn ich nicht lieben kann, dann dürfens Andere auch nicht!“ So hängen sich viele Jungs an irgendeinen dominanten Führer (sozial), oder an „die grosse Liebe mit dem Richtigen“ (emotional), dem sie dann meistens nur „dienen“ (oder sich von ihm wie von einer männlichen Mutter bedienen lassen), bis sie ersetzt werden können!

Es kommt immer wieder vor, dass wir selber nur einen temporären wichtigen Teil im Leben eines Anderen sein können. Das ist zu akzeptieren. (Gilt für alle Drama-Queens hier!)

Viele kleine bedeutende Augenblicke im Leben anderer zu sein, ist auf die Länge lebenserhaltender und psychisch gesünder, als der heilige Vulkanausbruch mit dem grossen Desaster hinterher… oder dann wenigstens alles nebeneinander. Und ich schwöre Euch bei allen schwulen Heiligen, davon profitiere ich bis in mein aktuelles Alter hinein! AMEN.

Ich führe meine Gedanken noch etwas ins „Politische“ aus: Als wir in den 70er Jahren als politisch bewusste Schwule am 1. Mai-Umzug neben den Ausländern und Frauen auftauchten, kam mir das Geschrei „Hoch die Internationale Solidarität mit der Arbeiterklasse“ etwas schräg vor. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese schreienden Männer solidarisch sein könnten, wenn sie sich nicht mal getrauten, einander die Hand zu geben. Die schauten dann wohl lieber nach der Demo ins Décolleté von Frauen…

Ich kann mich erinnern, dass neu auftauchende Türken, damals auch „Händchen hielten“ untereinander. Später dann auch die Tamilen. Das dauerte aber nicht lange, weil sie von den Heterosexuellen hier als „schwul“ denunziert wurden. Und es iss sehr selten, dass junge Männer sich spontan freundschaftlich zu berühren wagen…

Womit historisch und ethnologisch dokumentiert ist, dass es nicht mal des Schwulseins bedarf, um Gefühle füreinander zu haben und sich solidarisch zu fühlen. Ich komme nicht umhin, das Problem damit dem allgemeinen Heterror anzulasten, der die gleichgeschlechtliche Solidarität zu einer „Kumpelhaftigkeit“ und zum „Hahnenkampf“ untereinander um irgendwelche Frauen pervertiert hat. Allerdings wird sich unter der Hetero-Dominanz der Sexualkontakte, gerade wegen der Eifersucht der Frauen, daran bei den Männern vorläufig nichts ändern. Die Frauen hingegen haben sich im Patriarchat noch viel „Wärme“ erhalten können untereinander, trotzdem es bei ihnen „um den Mann“ geht.

Wir Schwulen wären somit ein Teil der gesamten Männerkultur. Stattdessen wird diese vom Bezug auf die Frauen völlig dominiert. Und diese tragen daran eine pädagogische und gesellschaftspolitische Mitverantwortung. Denn wie mir klar geworden ist in der letzten Zeit, geht es nicht nur um die Emanzipation der Homosexualität, oder der Schwulen, sondern auch darum, alle anderen heterosexuellen Männer und Macker „davor zu bewahren“. Der Kampf dagegen gilt nicht nur „der Homosexualität“ sondern auch „für alle anderen Männer“, damit sie „den natürlichen Gebrauch des Weibes“ (Bibel) nicht verlassen…

Solidarität kann nicht auf Befehl verordnet werden. Daher ist es unsinnig, von immer mehr Minderheiten, die sich jetzt von der Heterosexualität abspalten (LGBTAQ…), zu erwarten, plötzlich untereinander „solidarisch“ zu sein.

Dazu kommt die neue Moral, bei der jeder nur für sich selber verantwortlich sei – besonders bei HIV. Jeder soll auf „den Richtigen“ warten, der irgendwo im Leben versteckt sei, oder viele Junghomos wollen nur diesen Richtigen an sich binden und dann in der schönen Wohnung und bis ans Ende in den Sarg – verschwinden. So eine Einstellung erzeugt keine Solidarität.

Früher waren viele Schwule „übers Bett“ miteinander verwandt, weil man – schon verletzt von der Repression – sich nicht auch noch hinterher „fertig machen“ konnte. Diese gemeinsame Nähe meine ich, wenn ich von Solidarität schreibe. Sie ist mit vielen tausend Zweierkisten nicht zu erzwingen.

Wenn Junghomos für ältere Schwule nur Verachtung übrig haben, dann ist das ein grosses Hindernis für Alle. Denn die Diskriminierung der Älteren ist zugleich die Diskriminierung der eigenen Zukunft der Jüngeren. Und dies hängt nicht nur davon ab, dass angeblich „alle Älteren mit Jungs ins Bett wollen – und die Jungs nicht mit ihnen. Denn darüber lässt sich reden.

So mancher Junge, der früher in den 70ern auf die Älteren herabsah, kann heute nicht solidarisch sein, wenn er selber alt geworden ist. Er hat also nichts gelernt. Und so tun es auch heute die Junghomos in gleichem Masse nicht. Und sie werden auch wieder nichts lernen, aus Verachtung gegenüber den Anderen – aber letztlich gegenüber der eigenen Zukunft, die noch unsichtbar ist.

Nicht zuletzt ist es die Aufgabe von Angehörigen von Mehrheiten, mit Angehörigen einer Minderheit solidarisch zu sein, nicht umgekehrt! Und es gibt auch Jungs, die mit Älteren keine Probleme haben, weil sie mit ihnen reden, oder weil sie diese sogar geiler finden als die Gleichaltrigen. Aber da finden auch keine Gespräche und kein Erfahrungsaustausch darüber innerhalb der schwulen Generationen statt!

Dass die Solidarität besonders in den letzten Jahren abhanden kam, ist dem Zeitgeist zuzuschreiben und nicht spezifisch der Homo-Szene. Der Ansatz aber müsste lauten: Da die Homos sich in einem gewissen Ghetto-Freiraum bewegen können, hätten sie das Potenzial, wenigstens etwas in der Homoszene zu ändern, statt nur für sich selber zu schauen. Der Zeitgeist ist der Geist der Anderen und nicht des Ghettos, um das auch mal positiv zu werten!

Vielleicht können sich einige Junghomos die Zweierkiste zwischen 16 und 26 verklemmen und alternative Erfahrungen untereinander im Sex und in den emotionalen Erlebnissen machen. (Statt bis 30 auf den Richtigen zu warten!) Erfahrungen die sie dann auch für eine spätere Zweierkiste gut gebrauchen könnten. Aber es ist einfacher, von der einen Familie zu kommen und sogleich eine neue zu gründen, die wieder die gleichen Gesetze und Abläufe etabliert, wie mann sie schon gehabt hat. Jetzt einfach nur „auf homo“!

So hat Solidarität nichts damit zu tun, ob wir Kinder haben oder nicht. Aber sehr viel damit, wie diese kinderproduzierende Familie und Gesellschaft unser homosexuelles Leben mitbestimmt! Und die angeblich so toleranten schwulen oder lesbischen „Regenbogenfamilien“ werden mit ihren heterosexuellen Kindern eh vollauf selber beschäftigt sein! 😉

Wir sind am 25. Juni zwar auf dem gleichen Schiff, aber leider nicht „alle im gleichen Boot“.

Peter Thommen, Schwulenaktivist_61, Basel

(Überarbeitet am 13.7.11) 

eine „community“ frisst die Schwulen auf

Mittwoch, Februar 23rd, 2011

Ist Euch auch schon aufgefallen, was sich alles für Leute um das Wort „gay community“ herum tummeln? Oder welche Minderheiten in den Begriff hineingesteckt werden? Schwule Interessengruppen haben sich in den letzten Jahren unmerklich von „Homosexuelle“ auf „LGBT“ erweitert. Das provozierte mich kürzlich zur Bemerkung, dass offenbar die Minderheitengruppen bei den Heterosexuellen am Zunehmen sind!  😉

Dann fällt mir auch regelmässig auf, wie tolerant wir Schwulen gegenüber allen, vor allem natürlich gegen die Heteros sein sollten. Nicht die Mehrheit soll gegenüber Minderheiten tolerant sein, sondern die Minderheiten gegenüber der Mehrheit. Über die Konsequenzen solchen Denkens macht sich aber Keiner tiefere Gedanken. Die meisten glauben wohl, es wird schon richtig sein. Immer schwingt leise auch die unausgesprochene Schlussfolgerung mit: Wenn wir Schwulen erst mal tolerant gegenüber Heteros sind, dann wird uns keiner mehr diskriminieren. Dies ist nicht nur Unkenntnis, sondern lässt auch auf Faulheit und sogar den Unwillen schliessen, genauer auf historische und soziale Zusammenhänge zu blicken.

Dies stützt auch meine „untolerante“ Vermutung, dass der grosse Teil der Männer, die sich in die Homosexualität stürzen und gleichzeitig „Diskretion“ predigen – und den Betriff Toleranz nicht verstehen, weil auch nicht anwenden – einen Bildungsgrad erreicht haben, der sie nicht befähigt, sich mit den Tatsachen des Lebens auseinanderzusetzen (besonders nicht mit HIV). Dieser grosse Teil von Männern bleibt auch in ihrer beruflichen Weiterbildung stehen. Nicht nur was Erfahrungen mit Mitmenschen (sozial) und in der Kommunikation (als Dramaqueens) betrifft. Man könnte sagen: Wenn sie den Hintereingang mal gefunden haben, dann reichts ihnen fürs ganze Leben…

Der Anfang der Schwulenbewegung hat sich um eigene wissenschaftliche Recherchen bemüht und darum, die erlebten Erfahrungen untereinander zu sammeln und zu verwerten, um ihrem bisherigen Leben entrinnen zu können. Heute stürzen sich quasi viele Männer in die Homosexualität, um darin irgendein Glück – vor allem den Spass (was immer das auch heissen mag) – zu suchen. In aller Einfalt halt. Sie versuchen auf die Art, wie sie die Heteros sehen, mit ihren homosexuellen Bedürfnissen zu leben. Vor allem die Diskreten sind immer so untolerant gegenüber den „homosexuellen“ oder gar „anti-heterosexuellen“ Formen von Paaren oder Gruppen. Und die Verstrickung in alle diese alten, komödienhaften, bühnenreifen Alltags- und Schicksals-Probleme der Heteros muss ihnen wohl wie eine Art Heimat vorkommen. Das haben einige Printmedien und Internetmedien begriffen: Lifestyle ist gefragt!

Ich bin jetzt 10 Jahre im Internet und habe Tausende von Profilen auf Plattformen gelesen, oft bestückt mit gefakten Pics aus dem Internet und möglichen Angaben über die körperliche Beschaffenheit der „Bewerber“, um eine„seriöse Beziehung“ oder „einen geilen Fick“ zu bekommen. Mir scheint dass sich eine Erkenntnis in den letzten Jahren bewahrheitet hat, die von den meisten übersehen wird: „dass es bei Cybersex nicht um den Geschlechtsverkehr mit einem (wie auch immer gearteten) Anderen geht, sondern um die Vorstellung des Verkehrs mit DEN Anderen. Die Anziehungskraft dieses Eros besteht nicht darin, dass ich es mit allen machen kann, sondern mit allen auf einmal. Wenn heute vom ‚Untergang des Körpers’ im Cyberspace die Rede ist, so wird dabei vergessen, dass der Begriff des ‚Körpers’ selbst eine neue Bedeutung angenommen hat: Er bezieht sich immer weniger auf den einzelnen, ach so fragilen und ach so langweiligen menschlichen Körper und immer mehr auf einen grossen Körper, durch dessen Adern die Lust an sich strömt und der die vielen kleinen Körper zu einer Einheit verschmelzen lässt.“ (Christina von Braun: Versuch über den Schwindel, S. 277/78)

Hieraus wird auch verständlich, dass sich viele in Chats mit „Rollenspielen“ begnügen, oder mit Fantasieschilderungen bedient werden wollen, die alle dann plötzlich abbrechen, wenn einer der Beteiligten seinen Orgasmus erreicht hat, oder er sich in dem Geschilderten/den “Fantasien“ nicht mehr wieder findet.

 

Ich hatte grad kürzlich eine nette Bekanntschaft aus der der Ostschweiz gemacht. Ein stimmungsvolles Bild eines sehnsüchtigen Jungen im Profil und die Suchangabe nach einem „Daddy“. Nach ein paar Messages schlug der junge Mann mir ein Telefondate vor. Obwohl ich völlig ungeeignet für solche Spiele bin, trieb mich die Neugierde in diesen Live-Versuch. In der Stimme erkannte ich eine ganz gewöhnliche junge „Tunte“ (vor allem an dem etwas „spitzen“ Tonfall), die mich um meine Fantasien mit ihm bat. Mich machte schon diese einseitige Dienstleistung stutzig, die da gefordert wurde. Und wirklich: Nach ein paar Sätzen brach er das Spiel ab mit der Bemerkung: „Weisst Du, es macht mich einfach gar nicht geil“. Ich war nicht sonderlich überrascht darüber und sagte einfach: „Ok und tschüss!“ und legte auf. Es handelte sich übrigens um einen Deutschen, der wohl beruflich ins Ausland verzogen ist und jetzt etwas allein mit seinem Schwanz herumhocken musste.  😉

Doch wie manches Girl/Frau ächzt, stöhnt und heult, wenn sie für einen Mann die Beine breit macht, nur um ihm die Freude zu lassen, es „supergut“ gemacht zu haben und ihm die Motivation zu geben, sich hinterher bei anderen Männern brüsten zu können?

Der Einbruch der Heterosexualität in die Gefilde der Schwulen findet permanent und auf sehr vielfältige Weise statt. Gut dokumentiert wird das auf sogenannten „gay Plattformen“. Ihre Selbstbeschreibung hat sich vom Begriff schwul für gay auf den ursprünglichen Begriff gay für fröhlich reduziert. Ich will jetzt mal Abstand nehmen von allen Fetischen, die herumgeistern. Darüber gäbe es Bücher zu schreiben. Aber auch allein schon bei den Männern werden die Geschlechterformen und –Identitäten immer vielfältiger:

Die Travestie ist eigentlich ganz gut und mit Tradition in die schwule Community integriert. Dieses Spiel diente seit jeher der Unterhaltung auch der Heteros und dem Beweis, dass Männer sehr gut die Frauen „ersetzen“ können – ja „die schöneren Frauen“ sein können. Sexuell aufreizend sind Transvestiten höchstens für Heteros. Im Allgemeinen aber sind öffentlich auftretende Transvestiten schwul (mit einigen heterosexuellen Ausnahmen!) und wollen das auch sein und bleiben. Sie sind auch meistens noch „nach der Vorstellung“ in der gay community unterwegs.

Die Bisexuellen – könnte man denken – hätten doch am meisten gemeinsam mit Schwulen! Doch das ist nicht der Fall. Das einzig Gemeinsame besteht im Bedürfnis nach Sex mit einem Mann. Alles andere möchten sie „nicht ändern“ – „Bin ungeoutet und das soll auch so bleiben. Akzeptiert dies oder lasst mich in Ruhe.“  39 (verh.) – „bin bi ungeoutet will es auch bleiben, bin hier um nette ehrliche Menschen kennenzulernen.“ …

Nicht alle sind so, aber es ist die ganz grosse Mehrheit, die es weder mit ihren Freundinnen, noch mit ihren Frauen oder Familien verderben wollen. Bi-Mann will zwar vom Honig schlecken, aber sich den Mund nicht klebrig machen! Wenn sich Gruppen bilden, dann vornehmlich unter dem Dach der Schwulen. An öffentliche Demos ist gar nicht zu denken! Sie teilen letztlich nur Augenblicke der Lust mit Schwulen…

Bei den Transsexuellen laufen die Interessen zu den Schwulen schon wesentlich mehr auseinander! Ich kann auf einige wenige persönliche Bekanntschaften mit Transsexuellen zurückblicken. Es mag eine Handvoll sein. Sie frequentierten zwar die gay community und wurden auch toleriert, aber sie verschwanden dann meistens mit einem heterosexuellen Ehemann. Doch wie das weiterging oder endete, erfuhren wir höchstens aus dem Szenentratsch, oder gar nicht. In der virtuellen gay community sind sie aber zu einem festen Teil geworden. Aber nur als Gruppe, nicht als „länger anwesende“ Profile, wie die Schwulen.

Immer mehr fallen die „internationalen Transen“ auf, die sich für bestimmte Zeiten in bestimmten Städten „anmelden“, wohl um dort „solvente Kundschaft“ anzulocken und nicht wirklich schwule Partner für ein Date, oder auf der angeblichen Suche nach „dem Richtigen“.

Auch diese „solvente Kundschaft“ bevölkert immer mehr die virtuelle gay community. Als Heteros, als Profile ohne Angabe der sexuellen Ausrichtung, oder als Bisexuelle. Offenbar hat das auf heterosexuellen Plattformen keinen Platz?! Da sind wir Gays doch viiil toleranter!

Es ist übrigens interessant, dass viele Heteros und Bisexuelle gerade über diese „Transen-Schiene“ in die Homosexualität eintreten. Was die Junghomos „stramm hetero-like“ abweisen: Weiblichkeit, Weichheit, Passivität bei Männern. Das greifen diese Abweichler von der Mehrheit auf, um einen Hybrid-Einstieg zu wagen. Dazu ein kleines Detail. Shemales werden oft und stramm-hetero-like als „Schwanzmädchen bezeichnet“. Bei Lichte besehen sind es aber „Tittenbuben“! (Ihr wisst schon was ich meine!)  😉

So kann man heute immer mal wieder über Headlines stolpern wie: „Sorry Gays, aber ich suche keine Männer!“ – „Ich möchte nur von DWTs, Transen und TVs Messages erhalten!“

Die neueste Gruppe der heterosexuellen Minderheiten sind die Transmen, oder auch mal Transfrauen. Sie treten bescheidener auf als die Transen. Die Angabe körperlicher Details wird eher vernachlässigt. Auch sie suchen sich Partner bei den Schwulen. Warum vergessen diese Leute aber immer ihre Lebenserfahrung aus dem „vergangenen“ Geschlecht, die ja nicht einfach wie auf einer Festplatte gelöscht werden kann? Also die Biografie einer Frau, die sich in einen Mann hat verwandeln lassen und mit einem Mann weiterleben will…

Was „vereint“ denn die gleichgeschlechtlichen Lebensweisen? Die gemeinsame Sozialisation und Lebenserfahrung als Männer oder als Frauen.

Was „vereint“ die homosexuell orientierten Menschen? Die gemeinsam erlebte grössere oder geringere soziale Diskriminierung noch obendrauf. Oder das emanzipierte Bewusstsein „anders – aber gleichwertig“ zu sein. Heteros eint: Gleich wie die Anderen, aber je anderswertig zu sein. Was sich nach wie vor an der Situation der Frauen – und auch der Schwulen – sehr gut ablesen lässt.

Wir können doch die geschlechtsspezifischen Erfahrungen und Lebenslinien nicht über den Haufen werden und öfter mal „neu anfangen“ im Leben! Nur Heteros, die mehrmals heiraten, glauben auch an sowas. Eben.

So finden wir Schwulen uns aus der historischen Bewegung über irgendeine gesellschaftliche Toleranz hinweg in einer Community wieder, die Schwule längst zu einer Minderheit unter den Minderheiten rücktransformiert hat. Die Gesellschaft hat uns mit dem Partnerschaftsgesetz Honig ans Maul gestrichen, aber gleichzeitig weitere Minderheiten absorbiert (sh. oben!).

Wenn man/frau/gender mir jetzt Intoleranz vorwirft, dann muss ich zurück fragen, warum denn alle diese vielfältigen Gender und Geschlechter doch meistens darauf aus sind, letztlich eine „hetero Zweierbeziehung“ zu finden, während ich als einfältiger Schwuler darauf aus bin, mich gerade nicht in eine solche einschliessen zu lassen!?

Dient vielleicht diese ganze Vielfalt von Geschlechtswesen nur dazu, letztlich die eheliche Zweierbeziehung unangetastet zu lassen und damit auch die gesamte Herr/Frauschaftsstruktur dieser Gesellschaft zu bewahren? Für Sonderformen gibt es eben Sondergesetze.

Das entspräche auch der Logik der „Toleranz von unten“, die eben die Machtverhältnisse nicht ändert und schliesslich resigniert – spätestens an dem Punkt, wo die Körperformen, die virtuellen Formen und die Gesetzesformen einmal erschöpft sein werden…  Guten Abend!

Peter Thommen (61) und „stramm-homo-liker Schwuler“  😉

Aktuelles Beispiel: „Eine Frau mit Herz (24, und XXL-Schwanz!) sucht Mann mit Herz für eine treue ehrliche Beziehung.“

siehe auch meinen Text über „Ehrlichkeit und Treue“!

und über mein Verhältnis zu „den Heteros“!  😉

die gayszene

Dienstag, Februar 8th, 2011

Vom Überlebensraum zum diskriminierten Ghetto

Heute blicken viele Junghomos auf die sogenannte „gay Szene“ hinab – während sie selber sich in der „sauberen“ virtuellen Gayszene – tummeln. Für unsere Vorfahren war aber eine – wie auch immer geartete – Szene „überlebenswichtig“. Schon immer hatten mich die Türen mit Guckloch in der deutschen Gayszene an die Geschichte der Schwulen erinnert. Ein Relikt aus gefährlichen Zeiten…

Doch auch bei uns war die „schwule Welt“ lange Jahrzehnte hinter Türen verborgen. Sowohl zum Schutz der Gesellschaft (!) als auch als Schutz vor der heterosexuellen Gesellschaft gedacht. Ich erinnere an die wechselnden Lokalitäten für die Anlässe des Kreis in den 50er und 60er Jahren in Zürich: „1961 – Trotz Fürsprache von Behörden und Persönlichkeiten verliert „Der Kreis“ sein Clublokal. Eine verleumderische Presse-Kampagne, vor allem in der Zürcher „Tat“ (ex Migros-Zeitung!), diskriminierte unsere Minderheit.“ (Club68, Nr. 1/1968)

Der KREIS-Club verliert sein Lokal in der «Eintracht / Theater am Neumarkt»: Ein Tanzverbot auf dem Gebiet der Stadt Zürich – gilt ausschliesslich für Homosexuelle.

Die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel forderten von Anfang an von den Stadtbehörden ein Lokal für Veranstaltungen. 1975 war es soweit. „Die staatliche Liegenschaftsverwaltung vermietete ihr ein Lokal (Ein altes Plattengeschäft hatte geschlossen, PT) im Volkshaus-Komplex. Sie stellte aber Bedingungen: „Von aussen dürfe nicht erkennbar sein, dass darin Schwule verkehren würden und im Hof sei es Männern nicht gestattet, sich zu küssen.“ (Männergeschichten, 1988, S. 111)

Heutzutage gibt es nur noch ganz wenige fixe Disco-Lokale, die täglich geöffnet haben. Die meisten Events finden „resident“ in hetero Clubs statt. Statt beständige Gaylokale gibt es immer wieder neue und wieder verschwindende Labels, die sich gegenseitig konkurrenzieren. Oft finden die gayevents an jenen Abenden statt, an denen bei den Heteros nicht viel läuft. Um die Schliessung von gay Lokalen zu verhindern, wurden vor einigen Jahren sogar Darkrooms eingerichtet, in denen jeder unkompliziert und anonym Sex machen konnte. Die aufwändigen Glitter- und Glamourshows mit Kostümen, Diven und Tunten sind verschwunden. An ihre Stelle sind Markenklamotten getreten. Statt Cocktails und Cola gibt’s Tabletten, um „drauf“ zu kommen, und nochmals Tabletten, um wieder davon herunter zu kommen. Ganz zu schweigen von den „Pflicht-Medis“ für HIV+ oder solche mit AIDS…

Auch die Event-Zeiten haben sich verändert. Die Liberalisierung der Öffnungszeiten hat das schwule Leben von der Abend- in die Morgenzeit verschoben. Egal ob man zur Arbeit gehen muss, oder ausschlafen kann. Das Personal muss natürlich auch „länger aufbleiben“!

Im grossen und ganzen könnte man sagen, die Weltstädte haben in den Dörfern die Schwulen eingeholt. Und egal wo auf der Welt gerade ein Gay anreist oder abreist, es ist immer dasselbe – die Infrastruktur, die Einrichtungen, die Öffnungszeiten, die Mode, die Musik, das Verhalten – Life sucks!

Das Internet hat wohl nun „alle Männer mit homosexuellen Bedürfnissen“ untereinander vernetzt? Sind die jahrhundertealten Klappen/Toiletten nun ins Internet umgezogen?? (haha!)

Nein umgekehrt: Die Männer sind von den Klappen in die schwulen Dating-Portale umgezogen. Es ist für die meisten wohl einfacher, sich da einzuloggen, als über die Schwelle eines Lokals zu treten. Und sei es auch nur eine „seriöse“ gay Sauna, in der sie keine Faker vorfinden, sondern realen Sexualkontakt haben könnten. Auch daran sehen wir die Grenzen der heterosexuellen Toleranz! Sie zeigt sich eben nicht an einer ausbleibenden Diskriminerung, sondern an der Ignoranz, die sie an Männer weiter gibt, die ihre homosexuellen Bedürfnisse weiterhin anonymisieren und verstecken. Solange dieser soziale Mechanismus nicht durchbrochen wird – von den Heteros, nicht den Männern – wird sich an der realsexuellen Situation der „Homos“ nichts ändern! Viele User auf den schwulen Internetseiten sind gar nicht schwul, oder gar gay = fröhlich. Sie benutzen diese Infrastruktur nur, um sich vom sexuellen Druck zu entlasten, während zuhause das Abendessen mit der Familie, oder der liebevoll kochende Freund wartet. Auf blauen Seiten stinkt’s eben nicht nach Urin…

Es gibt auch eine Gruppe von älter werdenden Schwulen und Männern, die fest damit gerechnet hatten, ihr Leben lang ihre homosexuellen Bedürfnisse auf Klappen entsorgen zu können – auch ohne Freund oder Familie. Die sind jetzt echt frustriert!

Aber letztlich geht es nur darum, Verantwortung für seine Sexualität und ihre Bedürfnisse zu übernehmen, oder dieser auszuweichen. Dazu muss einer nicht mal eine Klemmschwester sein. Je mehr ein Ort oder eine Applikation „sich rosa färbt“, desto distanzierter geben sie sich dazu. Dabei haben Heteros schon lange ihre Orte, die sich mit roten Lampen schmücken, ohne dass sie deswegen um ihren „heterosexuellen Ruf“ fürchten müssten.

„Anders als viele Lesben und Schwule haben Heterosexuelle eine „öffentliche Szene“, in der sie ihre Partner und Partnerinnen finden – das Leben. In der Schule, im Büro, in der Firma, während einer Reise, auf einer Party, beim Sport, in der Strassenbahn, auf dem Wochenmarkt … und in dieser Normalität finden sich die meisten Paare.“ (Braun/Martin, S. 22)

An diesen Orten finden aber auch sehr viele sexuelle Grenzüberschreitungen statt, weil nicht immer allen (möglichen) Beteiligten klar ist, was der/die Andere wirklich will. Daher ist das Verhalten in der hetero Szene auch nicht immer „normal“, weil ja aus der harmlosen Situation heraus, „der Faden für das sexuelle Interesse“ abrupt „eindeutig“ aufgenommen werden muss. Da können weltengrosse Spalten klaffen – nach einem solchen „(hetero)sexuellen coming out“. Darüber lesen wir auch fast jeden Tag in den Zeitungen.

Es wundert mich immer wieder, wie Junghomos sich ausdrücklich verbitten, auf homoSEXUELLEN Datingportalen „angemacht“ zu werden. Dabei werden sie nur mit den „Tatsachen des Lebens“ konfrontiert, die halt eine naive Perspektive gehörig stören können. Ganz zu schweigen von den „Arschgesichtern“ die da als Profilbilder herum geboten werden. Es ist witzig, wie das neue MANNSCHAFT-Magazin aus Bern als Printmedium ebenfalls versucht, ein Bild von Schwulen abzugeben, das quasi „frei ist von sexuellen Elementen“. Es erinnert mich an die alten Schwestern aus den 40er Jahren, die genauso verharmlosend auftraten, sich von jedem Stricher (hs Prostitution war damals verboten) lauthals distanzierten und noch heute im Projekt „Schwulengeschichte“ in der Broschüre behaupten: „Es geht um Liebe“. Wahrscheinlich hören sie noch immer im Unterbewussten ihre Mütter sagen: „Ich will meinen kleinen unschuldigen Jungen wieder haben…“

Spätestens seit AIDS sollte dies gegenüber den Heteros überflüssig geworden sein. Denn alle, die immer behauptet hatten, sie würden sich niemals in den Arsch ficken lassen, oder es selber tun, wurden Lügen gestraft. Diese aktuelle „öffentliche Rückkehr zur Unschuld“ ist schon erstaunlich! Dabei geht es im Internet, an anonymen Orten, auf Parties und in den Wohnungen und Schlafzimmern zusammenlebender Männer (was auch eine Szene ist) vorwiegend ganz anders zu. Eigentlich genauso wie bei den Heteros!

Wir haben es versäumt, oder keine Zeit gehabt wegen AIDS, eine homosexuelle Sexualkultur zu entwickeln. Stattdessen haben wir die „Schwulenehe“ eingeführt und hangeln uns den gleichen Problemen entlang wie Heteros. Doch während bei denen klar ist, wer Nonne und wer das Schwein spielen soll, können sich unsere „Schwestern“ mal wieder nicht einig werden – nur „vereinigen“ – Ihr wisst was ich meine! 😛

Peter Thommen, Schwulenaktivist (61), Basel

Hier eine ältere Diskussion: „Vor dem Ende des Homo-Milieus?“ (2009) mit Kommentaren

hetero bashing? Bin ich gegen „hetero“?

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