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Das linke coming out der HABS am 1. Mai 1979*

Dienstag, April 30th, 2013

Das sogenannte „Homoregister“ der Strafverfolgungsbehörden hatte „Homos“ und organisierte Schwule schon längere Zeit beschäftigt. Ende der 70er Jahre gaben die Staatsorgane auch zu, dass ein solches bestehe. Es wurde laufend „nachgeführt“ durch Kontrollen in den „Schwulenparks“ (Schützenmatte und Wettsteinbrücke). Dabei wurden wir „gleichbehandelt“ wie heterosexuelle Verbrecher. An die Wand gestellt, mit Hunden gejagt und umzingelt… (Siehe dazu meinen Überblick im HABS-info, 11’79, PDF)

Anlässlich der Gay80 gab es eine unvorhergesehene Begegnung mit Polizeidirektor Karl Schnyder (SP, dann DSP) beim Stand an der Schifflände, in der er sich sehr liberal gab (sh. Video Minute 3.15!), aber zur Praxis äusserte er sich nicht so ausdrücklich! 😉

In jener Zeit stand auch das „Kriminalpolizeiliche Informations-System“ der Bundesanwaltschaft zu Diskussion. Die HA-Gruppen waren von „linken Leuten“ dominiert und schlossen sich den öffentlichen Protesten dagegen politisch an. (Inzwischen gibt es eine „eingetragene Partnerschaft“ – aber auch in diese wollen nicht alle eingetragen werden!)

Jedenfalls politisierte die Aussicht auf ein solches Registrier-System viele Schwule. Aber man besuchte nicht Christoph Blochers „Albisgüetli“, sondern gesellte sich am 1. Mai zu den Gewerkschaften und ArbeiterInnen…

Wie konnten wir damals Homosexualität politisieren? Die Schwulenbewegung orientierte sich an der Geschichte unserer deutschen Brüder und Schwestern, welche vom Nationalsozialis-mus verfolgt worden sind. Das rosarote Flugblatt für den Maiumzug trug den Titel: „Schwule am 1. Mai?“

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li-aussen: Walter Hofer, Mitte: Fabio Eiselin, re-aussen: Miguel

 

„Es ist kein Zufall, dass sich die Schwulen der Arbeiterbewegung anschliessen. Wer könnte sich eine Homosexuellen-Delegation an einer Arbeitgeber-Konferenz vorstellen, obwohl es sicher viele schwule Unternehmer gibt? Nur die Arbeiterbewegung ist fähig und willens, die heutige Gesellschaft in Richtung Demokratie und Freiheit zu verändern. Nur die unten sind, ohne Zweitvilla und Aktienpaket, sind bereit, für die Veränderung einzustehen. Die Homosexuellen haben sich in die richtige Reihe eingefügt.“ (Martin Herter (1954-2001) in der Basler AZ vom 15. Mai 1979, in der Titelseitenkolumne)

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Vom Münsterplatz zum Marktplatz Maidemo

Wer hat bis heute irgendwo einen Mai-Redner von Schwulen und Lesben erzählen gehört? Ich in all den Jahren noch nicht! Wir sind zwar in der Minderheit, aber wir verbalisieren die Probleme, die die Mehrheit hat, sexuell und ökonomisch! Aber die „Sexualökonomie“ von Hetero/as beschränkt sich auf Kinderbetreuungs-Einrichtungen, auf Familien- und Kinderzulagen, günstige Familienwohnungen, Familiennachzug, sowie „Erziehungsgutschriften“. Der Sex ist da völlig verschwunden. Es gibt nur Saubermänner- und –Frauen!

Mitten in den roten Fahnen stand der rosa Winkel. Wir hatten uns erst auf dem Münsterplatz versammelt, ganz zur Seite und reihten uns dann in den Demo-Zug ein. Während die Reden gehalten wurden, verteilten einige ganz beherzt das rosa Flugblatt. Nicht jedeR griff zu…

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Auf dem Marktplatz in Basel, unten das rosa Flugblatt

 

Angeline Fankhauser (NRin 1983-199) hat mir letzten Herbst am Telefon bestätigt, dass in Bern nicht über die Homosexualität diskutiert worden ist! (!) Es wurde einfach das Schutzalter angepasst. Zum einen mag das eine Normalität beweisen, die es im früheren Strafrecht niemals gegeben hat (1942-1992), andererseits hinkt das Rechtswesen der bisherigen „Gender-Diskussion“ völlig hinterher, was die Homosexualität von Jungs und Männern betrifft – oder auch die Männerprostitution.

Der Sexismus des alten Strafrechts (was kann zwischen Frauen denn schon passieren?) wird fröhlich bis heute fortgeführt. Es gibt nur TätER und keine TäterINNEN. Zwangsheiraten für Männer (auch von Müttern betrieben) sind kein Thema und die homosexuelle Orientierung, oder das homosexuelle Spiel unter Knaben geht in der Diskussion um Sexualerziehung und „Sexualisierung“ von Kindern völlig unter!

Was ist „Öffentlichkeit“? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Wenn zum Beispiel „eingetragene PartnerInnenSchaften“ verlangen, dass amtliche Formulare den dritten Zivilstand verschweigen und sie sich lieber „bei verheiratet“ eintragen wollen…

Was ist „Öffentlichkeit“? Wenn Schwule und Lesben Parties veranstalten und dazu anschreiben „heterofriendly“? Oder wenn Flyers nicht mehr „oberkörperfrei locken“, sondern in Hemd und Kravatte einladen – um Frauen und Heteros „nicht auszugrenzen“? Wenn Schwule sich an CSDs auf den Wagen in den Strassen mit allen Fetischen präsentieren? Oder wenn in Berlin gar öffentlich auf Wagen arschgefickt wird?

Heisst Zusammenarbeit zwischen Lesben und Schwulen, wenn der CSD einfach „Christina Street Day“ genannt wird? Wo setzen uns Lesben Grenzen? Zum Beispiel durften im Schwulen- und Lesbenzentrum Basel (80er) an Lesben-only-parties die Kondomplakate zur HI-Verhütung nicht hängenbleiben. Eine offensichtlich lesbische Polizistin fragte mich einmal direkt, warum wir Männer denn in den Park und auf Toiletten gingen, sie würde mit ihrer Freundin in den Isola-Club gehen…

Es wird immer fragwürdiger (d.h. die Frage erhält zunehmend Würde!), ob die Erscheinung im öffentlichen Raum gesellschaftlicher Liberalität, politischer Glaubwürdigkeit, oder einfach nur der mit Kommerz erkauften Toleranz der Heteros dienen soll!

Doch hinter der Adoptionsverweigerung stehen Vorurteile, die einfach nicht bearbeitet werden wollen! Der „Pädophilie“-Vorwurf dahinter muss hervorgezerrt und in der Öffentlichkeit diskutiert werden – natürlich bei Vätern, nicht bei Müttern! Und wenn ich schon gerade beim Thema „Übergriffe“ bin: Es gibt zahlreiche Mütter und Frauen, die zwar (ihre) Kinder vor „Sexualisierung“ schützen möchten, aber durchaus mit der Sexualität oder Orientierung ihrer Sprösslinge ihre Riesenprobleme haben – und dazu besonders mit der homosexuellen.

Claudia Müller hat in ihrer Arbeit (1) gezeigt, welche Erwartungen sie an die Nachkommenschaft stellen. Und Alexander M. Homes (2) hat in seinem Buch über pädosexuelle Frauen und Mütter auf eine Dunkelzone hingewiesen, die noch immer vom Muttermythos überstrahlt und von der Angst vor Vätern und der hysterisierten Diskussion um TätER and die Wand gedrückt wird.

Ich kann nur immer wieder auf die Untiefen dieser Politiken und Sexismen hinweisen! Wenn die Diskriminierung in der Öffentlichkeit zuschlägt, ist die organisierte Schwulenschaft nicht vorbereitet darauf! Ich finde es ganz gut, dass die Parole „Arbeit für alle statt Ehe für alle!“ in Paris erschollen ist! Aber die Schwulen sind so darauf ausgerichtet, dass sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen und danach handeln (wollen).

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

*Gemäss  „40 Jahre habs ist die Schwulengruppe am 1. Mai 1975 erstmals aufgetreten (S.  9, als erste HA-Gruppe überhaupt!) Das Flugblatt hatte den Titel: „Was haben Rothaarige und Schwule gemeinsam?“

P.S. Ein CSD in den USA kann heutzutage durchaus von Grossindustrien dominiert werden!

Erste Mai-Rede von Florian Vock (23), Jungsozialisten und schwul, in Lenzburg

1)  Claudia Müller (Pädagogin): Mein Sohn liebt Männer, 2008, eine qualitative Studie über 5 Mütter)

2) Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 2005, 458 S. (Nicht zu verwechseln mit der US-Schriftstellerin A.M. Homes!)

von gayromeo zu planetromeo

Freitag, Februar 8th, 2013

Ich bin nun bald 10 Jahre auf der „Romeo-Plattform“. Nein, ich bin nicht verärgert, weil ich den „Mann fürs Leben“ noch nicht gefunden habe. Das habe ich dort auch nie gesucht. Übrigens auch nicht auf anderen Plattformen. Aber es hat sich einiges verändert in all den Jahren. Die Plattform ist längst nicht mehr nur für Insider-Gays, Klemmschwestern oder Fetischliebhaber…

Romeo ist mit ihren Userzahlen weder repräsentativ, noch zufällig. Der kleine Ausschnitt aus den Männern der Welt ist immerhin symptomatisch für die Situation der Sexualität unter Männern und auch symptomatisch für die Irrungen und Wirrungen, wie mann zum Sex mit anderen Männern kommen kann. Wahrscheinlich hat es mehr jüngere als ältere Männer. Auf jeden Fall glaube ich, dass mindestens ein Drittel der User Bi- und Heterosexelle sind. Doch sind in den letzten Jahren noch mehr „Variationen“ dazugekommen.

Einige nennen das „Gender“, andere Trans*-en. Doch diese „Kräutervielfalt“ in der Sexualität interessiert mich nicht so sehr. Sie zeigen nur an, wie totalitär der Heterror in unseren Gesellschaften wirkt. Da braucht es Maskeraden und viel Bauernschläue, um seine homosexuellen Bedürfnisse anbringen zu können. Geschweige denn, sie überhaupt nur zu formulieren.

Ich habe viele Tausend Profile und Headlines gelesen. Einiges mehr an Bildern gesehen und bin auf interessante Texte gestossen, die mir archivierungswert erschienen sind. Nach den ersten „Schwulen der Weltgeschichte“, Karl Heinz Ulrich und Heinrich Hössli, sind diese Art von Plattformen oder auch diese Art Foren, die erste freiwillige Dokumentation der Welt über die homosexuellen Bedürfnisse von Männern, welche nicht unter wissenschaftlichen oder psychiatrischen Bedingungen zusammengetragen wurde. Ein riesiges Archiv und für alle Wissenschaften von höchstem Interesse! Doch betreiben Schwule überhaupt Wissenschaft?

Seit Männer und Wirtschaftszweige an das lockere Einkommen von Männern, die mit Männern Sex haben, zu glauben begonnen haben, begann auch auf diesem Gebiet eine zügige „Emanzipation“ anzulaufen. Kürzlich habe ich das Buch von W.F. Haug, über „Warenästhetik, Sexualität und Herrschaft“ gelesen und darin viele Merkmale gefunden, die dieser in der Sozialisation der Frauen gefunden hat, die fast völlig in der neueren Sozialisation von Männern, besonders von Schwulen, wiederum auftauchen. Statt der Klamotten-Shops für Frauen an vielen Ecken einer Stadt, gibt es online-shops für Schwule im Internet, die schnell über jeden Browser auffindbar sind. Für jedes Geschlecht, Gender, oder Trans* findet sich ein Shop für die Befriedigung von primären Geltungsbedürfnissen. Von den ganzen Partnervermittlungs-Seiten ganz zu schweigen.

Doch kehren wir zu den Usern von Romeo zurück! Die ersten Männer auf der Plattform waren „gay“, schwul oder bisexuell. Frauen hatten ausdrücklich keinen Zutritt darauf. Das war auch für viele Hetis und Bi’s eine Beruhigung, denn es hielt ihre Frauen – wenigstens in gewissem Masse – von einem Zutritt ab. Doch seit auch Transgender zugelassen sind, ist praktisch auch die „ganze Welt“ zugelassen. Fragt sich dann nur, wozu denn überhaupt ein „gayromeo“? Die Gegenfrage, die einfach vergessen wird: Wieso gingen denn gay-Männer nicht gleich auf die für Heterosexuelle geschaffenen Plattformen Dates und Ficks suchen? Ich habe das auch früher eine Zeitlang in Chats gemacht und da so meine negativen Erfahrungen, sowohl mit Frauen als auch mit Männern gemacht! Vom „Kinderschutz“ will ich gar nicht anfangen…

Aus „Kinderschutzgründen“ wurde übrigens in Deutschland der Zutritt zu solchen Plattformen auf über 18 Jahre gesetzlich beschränkt! Dies hatte zur Folge, dass die schwulen Plattformen in andere, noch ungeregelte Länder gezogen sind. Nicht auszudenken, wenn der Erwachsenen-Status international noch immer bei 21 oder 22 Jahren wäre, wie das noch vor einigen Jahren so war!

Vor längerer Zeit hatte Romeo eine asiatische Plattform aufgekauft. In der Folge strömten – trotz Geschäftsverbot – Tausende von Masseuren, Escorts und sonstigen „körperlich“ geschäftstüchtigen jungen Männern auf die Server von Romeo. Das war nicht mehr zu übersehen.

Nach der Zugangserlaubnis für Transgenders gab es einen richtigen Ruck an Heterosexuellen, die ihnen nachfolgten. Ich bin nun nicht so dumm, zu glauben, dass das Geschäftsverbot in der „Userzone“ noch ein moralisches Gewicht hat. Gayromeo soll ein Riesengeschäft werden für die Betreiber in Amsterdam und das geht nur, wenn andererseits auch andere Geschäfte dabei mitprofitieren können. Eine Mikroentwicklung des Monopolkapitalismus in etwa, für diejenigen, die damit was anfangen können! 😉

Man kann nun täglich neueste Transen aus Brasilien, Machofuckers von Pornoplattformen, Escorts, Stricher, Masseure aus Europa und dem Mittelmeerraum auf Romeo begrüssen. Dazwischen die paar Schwulen, Bisexuellen, offen deklarierte Heteros und Junghomos.

Geschäftlich werden Pornoseiten mit „Gratisanmeldung“, Erektionsmittel, Schnüffelstoffe und andere „Chems“ vertrieben, die offenbar bei den Männern auf gute Abnahme stossen.

Im Zuge der wirtschaftlichen Probleme und durch die verbreitete Arbeitslosigkeit lassen sich sowohl Schwule, aber auch viele Heteros auf bezahlpflichtige homosexuelle Kontakte mit Klemmschwestern, verheirateten Heteros und Paaren in eingetragenen Partnerschaften ein. Und sicher fällt da auch was für die älteren Homos oder alt gewordenen Heteros ab…

Im Sinne der „Emanzipation“ aller Genders oder Geschlechter könnte man jetzt wohlwollend ausrufen und Beifall klatschen. Ja, das wollten wir doch alle schon immer!? Ich wage da, persönlich mehr als ein, Fragezeichen zu setzen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass hinter den meisten „Frauen“ im Internet nämlich Männer mit handfesten Geschäftsinteressen stecken, die einfach andere Männer ausnehmen. Dies fliesst nun auch in die „homosexuellen“ Plattformen ein, indem der kontinentale Austausch zwar leichter geworden ist, aber das heterosexuelle Geschäft allein nicht mehr genügt. So etwa, wie den Romeos der Verkauf von Pornostreams über ihren „Planeten“ nicht mehr genügte und eingestellt wurde.

Die homosexuellen Bedürfnisse der Männer sind ein riesiger Markt! Aber statt diese Bedürfnisse im lokalen gesellschaftlichen Rahmen zu befriedigen, werden sie outside, in Subkulturen, ins Internet und damit in dubiose Geschäfte gedrängt! Da kann frau dann die Polizei hinsenden, um „Kinderschutz“ und die „heterrorsexuelle“ Ordnung für Familie und Fortpflanzung wieder herzustellen.

Wenn ich mich je getäuscht habe, dann darin, dass es Männer gibt, die an Kommunikation interessiert wären. Das allgemeine Verhalten ist so destruktiv und selektiv und so neurotisch auf eingeschränkte Sichtweisen konzentriert, dass alle die vielen Clubs auf Romeo eigentlich immer nur als indirekte Partnervermittlungen funktionieren. Als es auf Gayroyal noch Chats gegeben hat, musste deren Betrieb eingestellt werden. Die Beleidigungen und gegenseitigen Kränkungen waren zu schlimm geworden, ja schon gerichtswürdig.

Noch etwas zu den Transen: Man sagt immer, man solle sie respektieren und würdigen und sie hätten doch auch ein mühsames Leben und seien diskriminiert, etc. Aber niemand fragt sich, was Transen auf einer schwulen Plattform denn zu suchen haben! Wer einen Mann als Sexualpartner sucht, ist heute längst nicht mehr auf ein Kostümwesen, oder durch Operation verändertes Geschlechtswesen angewiesen! Und bei allem Respekt für Transen und auch für Nutten und ihre Arbeit, wenn mann dies nicht mehr unterscheiden kann, dann geht es nur noch ums Geschäft und nicht um die erheischte Mitleidigkeit. Selten hat einer einen normalen Frauennamen. Exotik hat in der bürgerlichen Gesellschaft halt immer noch einen Aufreisseffekt – fürs Geschäft eben! Ich begegne in Email-Accounts und auf vielen Seiten täglich dem sehr nuttigen Geschäftsgehabe der Heterosexuellen. Muss ich das auf Romeo auch haben?

Vielleicht suchen ja Heteros auf schwulen Plattformen ganz naiv nach Gratissex, weil auch sie nicht mehr so viel Geld zur Verfügung haben. Das werden sie auch von einigen Schwulen bekommen. Aber ein Transenleben ist nun mal mit einer Rente oder einem Job allein nicht zu führen. Die TS sind „bei den Schwulen“ genauso teuer wie im Rotlichtmilieu und das ist auch nicht weit von meiner Türe weg zu finden. Es gibt kein Entfliehen mehr…

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

eine „community“ frisst die Schwulen auf

Mittwoch, Februar 23rd, 2011

Ist Euch auch schon aufgefallen, was sich alles für Leute um das Wort „gay community“ herum tummeln? Oder welche Minderheiten in den Begriff hineingesteckt werden? Schwule Interessengruppen haben sich in den letzten Jahren unmerklich von „Homosexuelle“ auf „LGBT“ erweitert. Das provozierte mich kürzlich zur Bemerkung, dass offenbar die Minderheitengruppen bei den Heterosexuellen am Zunehmen sind!  😉

Dann fällt mir auch regelmässig auf, wie tolerant wir Schwulen gegenüber allen, vor allem natürlich gegen die Heteros sein sollten. Nicht die Mehrheit soll gegenüber Minderheiten tolerant sein, sondern die Minderheiten gegenüber der Mehrheit. Über die Konsequenzen solchen Denkens macht sich aber Keiner tiefere Gedanken. Die meisten glauben wohl, es wird schon richtig sein. Immer schwingt leise auch die unausgesprochene Schlussfolgerung mit: Wenn wir Schwulen erst mal tolerant gegenüber Heteros sind, dann wird uns keiner mehr diskriminieren. Dies ist nicht nur Unkenntnis, sondern lässt auch auf Faulheit und sogar den Unwillen schliessen, genauer auf historische und soziale Zusammenhänge zu blicken.

Dies stützt auch meine „untolerante“ Vermutung, dass der grosse Teil der Männer, die sich in die Homosexualität stürzen und gleichzeitig „Diskretion“ predigen – und den Betriff Toleranz nicht verstehen, weil auch nicht anwenden – einen Bildungsgrad erreicht haben, der sie nicht befähigt, sich mit den Tatsachen des Lebens auseinanderzusetzen (besonders nicht mit HIV). Dieser grosse Teil von Männern bleibt auch in ihrer beruflichen Weiterbildung stehen. Nicht nur was Erfahrungen mit Mitmenschen (sozial) und in der Kommunikation (als Dramaqueens) betrifft. Man könnte sagen: Wenn sie den Hintereingang mal gefunden haben, dann reichts ihnen fürs ganze Leben…

Der Anfang der Schwulenbewegung hat sich um eigene wissenschaftliche Recherchen bemüht und darum, die erlebten Erfahrungen untereinander zu sammeln und zu verwerten, um ihrem bisherigen Leben entrinnen zu können. Heute stürzen sich quasi viele Männer in die Homosexualität, um darin irgendein Glück – vor allem den Spass (was immer das auch heissen mag) – zu suchen. In aller Einfalt halt. Sie versuchen auf die Art, wie sie die Heteros sehen, mit ihren homosexuellen Bedürfnissen zu leben. Vor allem die Diskreten sind immer so untolerant gegenüber den „homosexuellen“ oder gar „anti-heterosexuellen“ Formen von Paaren oder Gruppen. Und die Verstrickung in alle diese alten, komödienhaften, bühnenreifen Alltags- und Schicksals-Probleme der Heteros muss ihnen wohl wie eine Art Heimat vorkommen. Das haben einige Printmedien und Internetmedien begriffen: Lifestyle ist gefragt!

Ich bin jetzt 10 Jahre im Internet und habe Tausende von Profilen auf Plattformen gelesen, oft bestückt mit gefakten Pics aus dem Internet und möglichen Angaben über die körperliche Beschaffenheit der „Bewerber“, um eine„seriöse Beziehung“ oder „einen geilen Fick“ zu bekommen. Mir scheint dass sich eine Erkenntnis in den letzten Jahren bewahrheitet hat, die von den meisten übersehen wird: „dass es bei Cybersex nicht um den Geschlechtsverkehr mit einem (wie auch immer gearteten) Anderen geht, sondern um die Vorstellung des Verkehrs mit DEN Anderen. Die Anziehungskraft dieses Eros besteht nicht darin, dass ich es mit allen machen kann, sondern mit allen auf einmal. Wenn heute vom ‚Untergang des Körpers’ im Cyberspace die Rede ist, so wird dabei vergessen, dass der Begriff des ‚Körpers’ selbst eine neue Bedeutung angenommen hat: Er bezieht sich immer weniger auf den einzelnen, ach so fragilen und ach so langweiligen menschlichen Körper und immer mehr auf einen grossen Körper, durch dessen Adern die Lust an sich strömt und der die vielen kleinen Körper zu einer Einheit verschmelzen lässt.“ (Christina von Braun: Versuch über den Schwindel, S. 277/78)

Hieraus wird auch verständlich, dass sich viele in Chats mit „Rollenspielen“ begnügen, oder mit Fantasieschilderungen bedient werden wollen, die alle dann plötzlich abbrechen, wenn einer der Beteiligten seinen Orgasmus erreicht hat, oder er sich in dem Geschilderten/den “Fantasien“ nicht mehr wieder findet.

 

Ich hatte grad kürzlich eine nette Bekanntschaft aus der der Ostschweiz gemacht. Ein stimmungsvolles Bild eines sehnsüchtigen Jungen im Profil und die Suchangabe nach einem „Daddy“. Nach ein paar Messages schlug der junge Mann mir ein Telefondate vor. Obwohl ich völlig ungeeignet für solche Spiele bin, trieb mich die Neugierde in diesen Live-Versuch. In der Stimme erkannte ich eine ganz gewöhnliche junge „Tunte“ (vor allem an dem etwas „spitzen“ Tonfall), die mich um meine Fantasien mit ihm bat. Mich machte schon diese einseitige Dienstleistung stutzig, die da gefordert wurde. Und wirklich: Nach ein paar Sätzen brach er das Spiel ab mit der Bemerkung: „Weisst Du, es macht mich einfach gar nicht geil“. Ich war nicht sonderlich überrascht darüber und sagte einfach: „Ok und tschüss!“ und legte auf. Es handelte sich übrigens um einen Deutschen, der wohl beruflich ins Ausland verzogen ist und jetzt etwas allein mit seinem Schwanz herumhocken musste.  😉

Doch wie manches Girl/Frau ächzt, stöhnt und heult, wenn sie für einen Mann die Beine breit macht, nur um ihm die Freude zu lassen, es „supergut“ gemacht zu haben und ihm die Motivation zu geben, sich hinterher bei anderen Männern brüsten zu können?

Der Einbruch der Heterosexualität in die Gefilde der Schwulen findet permanent und auf sehr vielfältige Weise statt. Gut dokumentiert wird das auf sogenannten „gay Plattformen“. Ihre Selbstbeschreibung hat sich vom Begriff schwul für gay auf den ursprünglichen Begriff gay für fröhlich reduziert. Ich will jetzt mal Abstand nehmen von allen Fetischen, die herumgeistern. Darüber gäbe es Bücher zu schreiben. Aber auch allein schon bei den Männern werden die Geschlechterformen und –Identitäten immer vielfältiger:

Die Travestie ist eigentlich ganz gut und mit Tradition in die schwule Community integriert. Dieses Spiel diente seit jeher der Unterhaltung auch der Heteros und dem Beweis, dass Männer sehr gut die Frauen „ersetzen“ können – ja „die schöneren Frauen“ sein können. Sexuell aufreizend sind Transvestiten höchstens für Heteros. Im Allgemeinen aber sind öffentlich auftretende Transvestiten schwul (mit einigen heterosexuellen Ausnahmen!) und wollen das auch sein und bleiben. Sie sind auch meistens noch „nach der Vorstellung“ in der gay community unterwegs.

Die Bisexuellen – könnte man denken – hätten doch am meisten gemeinsam mit Schwulen! Doch das ist nicht der Fall. Das einzig Gemeinsame besteht im Bedürfnis nach Sex mit einem Mann. Alles andere möchten sie „nicht ändern“ – „Bin ungeoutet und das soll auch so bleiben. Akzeptiert dies oder lasst mich in Ruhe.“  39 (verh.) – „bin bi ungeoutet will es auch bleiben, bin hier um nette ehrliche Menschen kennenzulernen.“ …

Nicht alle sind so, aber es ist die ganz grosse Mehrheit, die es weder mit ihren Freundinnen, noch mit ihren Frauen oder Familien verderben wollen. Bi-Mann will zwar vom Honig schlecken, aber sich den Mund nicht klebrig machen! Wenn sich Gruppen bilden, dann vornehmlich unter dem Dach der Schwulen. An öffentliche Demos ist gar nicht zu denken! Sie teilen letztlich nur Augenblicke der Lust mit Schwulen…

Bei den Transsexuellen laufen die Interessen zu den Schwulen schon wesentlich mehr auseinander! Ich kann auf einige wenige persönliche Bekanntschaften mit Transsexuellen zurückblicken. Es mag eine Handvoll sein. Sie frequentierten zwar die gay community und wurden auch toleriert, aber sie verschwanden dann meistens mit einem heterosexuellen Ehemann. Doch wie das weiterging oder endete, erfuhren wir höchstens aus dem Szenentratsch, oder gar nicht. In der virtuellen gay community sind sie aber zu einem festen Teil geworden. Aber nur als Gruppe, nicht als „länger anwesende“ Profile, wie die Schwulen.

Immer mehr fallen die „internationalen Transen“ auf, die sich für bestimmte Zeiten in bestimmten Städten „anmelden“, wohl um dort „solvente Kundschaft“ anzulocken und nicht wirklich schwule Partner für ein Date, oder auf der angeblichen Suche nach „dem Richtigen“.

Auch diese „solvente Kundschaft“ bevölkert immer mehr die virtuelle gay community. Als Heteros, als Profile ohne Angabe der sexuellen Ausrichtung, oder als Bisexuelle. Offenbar hat das auf heterosexuellen Plattformen keinen Platz?! Da sind wir Gays doch viiil toleranter!

Es ist übrigens interessant, dass viele Heteros und Bisexuelle gerade über diese „Transen-Schiene“ in die Homosexualität eintreten. Was die Junghomos „stramm hetero-like“ abweisen: Weiblichkeit, Weichheit, Passivität bei Männern. Das greifen diese Abweichler von der Mehrheit auf, um einen Hybrid-Einstieg zu wagen. Dazu ein kleines Detail. Shemales werden oft und stramm-hetero-like als „Schwanzmädchen bezeichnet“. Bei Lichte besehen sind es aber „Tittenbuben“! (Ihr wisst schon was ich meine!)  😉

So kann man heute immer mal wieder über Headlines stolpern wie: „Sorry Gays, aber ich suche keine Männer!“ – „Ich möchte nur von DWTs, Transen und TVs Messages erhalten!“

Die neueste Gruppe der heterosexuellen Minderheiten sind die Transmen, oder auch mal Transfrauen. Sie treten bescheidener auf als die Transen. Die Angabe körperlicher Details wird eher vernachlässigt. Auch sie suchen sich Partner bei den Schwulen. Warum vergessen diese Leute aber immer ihre Lebenserfahrung aus dem „vergangenen“ Geschlecht, die ja nicht einfach wie auf einer Festplatte gelöscht werden kann? Also die Biografie einer Frau, die sich in einen Mann hat verwandeln lassen und mit einem Mann weiterleben will…

Was „vereint“ denn die gleichgeschlechtlichen Lebensweisen? Die gemeinsame Sozialisation und Lebenserfahrung als Männer oder als Frauen.

Was „vereint“ die homosexuell orientierten Menschen? Die gemeinsam erlebte grössere oder geringere soziale Diskriminierung noch obendrauf. Oder das emanzipierte Bewusstsein „anders – aber gleichwertig“ zu sein. Heteros eint: Gleich wie die Anderen, aber je anderswertig zu sein. Was sich nach wie vor an der Situation der Frauen – und auch der Schwulen – sehr gut ablesen lässt.

Wir können doch die geschlechtsspezifischen Erfahrungen und Lebenslinien nicht über den Haufen werden und öfter mal „neu anfangen“ im Leben! Nur Heteros, die mehrmals heiraten, glauben auch an sowas. Eben.

So finden wir Schwulen uns aus der historischen Bewegung über irgendeine gesellschaftliche Toleranz hinweg in einer Community wieder, die Schwule längst zu einer Minderheit unter den Minderheiten rücktransformiert hat. Die Gesellschaft hat uns mit dem Partnerschaftsgesetz Honig ans Maul gestrichen, aber gleichzeitig weitere Minderheiten absorbiert (sh. oben!).

Wenn man/frau/gender mir jetzt Intoleranz vorwirft, dann muss ich zurück fragen, warum denn alle diese vielfältigen Gender und Geschlechter doch meistens darauf aus sind, letztlich eine „hetero Zweierbeziehung“ zu finden, während ich als einfältiger Schwuler darauf aus bin, mich gerade nicht in eine solche einschliessen zu lassen!?

Dient vielleicht diese ganze Vielfalt von Geschlechtswesen nur dazu, letztlich die eheliche Zweierbeziehung unangetastet zu lassen und damit auch die gesamte Herr/Frauschaftsstruktur dieser Gesellschaft zu bewahren? Für Sonderformen gibt es eben Sondergesetze.

Das entspräche auch der Logik der „Toleranz von unten“, die eben die Machtverhältnisse nicht ändert und schliesslich resigniert – spätestens an dem Punkt, wo die Körperformen, die virtuellen Formen und die Gesetzesformen einmal erschöpft sein werden…  Guten Abend!

Peter Thommen (61) und „stramm-homo-liker Schwuler“  😉

Aktuelles Beispiel: „Eine Frau mit Herz (24, und XXL-Schwanz!) sucht Mann mit Herz für eine treue ehrliche Beziehung.“

siehe auch meinen Text über „Ehrlichkeit und Treue“!

und über mein Verhältnis zu „den Heteros“!  😉